30. April 2022
Szene-News

Zehn Tipps für das Reisen in einem Van

Umbaukosten, Reiseroute und Packsystem - ein Braunschweiger Paar verrät, worauf es bei einer Abenteuer-Reise im Van ankommt.

Sechs Monate haben Sarah Brauns und Alexander Liebing ihren Fiat Ducato Maxi für ihre Abenteuerreise durch Westeuropa umgebaut. Foto: Privat

Einfach „Pause“ drücken – das haben Sarah Brauns (30) und ihr Partner Alexander Liebing (38) im Sommer 2021 gemacht. Sie haben sich in ihren Jobs bei VW zunächst für ein Jahr freistellen lassen. Ihr Plan: herausfinden, was sie eigentlich wirklich vom Leben wollen. Ihr Van namens Dickie und eine sechsmonatige Reise durch Westeuropa waren der Schlüssel dazu. Jetzt wollen sie mit anderen ihre Erfahrungen und Tipps teilen.

Die Eindrücke der rund 14.000 Kilometer langen Reise haben sie in einem Blog festgehalten. Zunächst war dieses Reisetagebuch nur für Freunde und Verwandte vorgesehen. Jetzt plant das Paar, das seit vier Jahren zusammen ist, einen Teil davon auf „öffentlich“ zu stellen. „So können wir vielleicht auch anderen bei ihren Problemen beim Van-Ausbau helfen“, erklärt Alexander. Zahlreiche Tipps und Tricks können Interessierte dann unter www.dickieontour.com finden. Zehn Tipps haben Sarah und Alexander bereits im Gespräch mit uns verraten:

1. Umbaukosten realistisch einschätzen

Sowohl Zeit, Kosten und Nerven sollten Personen, die sich für den Um- beziehungsweise Ausbau eines Vans entscheiden, realistisch einschätzen. „Man muss schon Bock zum Tüfteln haben. Wenn man keinen Spaß an sowas hat, dann würde ich es nicht empfehlen“, sagt Sarah.

Aufgrund des großen Hypes um das Reisen in einem Van haben einige Hersteller sehr lange Lieferzeiten für einzelne Bauteile, was die Umbauzeit verlängern könnte. Das Paar selbst hat sechs Monate an dem Van geschraubt, drei davon in Vollzeit. „Wir hatten aber auch echt hohe Ansprüche, es sollte auch schön und nicht nur zweckmäßig sein“, erklärt Alexander lachend. Die Kosten beliefen sich dabei auf rund 15.000 Euro zusätzlich zu den bereits rund 14.000 Euro für den Van, einem Fiat Ducato Maxi.

Während der Reise haben sie auch viele verschiedene Aktivitäten ausprobiert. So waren sie unter anderem in der Schweiz klettern. Foto: Privat

2. Ein gutes und durchdachtes Packsystem haben

Um nicht ständig alles umräumen und suchen zu müssen, empfiehlt Sarah ein durchdachtes Packsystem. Passende Kisten können dabei helfen: „Wir hatten zum Beispiel jeder eine Kiste mit unseren Klamotten oder auch eine Kabelkiste, wir wussten so immer, wo alles ist“.

Bei anderen Campern haben sie sich dabei nicht orientiert, sie sind selbst durchgegangen, was sie brauchen. „Wir hatten sicherlich auch zu viel mit, vor allem an Ersatzteilen“, berichtet Alexander. Wo was am besten Platz findet, wurde im Laufe der Reise dann noch optimiert.

3. Grobe Reiseroute haben

Zur Orientierung während der Reise helfe eine grobe Route, die im Vorfeld ausgearbeitet wurde. Sarah sagt: „Man sollte aber auch etwas flexibel bleiben. So kann man auch schöne Orte entdecken, die nicht unbedingt genau auf der Route liegen“. Sich treiben lassen und dabei einige feste Ziele im Blick haben, war für die beiden die beste Lösung.

4. Park- und Stellplätze über die App „Park4night“ finden

Um im Vorfeld gute und sichere Parkplätze zu finden, empfehlen die beiden die App „Park4night“. Alle wichtigen Informationen wie Höhenangaben oder Kosten der Parkplätze werden dort angegeben.

Die neusten Kommentare anderer Camper helfen dabei, zu wissen, ob es kürzlich auf dem Parkplatz Probleme gab, ob es dort sicher ist, ob Campingplätze noch freie Stellplätze haben und ob sie noch geöffnet sind.

Die Küche im Van von Sarah und Alexander hat einen Gasherd und einen Kühlschrank. Foto: Privat

5. Geld in der Hinterhand haben

Obwohl sie, wie Alexander meint, viele Ersatzteile mithatten, war eines nicht dabei: eine neue Kupplung. Kurz vor Portugals Hauptstadt Lissabon gab die alte Kupplung des Vans den Geist auf. „Für solche unvorhersehbaren Dinge sollte man etwas Geld in der Hinterhand haben. Dann ist es einfach entspannter, falls doch mal etwas passiert“, empfiehlt die 30-Jährige.

Generell hatten die beiden pro Monat Ausgaben von rund 1500 Euro pro Person. In den Sommermonaten waren ihre Ausgaben dabei höher als im Winter, da dann die Campingplätze deutlich günstiger sind.

Zu diesen Kosten gehört auch, dass das Paar seine Wohnung in Braunschweig weiterbezahlt hat und für Versicherungen selbst aufgekommen ist. Gespart haben sie dafür an Ausgaben für Strom. Diesen haben sie mittels einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Vans selbst produziert und mit einer Ionen-Lithium-Batterie gespeichert. Das hatte auch einen Nachhaltigkeits-Aspekt: „Ich habe mich durch unsere eigene Stromproduktion dann auch recht nachhaltig gefühlt – und so brauchten wir fast nie Strom auf den Campingplätzen zu bezahlen“, sagt Alexander.

6. Plan für schlechtes Wetter haben

Dass der Van bei schlechtem Wetter sehr klein werden kann, das haben Sarah und Alexander während ihrer Tour auch gemerkt. Sie erinnern sich dabei vor allem an einen Tag am Anfang ihrer Reise Ende August 2021. Bei 12 Grad und Regen standen sie in Bayern am Walchensee. „Alexander ist da dann gechillter, aber ich kriege die Krise“, berichtet Sarah. Im Van bleiben war für sie keine Option: „Bei dem Regen kamen die Frösche hervor. Die habe ich dann den ganzen Tag über heile über die Straße getragen“.

Der Essbereich hinter der Küche bietet auch einen Blick nach draußen. Foto: Privat

Der kleine Raum macht zudem eine gute Kommunikation zwischen den Partnern notwendig. Das haben die beiden auch noch einmal intensiver gelernt. Sarah: „Es gibt eben nur diesen schmalen Gang im Van. Da hat es geholfen, dem anderen zu sagen, wo man als nächstes in Ruhe dran möchte. So steht man sich nicht im Weg“.

7. Ein paar Worte in der Landessprache sprechen

Was immer hilft, ist, ein paar Worte in der jeweiligen Landessprache zu sprechen“, meint Sarah. Sie spricht gut Französisch, ihr Partner Alexander kann Spanisch. In Portugal haben sie angefangen, etwas Portugiesisch zu lernen. Es habe etwas mit Respekt den Menschen gegenüber zu tun, sind sich beide einig. Alexander bezeichnet ein paar Worte in der Landessprache auch als Türöffner: „Und wenn man nur in der Landessprache fragt, ob der Gesprächspartner Englisch spricht.“

8. Lokalen Internettarif nutzen

Dass die mobilen Daten in Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarn deutlich teurer sind, ist für viele nichts Neues. Trotzdem ist es auch ein wichtiger Tipp von Sarah und Alexander, den lokalen Datentarif zu nutzen, indem in jedem Land eine neue SIM-Karte gekauft wird. So hatten sie in Portugal zum Beispiel einen Anbieter, bei dem der Tarif einen Euro pro Tag kostete und sie dann unbegrenztes Datenvolumen hatten.

9. Ein Fortbewegungsmittel mithaben

Etwas bereut haben Sarah und Alexander die Entscheidung, keine eigenen Fahrräder mitgenommen zu haben. Sie hatten zwar Longboards dabei, aber Räder wären besser gewesen, meint Sarah. Im Vorfeld dachten sie sich, dass sie sich öfter Fahrräder ausleihen könnten, doch dies war nicht der Fall. „Gerade in den Nationalparks, da sind nicht immer Fahrradverleihe an den Campingplätzen“, erklärt Sarah.

10. Respektvolles Benehmen

Das Bad im Van hat eine Dusche und eine Trockentrenn-Toilette. Foto: Privat

Wenn man Sarah und Alexander fragt, was ihnen am Van-Life am besten gefallen hat, dann ist es die Freiheit, immer draußen sein zu können. Gar nicht gefallen hat ihnen jedoch die Ablehnung, die Campern zum Teil entgegengebracht wird. „Ich hatte am Anfang oft das Gefühl, mit dem Camper nicht erwünscht zu sein“, schildert Alexander. Viele Menschen, die mit einem Van oder einem Bus unterwegs sind, würden sich zu wenig Gedanken machen, welchen Eindruck sie hinterlassen. Alexander: „Ich kann nicht einfach meinen gesammelten Müll der letzten Tage in einen öffentlichen Mülleimer auf einem normalen Stellplatz entsorgen. Dafür sind die Dinger nicht ausgelegt“.

Reisende mit einem Van sollten sich solchen Problemen bewusst sein. Für Alexander und Sarah habe dies etwas mit Respekt zu tun. Schließlich müsse ein Ort so zurückgelassen werden, wie er vorgefunden wurde. Auch beim Reisen mit dem Van.

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