21. August 2022
Konzert-Tipps

Ukrainisches Star-Orchester lebt in Wolfenbüttel in einer WG

Die ukrainischen Musikerinnen und Musiker vom „Prime Orchestra“ verteidigen ihr Land mit Musik. Alle 35 Mitglieder leben in Wolfenbüttel.

Prime Orchestra spielen live einen bunten Mix. Foto: Lukas Dörfler

Prime Orchestra spielen live einen bunten Mix. Foto: Lukas Dörfler

Wer dieses ukrainische Orchester einmal live erlebt hat, wird es nicht mehr vergessen. Prime Orchestra füllt die Bühne mit seinen 35 Musizierenden komplett aus – und geht dabei mindestens ebenso ab wie das Publikum vor der Bühne. Aufgebaut sind sie wie ein Orchester – plus DJ, Chor und Rockband – und spielen Hits von den 80ern bis heute und auch klassische Lieder. Nun ist das komplette Orchester in ein Haus in Wolfenbüttel gezogen, das jetzt wohl die musikalischste WG der Region sein dürfte. Doch sie sind nicht etwa vor dem Krieg geflohen. Sie sind hier mit einer Mission.

Die Produzenten Maksym Maksymenko, Yuriy Rybalka and Alexey Khorolsky gründeten das Prime Orchestra im Jahr 2014 in Charkiw im Nordosten der Ukraine. Mit diversen Universitäten und Hochschulen gilt sie nach Kiew als Bildungszentrum des Landes. Das zeigt sich auch an der Zusammensetzung des Prime Orchestras: Viele waren Studierende an der Charkiw Musik Akademie oder an der Charkiwer University of Music. Hinzu kamen professionelle Musiker aus der Umgebung von Charkiv und Mitglieder bekannter Bands. Vor dem Krieg bestand das Team aus ungefähr 40 Personen, nun sind es um die 35 Menschen zwischen 20 und 48 Jahren.

Queen, Coldplay und Rolling Stones

„Wir sind kein klassisches Orchester. Neben den ganzen klassischen Instrumenten haben wir noch einen Chor, eine Rock- und Jazzband und einen DJ“; sagt Khorolsky. Und ebenso durchmixt ist ihr Repertoire, das mittlerweile schon fast 100 Lieder umfasst. „Die Lieder, die wir spielen, sollten bekannt sein. Und natürlich interessant für die Musiker“, sagt der 43-Jährige. „Hier hören wir auf unseren eigenen Geschmack.“ So mache ihnen jedes Lied Spaß.

Und die Strategie geht auf. Die Zuhörenden freuen sich ihre Lieblingshits in neuem Gewand zu hören, nach jedem Song wird der nächste mit Spannung erwartet. QueenColdplayRolling Stones – bei 100 Liedern ist einiges dabei.

Der Krieg in der Ukraine änderte ihr Leben

Auch der Spaß, den die Musiker haben, ist ansteckend. Prime Orchestra spielt auch einen Mix an Liedern der Hardcore-Elektro-Band „The Prodigy“. Wenn da die Musik kurz stoppt, alle Musiker sich zum Publikum wenden und „Magic People – Voodoo People“ rufen, nur um dann wieder mit voller Power die Musik wieder übernehmen zu lassen, ist das ein magischer Moment. „Magic People – Prime Orchestra“ möchte man ihnen entgegenbrüllen.

Doch so federleicht die Stimmung auf der Bühne auch sein mag, so schwer sind die Herzen der Musizierenden, wenn sie an ihre Heimat denken. Denn auch für sie war der 24. Februar, der Tag an dem Wladimir Putin mit dem Überfall auf die Ukraine den brutalen Angriffskrieg startete, unerträglich. Ebenso wie die Wochen danach.

Kulturbotschafter der Ukraine

„Als die Bomben in Charkiw fielen, war das sehr schlimm“, sagt Khorolsky. Es passiert das, was die Vollblutmusiker sich vor Kriegsbeginn wohl nicht hätten vorstellen können: Die Musik wird zur Nebensache. „Die ersten Tage nach Kriegsausbruch habe ich nicht einmal Musik gehört. In meinem Kopf war so viel los. Es ging erst einmal ums Überleben.“ Doch dann habe er auf seinem Handy Musik angemacht. „Mit ihr haben sich die düsteren Gedanken in meinem Kopf gelichtet“, sagt Khorolsky. „Musik hilft uns – jedes Mal aufs Neue.“

Wie es für das Prime Orchestra nach Kriegsbeginn weiterging, lest ihr bei der Braunschweiger Zeitung.

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