29. September 2019
Topstories

Multimedia-Künstler Robin Rhode verkündet „Memory Is The Weapon“ in Wolfsburg

Aufwändige Wandarbeiten und expressive Zeichnungen werden bis Februar 2020 im Kunstmuseum präsentiert

Der südafrikanische Künstler Robin Rhode verlagert visualisierte Kurzgeschichten auf die Wand. Foto: Kunstmuseum Wolfsburg

Sein Markenzeichen ist die Wand. Diese stand für den südafrikanischen Künstler Robin Rhode in den vergangenen acht Jahren in einem sozialen Brennpunktviertel in Johannesburg.

Musik, Film, Sport und Jugendkultur

Der Einfluss urbaner Musikkultur, von Film, populären Sportarten und Jugendkultur hat sein Werk stark geprägt. Aber auch die lokale Tradition des Geschichtenerzählens haben die Entwicklung seiner Street-Art-Ästhetik beeinflusst. Doch nicht nur das Kunstwerk an der Wand, sondern vor allem die fotografische Dokumentation der Entstehungsphasen, interessiert ihn.
Die spannungsreiche Kombination aus Linie, Körper und der Wand dienen Rhode als Bildträger. Schritt für Schritt entwickelt und verlebendigt er die Linie durch die performative Interaktion mit dem Körper. So lange, bis diese eine abstrakte Form oder ein Objekt definiert. Hört sich vielleicht etwas verschwurbelt an, sieht aber beeindruckend aus.

Guckst du quer: Komplexe Inhalte werden vom Künstler auf wenige visuelle Zeichen reduziert. Foto: Kunstmuseum Wolfsburg

Alltagsgegenstände werden zum Zeicheninstrument

Im Gegensatz zu den farbgewaltigen Wandarbeiten, die bis dato in Südafrika entstanden sind, erkundet Robin Rhode in Deutschland schwarz-weiße Zugänge zur Zeichnung. Hier zeichnet er nicht nur mit Seife, Kohle, Kreide und Farbe, sondern Alltagsgegenstände selbst wie Stühle, Fahrräder oder Betten werden zum performativen Zeicheninstrument. Die expressiven Zeichnungen, die er während seinen energiegeladenen Performances spontan entwickelt, stehen im Gegensatz zum perfektionierten Illusionismus und der intendierten Leichtigkeit seiner aufwändigen Wandarbeiten. Der 43-jährige Künstler reduziert komplexe, bisweilen auch gesellschaftskritische oder -analytische Inhalte auf wenige visuelle Zeichen. Oder, wie er es ausdrückt: er vereinfacht das Chaos mit den Mitteln der Kunst.

Eine visuelle Reise in die Siebziger Jahre? Diese Raum-Wand-Werke entfalten ihre Wirkung. Foto: Marek Kruszewsk

Südafrikanischer Geschichte trifft europäisch-amerikanische Moderne

Die auf mehr als 800 Quadratmetern ausgestellten Werke behandeln nicht nur offenkundige Themen wie Sport, Musik, Design, Geometrie, Farbenlehre und Religion. Auch sozialpolitische Aspekte, wie die Geschichte der „Coloured Communitys“ in Südafrika, werden reflektiert. Seine Bildsprache und -inhalte sind ein konzeptueller Spagat zwischen südafrikanischer Geschichte, Kultur, Mentalität sowie ihren Zeichen und Codes und dem visuellen Vokabular der europäisch-amerikanischen Moderne.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg (vom 28. September 2019 bis 9. Februar 2020) bietet mit digitalen Animationen, fotografischen Serien, skulpturalen Elementen sowie zwei Performances den bis dahin umfassendsten Überblick über das Werk von Robin Rhode.

Under The Sun: Sonnenbad am Straßenrand. Geometrie trifft auf Gesellschaftskritik, Farbe, Form und vieles mehr. Foto: Kunstmuseum Wolfsburg

 

Auch interessant