25. Oktober 2019
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„Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“ in Wolfsburg

Die Ausstellung über Sexualität, Selbstdarstellung und -inszenierung startet heute Abend im Kunstmuseum

Chillout auf dem Sofa: "Prinzessin" ist dieses Werk von Grit Hachmeister betitelt. Werk: Grit Hachmeister

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ fragte und erklärte Philosoph Richard David Precht im Jahr 2007 in seinem Sachbuch-Bestseller. Diese Frage und Feststellung umkreist und reflektiert auch die Ausstellung „Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“. Heute Abend wird sie im Kunstmuseum Wolfsburg eröffenet.

Fragen nach der eigenen Identität

Gerade während der Pubertät gewinnen Fragen nach der eigenen Identität an besonderer Bedeutung: „Wer bin ich? Wie sehen mich andere? Oder: Wer will ich sein?“, lauten einige dieser Fragen, die sich Jugendliche stellen. Volontärinnen des Museums haben mit Heranwachsenden zwischen 14 und 17 Jahren ein facettenreiches kuratorisches Programm dazu erarbeitet.

„The Myth Of Narcissus“. Foto: Signe Pierce + Eli Rezkallah für Plastik Magazine

Die Transformation des Körpers

Die Transformation des eigenen Körpers, die erwachende Sexualität, sich herausbildende gesellschaftliche Aufgaben und Zuschreibungen beschäftigen Jugendliche intensiv. Zudem werden sie sich der unterschiedlichen Identifikationsangebote aus der realen und digitalen Umwelt bewusst. Auch in der zeitgenössischen Kunst werden diese existenziellen Fragen intensiv verhandelt: In einem Wechselspiel aus Rezeption, Selbstdarstellung und -inszenierung diskutieren Künstler und Künstlerinnen verschiedene Repräsentationsformen von Identität. Sie reflektieren dabei gesellschaftliche Rollen und stereotype Identitätsmuster.

Mário Macilau präsentiert in ihren Arbeiten „Moments Of Transition“. Foto: Mário Macilau

Selbstbestimmung, Schönheitsideale und Selbstinszenierung

Aus einer Vorauswahl aus 200 Kunstwerken wählte das junge Projektteam künstlerische Positionen zu Aspekten der sexuellen Selbstbestimmung, Schönheitsideale und Selbstinszenierung aus. Auch  Abgrenzung, Krisen und Konflikte beleuchten die Ausstellungsexponate exemplarisch.
Gezeigt werden Arbeiten von Nevin Aladağ, Richard Billingham und Daniele Buetti. Daniela Comani, Birgit Dieker und Cao Fei. Sylvie Fleury, Harry Hachmeister, Isabell Heimerdinger und Johannes Kahrs. Barbara Kruger, Mário Macilau undBjørn Melhus, Signe Pierce, Richard Prince, Ulrike Rosenbach und Kerry Tribe.

„My Future is not a dream“ ist eine Werkreihe von Cao Fei betitelt. Foto: Cao Fei

Cao Fei, Signe Pierce und Richard Billingham

Die junge Netzkünstlerin Signe Pierce nutzt beispielsweise digitale Plattformen wie Instagram, um durch Formen der Selbstinszenierung ein mediales Alter Ego zu kreieren. Dieses wird in Echtzeit einer digitalen Öffentlichkeit außerhalb des geschützten musealen Raumes zur Diskussion zu gestellt. Mit ihren teils stark sexualisierten Darstellungen zeigt die Künstlerin, dass der eigene Körper wiederkehrend zur zentralen Konfliktzone und Ort der sozialen Auseinandersetzung wird.  Auch der Künstler Harry Hachmeister spielt in seiner fotografischen Langzeitserie mit stereotypen Geschlechterrollen. Er dokumentiert die Suche nach seiner sexuellen Identität. Das Thema der sozialen Verortung greift Richard Billingham auf, indem er das prekäre soziale Milieu seiner eigenen Familie beleuchtet. Die Künstlerin Cao Fei untersucht, inwiefern sich unsere persönlichen Träume und Interessen mit der industrialisierten Arbeits- und Lebenswelt in Einklang bringen lassen. Kritik an einer von Kapitalismus getriebenen Gesellschaft üben auch Sylvie Fleury und Daniele Buetti. Fleury spiegelt mit ihren mit Luxusartikeln gefüllten Shoppingbacks die verbreitete Gier nach Markenprodukten. Buetti ritzt den Models seiner Fotografien in einem gewaltvollen Akt die Markenzeichen als Narben in ihre makellos erscheinenden Gesichter.
Die Ausstellung „Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“ kann man sich vom 25. Oktober 2019 bis 12. Januar 2020 im Kunstmuseum Wolfsburg angucken.
Die Eröffnungsparty startet heute Abend, 25. Oktober, 20:30 Uhr.

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