Hysterischer und verzweifelter Einzelgänger – Szene38
4. September 2019
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Hysterischer und verzweifelter Einzelgänger

Der „Joker“ kämpft mit sich und der Gesellschaft im Oktober im C1 Cinema Braunschweig

Mit diesem Mann ist nicht zu spaßen. Joaquin Phoenix spielt den berühmt-berüchtigten DC-Schurken. Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Clowns haben Konjunktur im Kino. Am 5. September treibt Horror-Clown Pennywise (Bill Skarsgård) in „Es – Kapitel 2“ wieder sein Unwesen in der Kleinstadt Derry. Am 10. Oktober tritt der „Joker“, der berühmt-berüchtigte DC-Schurke, auf die deutschen Kinoleinwände.

Traditionelle Mythologien der Figur

Ende August war die Ursprungsgeschichte bereits bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2019 zu sehen – und erhielt dort eine Nominierung für den Goldenen Löwen. In der düster-abgründigen Ursprungsgeschichte von Batmans Erzrivalen spielt Joaquin Phoenix einen Mann, der zu Unrecht von der Gesellschaft ausgestoßen wird. Todd Phillips, Regisseur, Co-Autor und Produzent von „Joker“, reflektiert die traditionelleren Mythologien der Figur, aber dennoch deutlich außerhalb dieser liegend.

Zum Lachen ist einem bei dieser tragischen Figur nicht zumute… Warner Bros. Pictures Germany

Düstere, allegorische Charakterstudie

Seine Studie über Arthur Fleck, eindringlich porträtiert von Joaquin Phoenix, zeigt einen Mann, der darum kämpft, in Gothams zerrütteter Gesellschaft seinen Weg zu finden. Sehnsüchtig danach, das Glück auf seine Seite zu ziehen, versucht er sich als Stand-up-Comedian. Doch schnell findet er heraus, dass jeder Scherz stets auf seine Kosten zu gehen scheint. Eine düstere, allegorische Charakterstudie. Arthur ist gefangen in einer Abwärtsspirale aus Gleichgültigkeit und Grausamkeit und letztlich Verrat. Er trifft eine fatale Fehlentscheidung nach der anderen, die zu einer Kettenreaktion von eskalierenden Ereignissen führen.

Gehänselt, verspottet und drangsaliert

Einzelgänger Arthur Fleck durchstreift die dreckigen, verrußten Straßen von Gotham City nach Anschluss. Er fährt mit den graffitiverschmierten Zügen des Transitverkehrs durch eine feindselige Stadt voller Spaltung und Unzufriedenheit. Ein missverstandener Mensch, den das Leben immer wieder niederstreckt. Aufgewachsen ohne Vater, hat Arthur eine zerbrechliche Mutter, die ihm den Kosenamen Happy gab. Ein Lächeln, um den Schmerz zu verbergen. Von Teenagern wird er auf der Straße drangsaliert, von Anzugträgern in der U-Bahn verspottet und von seinen Arbeitskollegen gehänselt. Die tragisch-gruselige Story eines sozialen Außenseiters. Diese trägt Anspielungen an Filmklassiker wie „Taxi Driver“, Death Wish“, „The Shining“ und „The Purge“ in sich.

Joaquin Phoenix in einer Paraderolle

Der dreimal für einen Oscar nominierte Joaquin Phoenix („The Master“, „Walk the Line“, „Gladiator“)  spielt die Titelrolle an der Seite des Oscar-Preisträgers Robert De Niro („Wie ein wilder Stier“, „Der Pate: Teil II“). Phoenix spielt einen elendigen, gequälten und kaputten „Joker“. Zwischen hysterischen Lachen und verzweifelten Schluchzen, Tragödie und Komödie.
Eine weitere starke, originäre Joker-Darstellung. Der verstorbene Schauspieler Heath Ledger hatte für seine Joker-Darstellung in „The Dark Knight“ im Jahr 2008 Maßstäbe gesetzt. Phoenix verpasst dem nihilistischen, charismatischen Clown einen neuen, faszinierenden Anstrich. Der Film startet am 10. Oktober 2019 in den deutschen Kinos.

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