Die lauteste Pommesbude Deutschlands – Szene38
21. Juli 2020
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Die lauteste Pommesbude Deutschlands

Von einer Idee zur waschechten Geschäftsidee: Mit ihrer mobilen DJ-Stage wollten André und Oli "nur" auf Festivals fahren. Doch nun können sie damit den coronabedingten Einbußen entgegenwirken. Wir hatten die Jungunternehmer für ein Interview zu Gast und konnten näher nachfragen.

Aus einem spontanen Einfall zur Geschäftsidee: Die zwei Jungunternehmer André und Oli bauten eine gewöhnliche Pommesbude zur mobilen DJ-Stage um. Foto:

Aus einem spontanen Einfall zur Geschäftsidee: Die zwei Jungunternehmer André und Oli bauten eine gewöhnliche Pommesbude zur mobilen DJ-Stage um. © Marcel Musiol Photography

André links) und Oli rechts) kam eine spontane Idee.
André (links) und Oli (rechts) kam eine spontane Idee. © Marcel Musiol Photography

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Die Event- und Veranstaltungsszene leidet unter den extremen Einbußen durch die Corona-Krise. Wo, wann und wie wieder Klein- und Großveranstaltungen stattfinden dürfen, ist derzeit nicht zu sagen. Clubs, Bars und sonstige Einrichtungen kämpfen um die Existenz oder müssen teilweise gänzlich ihre Tore schließen. Doch es sind weniger die Locations, die leiden, sondern die Menschen dahinter. Es sind vor allem Klein- und Jungunternehmer, die sich mit ihrem Hobby oder ihrer Leidenschaft nebenbei ein Standbein aufgebaut haben. So auch die beiden Unternehmer André Bohlmann und Oli Kammler, die erfolgreich als DJs tätig sind: „Die Verluste sind echt enorm, staatliche Unterstützung bleibt aus. All‘ unsere Auftritte und Gigs sind dahin. Deshalb mussten wir umdenken und über den Tellerrand hinausschauen. So sind wir schließlich auf unsere Pommesbude als mobile DJ-Stage gekommen.“

 

 

So sah die Pommesbude ursprünglich aus... Foto: André Bohlmann
So sah die Pommesbude ursprünglich aus… © André Bohlmann

„Eigentlich wollten wir die Pommesbude nur fürs Festival…“

Doch die Ursprungsidee der lautesten Pommesbude Deutschlands hatte absolut nichts mit Corona zu tun. „Wir fahren regelmäßig aufs Festival – vor allem zum Sputnik Spreakbreak. Und wer kennt es nicht: Die Parties auf dem Zeltplatz stehlen so manchen eigentlichen Acts die Show. Wir gehören auch dazu – deshalb wollten wir etwas Mobiles, womit wir besser, lauter und noch mehr feiern können. Und eines Tages sind wir ganz spontan schließlich auf die Idee gekommen, einen Imbisswagen oder was auch immer umzubauen und nach unseren Zwecken umzufunktionieren“, erzählt André. Der 30-Jährige ist seit 2007 als DJ tätig, stammt ursprünglich aus der Region38 – genauer aus Königslutter – und lebt derzeit in Ausleben, einem Dorf in Sachsen-Anhalt.

... und so sieht sie jetzt aus. Foto: André Bohlmann
… und so sieht sie jetzt aus. © André Bohlmann

„Dann ging natürlich die Suche los. Wo bekommen wir eine solche Pommesbude her? eBay Kleinanzeigen war da die erste Anlaufstelle. Und im April bot schließlich ein User aus Hameln unseren jetzigen Wagen zum Verkauf an. Ohne lange zu überlegen, haben wir Kontakt aufgenommen, sind hingefahren und könnten die Bude recht günstig schießen“, führt Oli, der bereits seit 2000 als DJ unterwegs ist, weiter aus. Der 31-Jährige stammt gebürtig aus Schöningen im Landkreis Helmstedt und ist seitdem auch weiterhin dort wohnhaft. „Wie gesagt: Es war nie unser Plan oder Intention, mit der Pommesbude als DJ-Stage Geld zu verdienen. Doch dann kam Corona…“

Von einer Pommesbude zur mobilen DJ-Stage

Der Innenausbau und Umbau des einfachen Imbisswagens dauerte knapp über einen Monat: Im April konnten die beiden die Pommesbude erstehen, am 25. Mai diesen Jahres wurde sie offiziell angemeldet. Da aus dem reinen Spaßfaktor nun doch eine Geschäftsidee mit Potenzial gesehen wurde, investierten die beiden Jungunternehmer nun doch mehr in den Umbau: „Wenn, dann wollten wir es schon ordentlich machen. Schließlich ging es jetzt um mehr als nur das Feiern auf dem Festival.“

Und schon jetzt erhalten André und Oli erstes Feedback und Anfragen. Auch einen offiziellen Gig haben sie in der mobilen DJ-Stage hinter sich vier weitere stehen demnächst an. „Wir bekommen echt viele Anfragen: Restaurants, Sportvereine Open-Air-Events und mehr. Sie alle haben Interesse, aber aufgrund der anhaltenden Corona-Maßnahmen dürfen keine solchen Events stattfinden“, so die beiden DJs. „Mit diesem Feedback könnte man fast behaupten, dass wir eine Marktlücke erwischt haben. Und das haben wir auch. Denn wenn man sich jetzt mal so umschaut, ob nun in unserer Region oder sogar deutschlandweit, ist nichts Vergleichbares zu finden. Wir decken ein so breites Spektrum ab.“ Pommesbude hin oder her – wie geht das?


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Autark und innovativ: So funktioniert es

Wir von Szene38 wollten dann wissen, wie denn das Ganze genau funktioniert.

André und Oli erklären: „Der Wagen ist durch und durch autark sowie innovativ. Wir können ihn individuell an die Wünsche und Bedürfnisse der Interessenten anpassen. Unser größter Vorteil ist wahrscheinlich, dass wir nicht wetterabhängig sind, wie beispielsweise Live-Bands, die auf einer Freiluft-Veranstaltung spielen. Der DJ und das Equipment sind in der Bude immer im Trockenen.“

Bedürfnisse der Interessenten – man kann euch also einfach anschreiben?

„Quasi ja. Die Vermietung der mobilen Stage erfolgt über unsere Website. Wir vermieten den Wagen entweder allein und einzeln oder eben mit einem unserer DJs. Demnach variieren die Preise. Aufgrund dieser Flexibilität runden wir das Portfolio unserer Agentur ab“, so die beiden.

Heißt das, ihr fahrt durch ganz Deutschland, um aufzutreten?

„Ja und nein. Primär und zum jetzigen Zeitpunkt haben wir uns auf die Region38 und die nähere Umgebung wie beispielsweise Magdeburg fokussiert. Es ist nun mal immer eine Frage von Preis, Leistung und Aufwand: Spritkosten, Unterkunft, Verpflegung – das alles muss von beiden Seiten aus kalkuliert werden. Wenn das Angebot und das Drumherum passt, zögern wir auch nicht, deutschlandweit unterwegs zu sein. Und dem jetzigen Feedback zu urteilen, wird das nicht mehr lange dauern“, erklärt André.

Erzählt doch bitte nochmal kurz etwas zu eurer Agentur und eurem Team.

Oli dazu: „Bei uns arbeiten kluge Köpfe als Freunde zusammen. Insgesamt sind wir vier DJ-Acts: Somit können wir eine ordentliche Bandbreite an Musikrichtungen, Geschmäckern und Genres abdecken. Natürlich spielen wir auch auf Wunsch. Und die mobile Bühne komplettiert unser gesamtes Angebot nochmal.“

Vier DJ-Acts: Wer steckt genau dahinter?

Disco Brother – das bin einmal ich selbst“, erklärt André. „Seit 2007 bin ich unter diesem Namen bekannt und stehe seitdem hinter sämtlichen DJ-Pulten der Region. Meine Bühnen sind Klassiker wie Hochzeiten und Geburtstage – frei nach dem Motto: ‚All you can dance‘. Dazu spielen Oli und ich seit knapp zwei Jahren als Duo – und zwar als AlphaBeat. Gemeinsam bringen wir Fans von Techhouse und Elektro-Beats zum Tanzen. Dazu kommt noch Marcel alias mod.M. Sein Sound ist ein Mix aus House und Techhouse. Der vierte im Bunde ist Nick alias Monoton – und euch schon bekannt. Aktuell begeistert er mit Tracks aus dem Techminimal gepaart mit aktuellen Techno-Sounds.

Klingt nach einem echten Herzblutprojekt. Seid ihr in irgendeiner Weise abgesichert, was eure mobile DJ-Stage?

„Auf jeden Fall! Der Vermietung unserer ehemaligen Pommesbude läuft so ab, wie bei einer Wohnung: Es erfolgt eine offizielle Übergabe mit kleiner Einweisung, danach kommt genauso die Abnahme. Alles ist vertraglich geregelt“, erklärt Oli. „Sonstige Schäden wie beispielsweise am Equipment und Co. decken natürlich unsere bereits bestehenden Versicherungen ab. Alles andere läuft normal über die Haftpflicht“, ergänzt André.

Was ist euer Plan oder Wunsch für die Zukunft?

Beide dazu: „Dass die Maßnahmen und Einschränkungen langsam und bald gelockert werden können, sodass sich die Event-Szene erholen kann. Und dass wir mit unserer mobilen Stage durchstarten können. Denn wenn die Anfragen Realität werden, können wir in ganz Deutschland spielen. Und dann steht auch einer zweiten Pommesbude nichts mehr im Weg…“

Herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick, wir wünschen euch alles Gute!

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