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The Esprits im Interview: „Wir machen diesen Indie-Rock – in geil“

"Grünehosenträgergang": Die Hosenträger sind das Markenzeichenn von The Esprits. Am Freitag (22. Mai) spielen sie ihren Tourabschluss im B58. Foto: Veranstalter / oh.

Als „Grünehosenträgergang“ sorgen The Esprits um André (Schlagzeug), Roman (Gitarre und Gesang), Till (Gitarre) und Bunker (Bass) für kraftvollen Rock. Am Samstag (23. Mai) spielt die Braunschweiger Band ab ihren Tourabschluss im B58. szene38 hat sich vorab mit Roman und André unterhalten.

Wie habt ihr denn zusammengefunden?
Roman: Wir sind aus dem gleichen Nest, allesamt aus Vechelde. Wir waren schon befreundet, haben irgendwann dann auch angefangen Musik zu machen. Es gab ein, zwei Umbesetzungen – als wir geschaut haben, wo man so hinkommen kann. Seit 2012 sind wir schließlich „Grünehosenträgergang“ unterwegs.

Wieso eigentlich Grünehosenträgergang?
Roman: Weil wir die grünen Hosenträger auf der Bühne tragen. Die Leute haben uns immer gefragt warum wir die tragen, wer wir überhaupt sind. Wir sind nicht einfach nur eine Band, wir sind beste Kumpels. Eine Gang. Ob wir jetzt auf der Bühne stehen oder ob jemand von uns am Merch-Stand steht, jeder ist Teil der Gang.
André: Selbst wenn wir auf Tour waren und uns ununterbrochen gesehen haben. Am Tag danach sehen wir uns meistens direkt wieder.
Roman: Wir gehen uns zwar irgendwann auch auf den Sack, trotzdem haben wir wieder etwas zusammen gemacht. Weil wir eine Gang sind.

Habt ihr von Anfang an eigene Songs gespielt?
Roman: Wir haben von Anfang an versucht, gleich eigene Songs zu schreiben. Die waren eigentlich eher schlecht als alles andere. Es waren auch deutsche Songs dabei, alles gemischt. Wir wussten am Anfang ja gar nicht was wir machen wollten. Wir haben einfach „Mukke“ gemacht. Haben Songs der Bands gespielt, die wir cool fanden. Irgendwann hat sich unser Sound herauskristallisiert.

War das eine bewusste Entscheidung? Euch wird ja ein bestimmter Stil nachgesagt.
Roman: Wir hören eigentlich jede Art von Musik, etwa ebenso Hip-Hop. Es gibt auch krasse Hip-Hop-Künstler, die wirklich heftige Lines haben. Bei uns war es relativ schnell klar, dass wir englische Musik machen wollen. Rock ’n’ Roll ist Englisch. Außer es wird ein Revolverheld-Abklatsch…
André: …und das ist nicht unbedingt das Ziel (lachen). Die Songs sind da, und dann kann man schauen, wonach es klingt. Eine bewusste Entscheidung – dass wir Musik wie diese oder jene Band machen wollen – ist es nicht. Wir schreiben die Lieder, irgendwas kommt dann dabei heraus.
ROman: Wir wollten Songs schreiben, die wir auch selbst abfeiern, die uns gefallen. Jedes Mal.

Wenn euch trotzdem jemand fragen würde: Was macht ihr für Musik? Wie würdet ihr das beschreiben?
Adnré: Wir haben mal gesagt: Wir machen diesen Indie-Rock…aber in geil (lachen).
Roman: Dieser klassische Indie-Rock, wo die Leute mit zusammengeschlagenen Beinen zu tanzen und den Jutebeutel umhängen haben – diese Musik machen wir nicht. Wir machen aber auch keinen klassischen Rock ’n’ Roll. Wir machen einen Mix dazwischen.

An welchen Orten fühlt sich eure Musik zu Hause?
Roman: Wir sind gerne da auf der Bühne wo uns die Leute grenzenlos abfeiern. Richtig Bock haben.

Eure Texte drehen sich um das jung bleiben und fühlen. Was heißt „rebellisch sein“ für euch genau?
Roman: Rebellisch sein heißt auf jeden Fall nicht, dass man sich mit Drogen vollpumpen muss. Sondern eher, dass man in gewissen Momenten diesem Alltagstrott entflieht. Ob man 50 oder 20 ist, ist dabei egal. Dieses blauäugige ein Stückweit behalten, einfach mal machen. Das geht oft verloren, finden wir.

Wie macht man sich als Band bundesweit einen Namen?
André: Viel spielen, das ist das A und O. Du musst deutschlandweit in die Munde kommen, auch in lokale Zeitschriften kommen.
Roman: Ich glaube auch, dass es diese klassische Oxentour ist. Du musst auch mal vor zehn Leuten spielen. Aber wenn es dann acht Leuten gefallen hat, und die es ihren Freunden erzählen, dann sind es beim nächsten Mal mehr als zehn Gäste. Es bringt unserer Meinung nach nichts durch die Hilfe irgendwelcher Investoren kurzzeitig gehyped zu werden. Danach bist du wieder weg. Ich kann dir vielleicht einen Gewinner von DSDS aufzählen, und ich glaube das geht ganz vielen so. Das sind Akteure, die ausgesagt werden. Die großen Bands wie die Beatsteaks, die Toten Hosen & Co haben alle diese Touren gemacht. Auch Bosse hat das durchgemacht, der hat jede Teekanne mitgenommen.

Euer Album ist fertig, im Oktober soll es erscheinen. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?
Roman: Wir haben etwa ein Jahr daran geschrieben. Wir haben es in zwei Etappen aufgenommen. Die ersten fünf Songs in 2013, im August 2014 die Weiteren. Wir haben viel an dem Album gearbeitet. Wir wollten sichergehen, dass es die besten Songs sind, die wir aus uns herausquetschen können. Jetzt ist das Album fertig und wir wollten erst einmal noch ein paar Konzerte spielen, ein paar Leute erspielen.

Wenn ihr das Album beschreiben müsstet, wovon erzählt es?
Roman: In dem Album steckt im Grunde eine komplette Bandgeschichte, mit allem was dazugehört. Die Geschichten um die Leute drumherum. Freunde. Die Geschichten dazu, wo ich eigentlich mit Mitte 20 stehe. Wo ich hinmöchte. Ein paar Frauengeschichten sind vielleicht auch dabei. Und ein paar klassische Dinger, wo wir einfach abfeiern wollten. Auch mal den Mittelfinger zeigen.

Wo wollt ihr als Band hin?
Roman: Wir arbeiten auf jeden Fall darauf hin, dass wir nur noch Musik machen können.
André: Das ist jetzt auch noch nicht anders. Nur, dass wir davon jetzt noch nicht leben können. Und das soll sich ändern.
Roman: Primär wollen wir gute Songs schreiben und gute Konzerte spielen. Wir sind keine Band, die sich zwei Jahre lang in ein Studio einschließt. Da fällt uns die Decke auf den Kopf. Wir wollen Konzerte spielen, das macht uns Spaß. Vor einigen Wochen haben wir in Minden mit einer Band zusammengespielt – das waren Musikstudenten, die immer von einem „Projekt“ sprachen. Uns widert nichts mehr an, als Musiker, die von einem Projekt sprechen. Ich glaube, das ist nicht der Weg. Du hast eine Band – entweder es klappt damit, oder nicht.

Wie bewertet ihr die Musikszene in der Region?
Roman: Die Braunschweiger Musikszene war lange ein bisschen verschlafen. Da gab es nicht so viel. Die Jazzkatine, später Bosse und F.R. – der ja schnell nach Berlin gegangen ist. Sonst war es eher ruhig, musikszenentechnisch vom Publikum auch nicht so richtig ernst genommen. Es ist kaum jemand zu Konzerten gegangen. Wenn du schaust, in wie vielen Clubs Bands spielen können, dann reichen dafür mittlerweile drei Finger, um das aufzuzählen. Die sind entweder viel zu klein oder viel zu groß.
André: …oder schließen, wie nun kürzlich die Meier Music Hall.
Roman: Langsam geht es dafür musiktechnisch wieder hoch. Kroner etwa macht einen guten Job, der gibt viel Gas. Wir tauschen uns aus, schauen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. In so einer mittelgroßen Stadt wie Braunschweig sind die Musiker auch darauf angewiesen, sich zu unterstützen. So ein Konkurrenzgedanke, wie ihn viele Musiker haben, ist Schwachsinn. Musik konkurriert nicht.

Was denkt ihr, was an dieser Stelle Braunschweig fehlt?
Roman: Ich glaube ganz persönlich, dass es viele gute Bands in Braunschweig gibt, die einfach keine Möglichkeit bekommen, auf einer Bühne aufzutreten. Klar, es gibt das KJZ Heidberg, wo mindestens jeder Braunschweiger Musiker einmal aufgetreten ist. Es gibt das B58 und auch die Eule, wo auch überregional bekannte Bands spielen. Für kleine Bands ist es manchmal schon schwieriger, da heranzukommen. Auch ist die Eule nicht unbedingt perfekt für Konzerte. Dann war es das langsam schon. Das Hansa ist weg, die Meier Music Hall ebenso. Dann kommt die Stadthalle. In Hannover gibt es das Lux, das Glocksee, die Faust…für jede Band ist irgendwie etwas da. In Braunschweig fehlt es an Möglichkeiten. Und ich glaube die Leute haben Bock auf Livemusik. Läden wie das Joker waren super, das gibt es leider nichtmehr. Da muss Braunschweig unbedingt aufholen, wenn solche Bands wieder mehr aufblühen sollen. Denn wenn Bands nicht einmal zu Hause live spielen, dann werden sie nirgendwo live spielen.

Was wird euch in den nächsten Monaten beschäftigen?
Roman: Aktuell noch die Tour. Gute Konzerte zu spielen. Dann kommt die Albumprozedur, die für uns super spannend ist – da es das Debütalbum ist.

Support am Samstag gibt es von The Aqualung und Avaengard. Einlass ab 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr. Tickets im Vorverkauf gibt es für fünf, an der Abendkasse für sieben Euro. Details zur Band: theesprits.com.

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