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Special Delivery bei WM: Dance-Crew aus Gifhorn vertritt Deutschland in San Diego

Von Gifhorn nach San Diego: Special Delivery vertritt Deutschland bei den "Hip Hop International"-Weltmeisterschaften. Fotos (4): New Yorker / oh.

Sie gewannen bereits mehrere Meisterschaften, schafften es bei der TV-Show „Got to Dance“ in das Halbfinale, waren Supportact für Künstler wie Busta Rhymes und tanzten auch bei „Pop meets Classic“: Die Streetdance-Gruppe Special Delivery vom Tanzhaus Gifhorn um Noran Kaufmann, David White, Paul Dortmann, Marlon Manzei, Maja Kaufmann und Viktor Shults hat sich schon deutlich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. In dieser Woche vertritt die Crew Deutschland bei den „Hip Hop International“-Weltmeisterschaften in San Diego. szene38 hat sich vorab mit der Crew um Initiator Noran Kaufmann unterhalten.


Gewinnspiel: Dance-Crew-Outfit über 500 Euro gewinnen!

szene38 und New Yorker unterstützen Dance-Crews in der Region! Aufgerufen sind alle Tanzgruppen aus der gesamten Region – euch winkt ein umfangreicher 500 Euro-Outfit-Gutschein von New Yorker. Stellt euch euer persönliches Dance-Crew-Outfit zusammen, ganz nach eurem Geschmack! Was ihr dafür tun müsst? Zeigt uns in einem kurzen Video eure Leidenschaft für das Tanzen. Postet das Video bis zum 18. August und teilt es auf die Facebook-Seite von szene38. Eine Jury um szene38 und New Yorker wird das leidenschaftlichste Dance-Crew-Video auswählen und schließlich den Gutschein für euer Outfit überreichen. Um euer ganz persönliches Video nach vorne zu bringen: Erzählt euren Freunden davon – ladet sie dazu ein, das Video zu liken, teilen und weiterzuschicken! Natürlich wirft die Jury auch einen aufmerksamen Blick auf den Support für euer Video. Wir wünschen euch viel Erfolg!

 


 

Noran, du hast damals das Tanzhaus gegründet. Mit welchem Ambitionen und Zielen bist du gestartet?
Das Tanzhaus war für mich wichtig, um eine Homebase zu haben. Ich war vorher immer freiberuflich in Braunschweig tätig auch hier an der musischen Akademie. Irgendwann habe ich irgendwann entschieden, dass ich nicht mehr so viel ‚wandern‘ möchte. Da ich aus Gifhorn komme, habe ich dann da das Tanzhaus aufgemacht. Die sieben Jahre freiberufliches Arbeiten haben mir die Basis geschaffen, um da mit einem guten Gefühl reinzugehen und bist jetzt läuft es echt gut.

Wie bist du zu den Tanzsportarten und dem Stil gekommen? Ich hätte Gifhorn vorher nicht unbedingt als Hochburg dafür gesehen.
Die Hochburg ist immer da, wo Leute sind die das mit Herzblut machen. Natürlich gibt es in Orten wie Gifhorn nur ein kleines Potenzial an Leuten – trotzdem ist es nicht aus der Welt und mittlerweile echt ein Standort, der sich auch herumgesprochen hat.
Ich selbst bin aufgewachsen mit Kampfsport oder, besser gesagt, Kampfkunst. Die Philosophie der Kampfkunst gleicht dem was auch beim Hip-Hop passiert. Nach und nach habe ich mich schließlich in die ganze Kultur verliebt.

Ihr seid ja mit dem Tanzhaus mit einer ganz bestimmten Philosophie am Start. Wie würdest du sie beschreiben?
Wichtig ist, originell zu sein und nichts warm zu machen. Hip-Hop ist eine Kultur, bedeutet nicht nur Tanz, sondern auch ganz viele andere Sachen. Hip-Hop verbindet vor allem auch Menschen. Wer Hip-Hop macht und wer der Hip-Hop-Kultur ehrlich gegenübersteht, sprich authentisch ist, der sorgt dafür, dass diese Kultur auch weitergeteilt wird. Dass man sich verknüpft und mit einem guten Herzen an die Sache geht, das ist uns wichtig. Die künstlerische Freiheit muss bestehen bleiben sowie die Einzigartigkeit in dem, was man tut.

Kann man bei Hip-Hop einfach so einsteigen – oder muss man erst „real“ sein?
Real sein ist immer gut, aber es ist schon so, dass jeder alles lernen kann. Die Grundvoraussetzung ist, dass man wirklich Lust darauf hat. Man sollte sich selbst nicht limitieren. Wenn man Lust drauf hat, sollte man es probieren. Diese Unnahbarkeit, die zu Hip-Hop manchmal herrscht, passt nicht. Wenn du Lust drauf hast, dann kommst du vorbei und lernst Hip-Hop.

Was glaubst du, wie solche Vorurteile entstehen können?
Hip-Hop ist nicht gleich Hip-Hop. Vorurteile und Klischees gibt es überall – und es gibt ganz wenige Leute, die – wie wir – das ganze Thema gesellschaftsfähig machen. Wenn du im Untergrund bleibst mit dem was du machst, dann ist es cool für die Leute, die den Untergrund kennen, aber die müssen dann eben erst nach unten gehen. Wir wollen nach oben, deswegen muss es gesellschaftsfähig sein. Aus diesem Grund werden wir auch dafür sorgen, dass auch 80-jährige Hip-Hop machen können, wenn sie sich dafür begeistern.

Wenn euch jemand, der überhaupt nicht in der Szene steckt, fragen würde: ‚Was macht ihr eigentlich?‘ Wie würdet ihr das dann kurz und knapp erklären?
Wir machen das, was wir lieben. Wir probieren einfach Spaß zu haben, uns zu leben und Künstler zu sein. Wir trainieren hart und leben das. Unser Slogan ist: ‚We are Hip-Hop‘. Wir haben unser ganzes Leben danach ausgerichtet. Ich bin der Einzige der selbstständig ist, die anderen haben Schichtdienst und sind mindestens jeden zweiten Tag mindestens im Tanzhaus und trainieren dann ihre fünf Stunden. Morgens geht es dann wieder zur Frühschicht oder abends nach dem Training zur Nachtschicht. Das ist schon eine Berufung.

szene38-Redaktionsleiter Falk-Martin Drescher im Interview mit Special Delivery.
szene38-Redaktionsleiter Falk-Martin Drescher im Interview mit Special Delivery.

Werden wir ein bisschen konkreter: Special Delivery. Wie kam es dazu und wofür steht ihr?
Special Delivery gibt es tatsächlich schon seit 2005. Das war am Anfang meiner Selbstständigkeit, da bin ich durch die Clubs gegangen und habe die Leute angesprochen. Irgendwann waren wir 21 Leute und haben einen Namen gesucht. Dann gab es damals den „Special Delivery“-Remix von P. Diddy. Ich habe den Song geliebt. Special Delivery heißt ja übersetzt spezielle Lieferung – und wir wollen immer speziell abliefern und originell sein.

Wie habt ihr die TV-Produktion „Got to Dance“ erlebt?
Das war eine coole Sache. Sie hatten den Oberslogan „respect the act“ und wurden diesem, sowie in der Medienwelt möglich, auch gerecht. Es gibt da natürlich auch ein paar Einschränkungen, insgesamt war es für uns trotzdem eine ganz krasse Erfahrung und hat uns definitiv nochmal mehr zusammengebracht. Wir haben auch gemerkt, dass wir mit unserer Kunst die mediale Welt gut bedienen können. Das ist ja auch wichtig für einen selbst. Nochmal würden wir das allerdings nicht machen. Das war nun die erste Staffel – das Ding hat den Fernsehpreis bekommen. Ich freue mich, dass es jetzt noch einmal läuft, ich werde es mir auch anschauen. Für uns war aber das eine einmalige Sache und ist nun abgehakt.


 

Ein Auszug aus der damaligen Show „Got to Dance“


Ihr vertretet Deutschland bei der WM in San Diego. Mit welchem Gefühl fahrt ihr hin?
Man muss aufpassen, dass man nicht denkt: Wow, San Diego, Aqua World, Hollywood, L.A. Wir müssen denken: Okay, wir fliegen nach L.A. und werden zunächst für eine Woche in einem Trainingslager sein. Natürlich gucken wir auch den Strand an – allerdings eher um zu checken, ob es dort gute Flächen zum Trainieren gibt. Es ist und bleibt Training auf internationalem Level. Wir repräsentieren Deutschland mit den Jungs, das ist natürlich ein Gefühl, das man schwer beschreiben kann.

Wie bereitet man sich auf so eine WM vor?
Die Show, die wir jetzt tanzen, die tanzen wir nun seit anderthalb Jahren. Sie hat sich zwischendurch immer wieder verändert, befindet sich in einem Prozess und sie wird nie fertig sein. Wir denken zurzeit nur an San Diego, danach an Glasgow. Es nimmt dich schon ein. Wenn es dich nicht einnehmen würde, dann wärst du auch nicht bereit das Ding zu schaffen.

Wie viele Stunden Training sind das bei euch in der Woche?
Sonntags starten wir um 10 Uhr, mit Open End. Unter der Woche ist es unterschiedlich. Im Durchschnitt sind es, auf jeden Wochentag gerechnet, sicherlich drei bis vier Stunden täglich. Jede freie Zeit wird zum Trainieren genutzt.

Rechnet ihr euch Chancen aus?
Uns ist schon bewusst, dass wir auch verlieren können. Die Hip Hop International-Weltmeisterschaften sind einfach das Größte. Wenn man dort den ersten Platz macht, dann kann man direkt bei Jennifer Lopez, Missy Eliot & Co anfangen. Bruce Lee hat mal gesagt: ‚Ich werde niemals behaupten, die Nummer eins zu sein, aber ich werde auch niemals zugeben, die Nummer zwei zu sein.‘

Im Anschluss geht es quasi direkt weiter nach Glasgow. Was wird da passieren?
Wie auch beim Boxen gibt es beim Hip-Hop mehrere Verbände – so kannst du dir auch in mehreren Verbänden den Gürtel, also den Titel, holen. UDO, das ist die United Dance Organisation, ist ein großer aufstrebender Träger. Das ist quasi eine WM, für die wir auch qualifiziert sind und die nehmen wir gerne mit. Mit dabei sind Fyoutsha und Special Delivery. Das Tanzhaus Gifhorn ist zurzeit die erfolgreichste Tanzschule Deutschlands – es gibt keine andere Tanzschule, die sich in so vielen Kategorien durchgesetzt hat. Schließlich haben wir insgesamt vier Teams und 35 Tänzern am Start.

Auch die Tanzgruppe Fyoutsha reist gemeinsam mit Special Delivery zu den Meisterschaften nach Glasgow.
Auch die Tanzgruppe Fyoutsha reist gemeinsam mit Special Delivery zu den Meisterschaften nach Glasgow.

Wer steckt hinter der zweiten Crew?
Wir haben so viele Talente, so viele coole Leute in Gifhorn und Umgebung, die viel Potenzial haben. Das Potential versuche ich in die richtigen Gruppen zu bringen.

Kommen wir zum Thema Mode, die Special Collection von New Yorker. Was hat es damit auf sich?
New Yorker hat unsere Wertigkeit gesehen – wir kennen die Wertigkeit von New Yorker – das Ding ist auf Augenhöhe und das ist cool. Wenn New Yorker Tanzkleidung im Stile von „Athletics Clothes“ machen möchte, dann fragen sie vorher die Athleten. Ich war einer der Athleten, der dann vorgesprochen hat und gesagt hat: Die Schuhe sind nicht so gut, wir brauchen die anders. Es wurde zugehört – das fand ich gut. New Yorker ist denke ich ähnlich wie Special Delivery – was die Einstellung zur Tanzkleidung angeht und die Ausstattung in Richtung Urban Clothes, Styling und Fashion.

Kannst du noch etwas allgemein zur Zusammenarbeit sagen?
Das ist einfach. Sie ist das Resultat der Kooperation in den vergangenen zehn Jahren. Die Zusammenarbeit war nicht immer ohne Stolpersteine – das ist ja auch normal – aber sie war immer sehr fair. Es ist mehr eine Kollaboration als ein Sponsoring. Natürlich sind wir dankbar für das Geld, das wir bekommen. Für die Flüge, für die Kleidung. Ohne diesen monetären Support wären wir vielleicht gar nicht so schnell und auch nicht so einfach dahin gekommen, wo wir uns gerade befinden. Wir wollen schon zusammen in die Zukunft schauen, das ist uns wichtig.

Ihr seid auch Repräsentanten der „We Love Dance Crews“-Kampagne…
Wenn New Yorker sagt: „We Love Dance Crews“, dann ist das eine sehr geile Sache, weil es in Braunschweig und in der Umgebung einfach unheimlich viele Dance Crews gibt. Sie wollen passende Klamotten für die Gruppen anbieten, und zwar in allen Städten. Sie fragen dafür auch nach unserer Meinung – das ist nicht selbstverständlich.

Wie groß würdet ihr die Szene in der Region einschätzen?
Die Szene hier in Braunschweig, bis Hannover, ist ziemlich groß. Du glaubst gar nicht, wie viele gute Gruppen es hier gibt. Es gibt natürlich auch Gruppen, die einfach nur ‚just for fun‘ die Sache machen, was völlig legitim ist. Crew-Kollege Viktor hat Mal was Gutes gesagt: Erfolg ist nicht das was glücklich macht – sondern das was, glücklich macht, bringt Erfolg. Wenn man es nur macht um erfolgreich zu sein, dann wird das Ego irgendwann im Weg stehen. Alle Leute, die Tanz unterrichten und das weiter bringen, was wir so gerne machen, sind auf unserer Seite.

Ihr als „We Love Dance Crew“-Repräsentanten, was würdet ihr den Dance Crews hier in der Region mit auf den Weg geben?
Werft mal einen Blick auf die Special Delivery-Kollektion. Gebt niemals auf, macht immer weiter. Ganz wichtig ist es, sich von niemandem verbiegen zu lassen. Und selbst wenn wir etwa einen Auftritt vor einem eher älteren Publikum haben, dann ziehen wir unser Programm trotzdem durch. Wir sind von unserem Schaffen überzeugt. Dann springt der Funke auch schneller über. Auch muss man lernwillig bleiben. Wir hatten bei uns im Tanzhaus mal einen Workshop mit Buddha Strech, dem ehemaligen Choreographen von Michael Jackson, das war eine große Ehre. Er saß da, er ist 47 Jahre alt, hat Hip-Hop mit erfunden und geprägt – sitzt da mit einem T-Shirt auf dem steht: ‚always student‘. Ich habe ihn gefragt, was er damit meint. Er sagte, dass das das Lernen an sich bedeute, ebenso, offen zu sein, konstruktiv – auch, wenn es Kritik gibt. Das würde ich den Leuten auch mit auf den Weg geben: Besucht Workshops, macht einen Austausch, geht nicht nur zu YouTube, lernt Menschen kennen, egal ob ihr zu schlecht oder zu gut seid. Egal ob ihr gerade anfangt, macht immer alles mit. Erfahrungen sammeln ist ganz wichtig. Die Summe der Erfahrung bist du selbst.

San Diego und Glasgow sind die aktuellen Stationen. Was sind für euch danach die nächsten Themen?
Weltherrschaft (lacht). Im Moment denken wir tatsächlich nur an San Diego und Glasgow. Danach wird es weitergehen, wir haben noch zwei bis drei andere Projekte am Start. Ich hätte zum Beispiel richtig Lust beim ‚Battle of the Year‘ teilzunehmen, das wäre auf jeden Fall eine coole Sache. Ansonsten wollen wir einfach offen bleiben und gucken so kommt. Auch bei dem Thema Beat Machine, also der Zusammenarbeit mit dem Beatboxer Patrick Dudek, haben wir uns einiges auf die Fahne geschrieben. Das wollen wir wieder mehr auf die Bühne bringen.

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