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Rocko Schamoni im Interview – Freund und Schauspielkollege von Helge Schneider spricht Klartext

Rocko Schamoni. Foto: Senator Film

Er ist Autor, Schauspieler, Clubbetreiber, Komiker (aber kein Comedian!) und auf eine gewisse Weise auch politisch engagiert. Rocko Schamoni – Ein Multitalent! Möchte man sagen. Und ähnlich wie Helge Schneider lässt er sich ungern auf nur eine Sache reduzieren. Da passt es doch hervorragend, dass die beiden sowohl in „Jazzclub“ als auch in „00 Schneider  – Im Wendekreis der Eidechse“ gemeinsam vor der Kamera stehen. Ab dem 11. April erscheinen beide Titel für das Heimkino. Zu diesem Anlass haben wir Helge Schneiders Gegenpart einmal genauer unter die Lupe genommen und ihn mit Fragen zum Film gelöchert. Die Antworten des selbstbezeichneten Entertainers sind unterhaltsam und aufschlussreich zugleich. 

Wie schafft man es, eine Rolle in einem Helge Schneider-Film zu bekommen?

Dafür kann man aktiv gar nichts tun. Das obliegt alleine Helge. Wir kennen uns seit 1989 und ich hatte schon bei JAZZCLUB – DER FRÜHE VOGEL FÄNGT DEN WURM mitgemacht. Damals hatte er mich einfach gefragt, weil er ja sowieso immer seine Kumpel einsetzt. Das hat wohl ganz gut funktioniert, sonst hätte er mich nicht wieder gefragt.

Wie konntest du dich dann auf die Rolle vorbereiten?

Alles was damit zu tun hat, ist letztendlich komplett vergebens, weil Helge das ein wenig so macht wie Fellini. Du hast einen Text, von dem du glaubst, ihn sagen zu dürfen, aber es gibt ihn gar nicht, weil er dir bei jedem Take eine neue Idee in den Mund legt. Das ist nicht ganz einfach, weil man sich in der Tat nicht wirklich vorbereiten kann.

Wie würdest du die Eidechse, deine Rolle, charakterisieren?

Das kann ich nicht, sie wird ja jeden Tag geändert. Ich weiß nicht was sie ist und wohin sie geht. Das ändert sich jede Minute. Ursprünglich habe ich gedacht, dass die Eidechse so ein fieser selbstherrlicher, übertriebener Ganove ist. Dann hat mir Helge gesagt, dass er doof und dumm ist. Am Tag darauf sollte er ein großkotziger „Schlagertyp“ sein, der immer lächelt. Und jetzt bin ich immer nur am fauchen. Ich darf gar nichts mehr sagen, nur noch fauchen. Die Eidechse ist ein total zersplittertes Wesen, das sich aus den Fantasiebrocken von Helge zusammen setzt. Ich kann das nicht einsortieren. Ich mache einfach, was er sagt. Ich bin ein willfähriger Soldat der Kunst. Das bin ich immer, wenn ich nicht die eigene, sondern die Kunst anderer ausführe. Andere nennen das eine „professionelle Einstellung“ für mich ist das hingebungsvolles Soldatentum.

Wenn du der ‚Dorfpunk‘ bist, was ist dann Helge Schneider?

Der Provinzkasper, denn Mühlheim ist keine große Stadt. Klingt aber despektierlich, oder? Ich bin ja auch nicht der Dorfpunk. Mir war klar, dass ich diesen Titel weg haben würde, wenn mein Buch so heißt, aber der Verlag ist meinem Wunsch nach einem anderen Titel nicht nachgekommen. Vielleicht Provinzkasper auf Weltniveau? Ich hab noch `ne gute Idee: Helge ist eine Jahrzehntfigur! Hahaha, nicht Jahrhundertfigur, sondern Jahrzehntfigur.

Als was siehst du dich? Als Entertainer, denn du schreibst, machst Musik, schauspielerst?

Entertainer trifft es. Ich bin definitiv kein Comedian – den Begriff finde ich sowieso scheußlich – denn ich bin ja sowohl im komischen wie im ernsten Bereich zu finden. Meine Bücher etwa sind oft von Depression und dem Versuch geprägt, Depression mit Humor klein zu bekommen. Und irgendwo zwischen Kunst und Popmusik, Filmerei und Schreiben sehe ich mich dann als Entertainer.

Was macht einen guten Entertainer aus?

Das ist jetzt die schwierigste Frage! Aber es gibt nur eine klare Antwort: ein guter Entertainer muss die Leute so unterhalten, dass sie sich für diesen Moment, für den sie sich an ihn übergeben, selbst vergessen können. Sie sollen mit ein paar frischen, tollen Gedanken aus so einem Abend raus gehen oder zumindest doch mit einem Kick, bei dem man sich denkt: Mann, der Typ benimmt sich auf eine Art, die mir gefällt, die mich reizt auszubrechen aus der Bahn. So einen Funken mitzugeben, ist etwas Wundervolles, aber in erster Linie bist du da, um die Leute sich selbst und die Welt für einen Moment vergessen zu lassen, indem du sie unterhältst und mitnimmst in ein Reich, zu dem nur du selbst den Schlüssel besitzt.

Wenn man schon mal die Gelegenheit hat und einen Experten fragen kann: ist Punk nun wirklich tot?

Das kann ich eindeutig beantworten: Punk ist 1977 gestorben und ist seitdem auch tot geblieben. Was danach kam, ist okay. Wenn ein 16-jähriger im Dorf sagt, er sei Punk, dann ist das auch so. Für ihn ist das ein Werkzeug, das er benutzen darf. Aber das Phänomen, von dem wir reden, entstand 1975, hatte seine Blüte 1976 und verstarb im Jahr darauf mit dem Ausverkauf dieser Bewegung und den Veränderungen, denen sie unterworfen war. Dadurch gibt es jetzt zwei Arten von Punk: den toten von damals und den individuellen, den Leute mit sich herumschleppen, weil sie ihn zum Leben brauchen.

Wer jetzt sehen möchte, wie sich Rocko Schamoni als Eidechse schlägt, der sollte sich den neusten Film des Kult-Kommissars „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ ab dem 11. April unbedingt auf DVD oder Bluray zulegen. Klar ist, dass der Film eine kuriose und ungewöhnliche Story mit den außerordentlichen Improvisationsmomenten eines Rocko Schamoni vereint. Das ist alleine ist allemal sehenswert!

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