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Luke Mockridge in Wolfenbüttel: Pokémon, Circus HalliGalli und Mario Kart

Mehr als zwei Stunden Lachgarantie: Luke Mockridge trifft den Humor der Kinder der 90er. Foto: Philipp Ziebart.

„Wolfenbüttel: Eine Stadt, in der ich noch nie war, und auch nie wieder sein werde!“ Gleich zu Beginn macht sich Comedian Luke Mockridge reichlich Freunde in der Lindenhalle. Ernsthaft übel genommen hat ihm die Sprüche niemand – im Gegenteil: Der kanadisch-italienische Komiker aus Bonn trifft mit seinem Humor die Lachmuskeln einer ganzen Generation.

Jene Generation, für die Pokémon fester Bestandteil der Kindheit waren. Die, die bei Mario Kart niemals Mario oder Luigi anwählen konnten, weil ihre Mitspieler schneller waren. Die, die sich vor einigen Jahren über Ed Hardy-Shirts amüsiert haben, DVD-Abende als gute Wahl für Knutsch-Dates hielten und im Club bei „Everybody“ (Backstreet Boys) und „Barbie Girl“ (Aqua) lauthals mitgröhlen. In den 90ern hatte man als Kind noch „richtige“ Langeweile. Das waren Zeiten.

Rund 1.000 Gäste – die Lindenhalle war schon seit Wochen ausverkauft – kamen für das aktuelle Programm „I’m Lucky, I’m Luke!“ zusammen. Es hätten Tausende mehr sein können, das Interesse vorab war riesig. Insbesondere die Auftritte bei „TV total“ und sein eigenes TV-Format „Luke! Die Woche und ich.“ gaben dem Kölner einen wahnsinnigen Schub. Auch ein Grund, weshalb Veranstalter Undercover mit einem weiteren Termin in Braunschweig im Februar 2016 noch einen zweiten Besuch von Mockridge in die Wege leitet.

Gemeinsamer Trash-Pop-Ausflug

Nicht nur am Mikrofon gibt sich der Comedian ausgesprochen begabt: Der aus einer Schauspielerfamilie stammende Mockridge spielt Hits wie „Lemon Tree“, „Coco Jambo“ und auch das Gummibären-Serienintro am Klavier – die ganze Halle singt mit. Feinster Trash-Pop. Natürlich hält sich der Comedian in seinem Programm nicht nur in der Vergangenheit auf. Seine hohe Poinendichte funktioniert auch bei der Betrachtung der heutigen Jugend. Seien es Jungs, die in Clubs mit ihrem „Ficker-Blick“ völlig gedankenlos über die Tanzfläche streifen, oder auch verzweifelt und gleichzeitig seltsam anmutende Antanzversuche bei der Damenwelt. Dann doch lieber 90er. „Da waren wir noch harmlos.“ Da gab es noch echte Langeweile. Mit 50 Pfennig war man der „King im Kiosk“, mit spontan gemalten Gutscheinen (wahlweise für Spülmaschine-Ausräumen, Umarmen oder Laub im Garten harken) war jeder Heiligabend gerettet. Mockridge: „Früher sind wir von Sofa zu Sofa gesprungen weil auf dem Boden Lava war – heute suchen die Kinder nur noch den USB-Anschluss.“ Über Snapchat werden Nacktfotos verschickt, auf Facebook werden stundenlang belanglose Bildergalerien und Neuigkeiten durchgeklickt.

Ein Händchen hat der Kölner auch für die Einbindung des Publikums. Zwei Anwesende werden mit Pokémon-Figuren verglichen. Für ein Paar, das bereits seit 15 Jahren verheiratet ist, gibt es tosenden Applaus. „Ich bekomme nichtmal 15 Minuten Ehe hin“, lacht Mockridge. Die Grundschullehrerin aus der zweiten Reihe wird in das Programm eingebunden – als auch ein elfjähriger Gast. Apropos Schule: „Wir waren offensichtlich alle in der gleichen Schule.“ Klar: Jeder kennt sie, die Lehrer, die den Kassetten- oder/und DVD-Rekorder nicht benutzen konnten. Die Mitschülerin mit Nasenbluten. Und die, die mit Bücherstapeln jedes Abschreiben verhindern wollten. Mockridge hat all diese Situationen nicht nur ebenso erlebt – er weiß auch gekonnt, sie auf die Bühne und pointiert in das Publikum zu transportieren.

Zum Abschluss wird er schließlich noch sentimental. Sein Programm hat er aus einem ganz bestimmten Grund „I’m Lucky, I’m Luke!“ genannt: „Wir sind eigentlich alle total lucky. Wenn ihr Glück habt, dann verteilt es und habt Spaß daran.“ Die Shows seien ihm deutlich lieber als das Fernsehen. „Hier wird nichts aufgezeichnet. Dieser Abend gehört nur uns.“

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