15. April 2015
Szene-News

Like mich am Arsch: Deichkind feierten Abriss in Hannover

Like doch was du willst: "Like mich am Arsch" rappen Deichkind auf ihrem neuen Album. Fotos (3): Falk-Martin Drescher.

Ruft schnell an. Wir sind gerade gut drauf!“ Auch nach ihrem Auftritt vor 5.000 Zuschauern in der Swiss Life Hall waren Deichkind in bester Stimmung. Doch dazu später mehr.

Nach einer sehenswerten Videoshow vom VJ Wasted aus St. Pauli (Playlist hier) zum Aufwärmen folgte ein weiterer Clip. Doch nicht irgendeiner. Filmszenen beeindruckender Orte der Welt, in epischer Manier aneinandergereiht und musikalisch untermalt. Mit dem neuen Album – konkret Werken wie „So ’ne Musik“ und auch „Denken Sie groß“ starteten die Hamburger in ihren Hannoveraner Auftritt, mit weiteren Songs wie „Mehr als lebensgefährlich“ wurde das aktuelle Album „Niveau Weshalb Warum“ in umfangreicher Manier präsentiert.

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Überhaupt glich der Gig einer regelrechten Theaterinszenierung. Zu jedem Song hatten sich die außergewöhnlichen Musiker eigene Showelemente überlegt. „Leider geil“ wurde auf den Beats von „Show Me Love“ von Micael Mind gesungen, bei „Hauptsache nichts mit Menschen“ (die Band dazu: „Den Song haben wir extra für Ferris gemacht“) wanderten sie rappend durch das Publikum. Die Performance vom Hit „Like mich am Arsch“ wurde auf der Bühne mit einem großen Cursor unterstrichen, zu „Hovercraft“ ließen sie sich im Schlauchboot über die Menge tragen. Die Bühnenelemente wurden zu jedem Song variabel angepasst – Deichkind setzen auch bei ihrer aktuellen Tour bei Aspekten wie Beats, Lightshow und Inszenierung Maßstäbe.

So verrückt all das erschien, so abgestimmt war es. Es fiel auf, dass die Jungs für die Songs reichlich trainiert haben müssen – eine klug abgestimmte Performance etwa mit schwarzen und weißen Regenschirmen lässt sich nicht einfach spontan bei einem Feierabendgetränk trainieren. „Ferris, wir haben Ferris Ferris, Ferris, was habt ihr?“: Zu „Was habt ihr“ ließ sich Ferris MC – der im Mai übrigens sein neues Soloalbum „Glück ohne Scherben“ veröffentlicht – auf einer bunt leuchtenden Sonnenbank auf die Bühne fahren. Sonnenbank Flavour.

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„Gefällt mir, dass du Proteste liebst. Dass du gar nicht trinkst und doch Bukowski liest“ – nicht nur in „Like mich am Arsch“, allgemein hält die Band der Gesellschaft einen Spiegel vor. Intelligenter Rap und kluge Wortwitze, verpackt in einem stets pöbelnd anmutenden Auftritt. Zum Abschluss dockte sich der von vielen Deichkind-Konzerten bekannte musikalische „Flashback“ an. Statt Electrobeats gab es altbekannte Evergreens zu hören – in mehreren Medleys steckte etwa „Limit“. Damals für die Band übrigens ein echtes Novum: War der Song im Jahr 2002 doch der erste Ausflug vom Hip-Hop gen Electro. „Die Alten dürften sich jetzt etwas jünger fühlen – die Jungen jetzt etwas älter.“ Die Reise in den Ursprung der Band tat gut, auch insgesamt lässt sich sagen: Eine phänomenale Show.

Die muss den Bandmitgliedern ebenso gut gefallen haben. Im Anschluss teilten sie mitten in der Nacht via Facebook mit: „Ruft schnell an. Wir sind gerade gut drauf!“ Sie meinten es ernst, über die angegebene Telefonnummer konnten Fans – hatten sie Glück – tatsächlich ein bisschen mit der Band plaudern. Dafür gibt es einen „Like“.


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