Reiner Harscher, Fotograf und Weltreisender, im Interview

Am 16. Februar 2019 kann man Eisbären in der Arktis und das Leuchten des Nordlichtes im BZV Medienhaus erleben

Mit Schiffen der Hurtigrute, dem Wohnmobil und einem Zelt war Reiner Harscher an vielen faszinierenden Orten in Norwegen unterwegs. Hier: Sognefjord. Foto: Reiner Harscher.

Unsere Welt hat so viel zu bieten: Exotische Tiere, stolze Ureinwohner und unberührte Naturlandschaften – Reiner Harscher war überall dort auf der Welt unterwegs, wo man den Atem vor Faszination anhält, den Alltag einfach vergisst und die Kulisse perfekt ist. Zum Beispiel auch in Norwegen. Der Fotograf und Weltreisende war dort mit Schiffen der Hurtigrute, mit Wohnmobil und Zelt unterwegs. Der Weg führt ihn durch die wilde Schönheit der berühmten Fjorde über die Lofoten zum Nordkap und schließlich hinein ins Packeis der Polar-Region. Von kalbenden Gletschern und tief verschneiten Landschaften über denen das mystisch leuchtende Nordlicht tanzt berichtet er am Samstag, 16. Februar 2019, 19:30 Uhr, im BZV Medienhaus in seiner Live-Multivisionsshow „Durch die Fjorde in die Arktis – Norwegen. Zudem kann man am gleichen Tag ab 14:00 Uhr ein Reisefotografie-Seminar bei ihm belegen. Szene38 unterhielt sich mit Reiner Harscher.

 

Herr Harscher, Sie haben als Jugendlicher gerne die Tier- und Naturfilme von Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann geguckt.  Was hat Sie daran fasziniert?

Grundsätzlich hat mich die Tierwelt, zunächst speziell die Vogelwelt sehr fasziniert. Das waren ja damals vor mehr als 40 Jahren noch sehr viele unbekannte Szenen, die diese Filme zeigten. Tiere, Vögel, Landschaften, Dinge die man damals in der Form noch nicht gesehen hatte. Das gibt es ja heute längst nichts nicht mehr: Heute ist alles fotografiert und gefilmt, nur eben auf unterschiedliche Art und Weise.

Inwieweit spiegelt sich das Werk dieser Altmeister auch in ihren Arbeiten wider?

Da ich als junger Mann mir die Filmerei nicht leisten konnte schwenkte ich zur Tierfotografie und Naturfotografie über. So konnte ich mich in dem Genre tummeln, dass mich faszinierte. Eben Natur und Tiere zu erleben und ästhetisch zu fotografieren.

In den 80er Jahren haben Sie erstmals längere Reisen unternommen. Wohin sind Sie gereist und was waren ihre ersten prägenden Erlebnisse?

Angefangen habe ich ja Vögeln und Tieren in den heimischen Wiesen und Wäldern mit der Kamera nachzustellen. Dabei habe ich auch sehr gute und intensive Erfahrungen in Sachen Natur und Tierfotografie gesammelt. Zwangsläufig entsteht dabei der Wunsch auch einmal in anderen Landschaften und Habitaten die Natur zu fotografieren. Meine ersten Reisen mit gezielten Fotoproduktionen führten mich Mitte der 80er Jahre in den Norden Europas. Und zwar hinauf nach Norwegen, weil es dort beeindruckende Landschaften und eine besondere Tierwelt gibt. Erste prägende Erlebnisse war die Schwierigkeit ein Tier auf spektakuläre Art und Weise zu fotografieren. Das kostet extrem viel Zeit. Außerdem musste ich im europäischen Norden sehr schnell lernen, wie der Fotograf, der Mensch, abhängig ist von den Launen des Wetters. Von der Topographie der Landschaft, von den Bedingungen die in der Natur herrschen, nur wenig ist dort planbar.

Wie sah die Welt in den 80ern aus und wie hat sich diese bis heute verändert?

Am Anfang war das faszinierend. Ich erlebte Landschaften die ich noch nie gesehen hatte, Tierszenarien die ich nur aus den ersten Tierfilmen kannte, das war im Norden Europas, in Vorderasien sprich in der Türkei, und in Alaska. Damals war ich teilweise mit meinem Freund, einem alten erfahrenen Naturfotografen unterwegs, der immer wieder erwähnte, dass er diese Orte ja vor 10 oder 15 Jahren noch viel unberührter erlebte, mit kaum Infrastruktur, mit viel mehr Tierwelt. Und tatsächlich sollte ich im Laufe der nächsten 40 Jahre erfahren dass unsere Welt immer enger und gefühlt immer kleiner wird. Man lässt der Natur immer weniger Platz, die Infrastruktur wird überall verbessert. Das heißt natürlich dass selbst zu den entlegensten Plätzen unseres Planeten immer mehr Menschen reisen können. Die Ökosysteme werden durch die Ausbeutung von Bodenschätzen, durch Abholzung  und leider auch durch den Tourismus überstrapaziert.

Später haben Sie nach Afrika, Alaska, Kanada, Südamerika, Asien, Indien auch und die europäischen Länder erkundet. Welche gefährlichen Situationen mussten Sie überstehen? Wann hatten Sie Angst?

Angst habe ich auf meinen Reisen selten, es ist nur hin und wieder die Unsicherheit, wenn du nicht weißt, wie eine Situation ausgeht. Wirklich sehr gefährliche Situationen versuche ich zu vermeiden, natürlich gab es Fahrten im kleinen Zodiak bei extremer See an der kanadischen Westküste, wo wir nicht wussten wie und ob wir überhaupt wieder ankommen. Natürlich gab es kritische Zusammentreffen in osttürkischen Dörfern, wo plötzlich Männer mit automatischen Gewehren und Schrotflinten vor unserem Camper standen. Oder Flußdurchquerungen mit dem teuren Geländewagen in Afrikas Oakavangodelta, wo wir den Verlust des Autos riskierten. Aber alle Situationen haben sich dann doch als beherrschbar oder doch recht harmlos aufgeklärt.

Was macht generell ein gutes Foto für Sie aus?

Ich versuche mit meiner Fotografie in den drei Bereichen Natur, Mensch und Tier sehr emotionale und sehr ästhetische Fotos zu erstellen und tief in die Thematik einzutauchen. Ein gutes Foto generell muss aufgeräumt sein, der Zuschauer muss es verstehen. Doch es ist vermessen ein Foto gut oder schlecht zu nennen, so spreche ich lieber davon ob es wirkt oder nicht, ob es den Zuschauer erreicht oder nicht. Ein Foto kann auf dreierlei Arten wirken: emotional, informativ, oder eben ästhetisch. Und die ästhetische Bildwirkung findet sich in meinen Bildern und Motiven sehr stark wieder. Diese ästhetische Fotografie versuche ich sowohl in meinen Live-Multivisionen als auch in meinen anderen Projekten, wie z.B. Fotografie auf Holz zu präsentieren. Bei diesem Projekt habe ich meine emotionalen und ästhetischen Bilder auf rohe Eichenholztafeln, die direkt aus einem Eichenstamm herausgeschnitten wurden, gedruckt.

„Durch die Fjorde in die Antarktis – Norwegen“ ist der Titel Ihrer Live-Multivisionsshow die Sie am 16.2.2019 in Braunschweig präsentieren. Was war das Besondere an diesem Trip? Was waren die intensivsten Momente?

In meiner neuen Live-Multivision zeige ich jene Natur und Landschaften bis hinauf zum Packeis wie diese mich seit Jahrzehnten faszinieren. Die Bilder und Filme, die ich präsentiere, sind das Ergebnis vieler Reisen über Jahre hinweg – zu allen Jahreszeiten. Besonders intensive Momente gab es in der Arktis bei der Begegnung mit Eisbären. Oder auch beim Klettern in den Vogelfelsen an den Küsten des Eismeeres, umschwirrt von 100.000 Lumen und Basstölpel. Die emotionalsten Augenblicke waren aber die, als ich das Leuchten des Nordlichtes zum ersten Mal in den tief verschneiten Fjorden Norwegens mit meinen Kameras einfangen konnte.

Man sagt: Reisen verändert. Wie hat Sie das Kennenlernen anderer Kulturen, Orte und Menschen verändert?

Reisen heißt für mich nach wie vor Neues zu erleben und kleine Abenteuer zu bewältigen, flexibel zu sein, anders zu agieren als wir das hier in Deutschland in unserer extrem gut behüteten und abgesicherten Welt machen. Unterwegs bist du auf dich selbst gestellt, für dich selbst verantwortlich und kannst nicht für jede Kleinigkeit die schiefgeht, irgendeine Behörde oder Institution verantwortlich machen. Durch meine Reisen ist mir natürlich bewusst geworden, wie gut und ideal wir hier in Deutschland leben können. Und wenn ich an den entlegenen Plätzen unseres Planeten unterwegs bin, übt das sehr mein eigenes Verständnis meiner Mitmenschen und Umwelt gegenüber – und vor allem vergrößert es meine Toleranz für alles was anders ist.

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