Projekt „Raumbörse“ zieht positive Bilanz und freut sich über die rege Nachfrage – Szene38
19. Juli 2013
Kunst & Kultur

Projekt „Raumbörse“ zieht positive Bilanz und freut sich über die rege Nachfrage

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Raum zum Leben, Arbeiten und Entwickeln der individuellen Ideen – das bietet die Raumbörse des Quartiers rund um das Friedrich-Wilhelm-Viertel und das Altstadt-Quartier. Im Dialog mit Immobilieneigentümern, Hausverwaltungen, Stadtverwaltung, Mietinteressenten, Künstlern und Universitäten werden für vermeintlich brachliegende Objekte neue Konzepte geschaffen. Über die Zwischennutzung zur langfristigen Nutzung – das ist das Ziel der Raumbörse.

Im Rahmen des ExWoSt-Bundesforschungsvorhabens „Kooperation im Quartier“ („KiQ“) agieren die Vereine Friedrich-Wilhelm-Viertel e.V., Die Altstadt Braunschweig e.V., Haus + Grund Braunschweig e.V. und die Stadt Braunschweig sowie Hand in Hand zusammen, um das Quartier nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Raumbörse ist ein Projekt der gemeinsamen Initiative (online unter www.kultviertel.de/raeume abrufbar).

„Quartiere wie das Friedrich-Wilhelm-Viertel, die abseits der Hauptfußgängerströme liegen, haben in allen Städten Probleme mit Leerständen, da der inhabergeführte Einzelhandel nicht nur aus den Filialisten-Lagen verdrängt wird, sondern grundsätzlich und überall auf der Welt im Aussterben begriffen ist“, erläutert Jürgen Wolff, Vorstandsvorsitzender des Friedrich-Wilhelm-Viertel-Vereins. Und fügt hinzu: Der Umgang mit Leerständen sei ein guter Indikator für die Kraft eines Quartiers, sich neu zu erfinden. Trotzdem seien noch immer viel zu wenige Hauseigentümer bereit, ihre Läden für Zwischennutzungen zur Verfügung zu stellen. Potentielle Nutzer und damit Chancen habe Braunschweig genug.

In fast allen Fällen haben Zwischennutzungen im Quartier zu nachhaltigen Neuvermietungen geführt. So ist z.B. die zweigeschossige Gewerbeeinheit Friedrich-Wilhelm-Straße 47, die durch zwei Masterstudentinnen der HBK mit ihrem Ein Laden ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht worden ist, inzwischen an die Bündnis 90/Die Grünen vermietet. Das Projekt „Ein Laden“ wurde sogar mit dem „iF Concept Design Award 2013“ ausgezeichnet, einem der größten internationalen Design-Awards für junge Talente.

Unter anderem agiert die Initiative z.z. eng zusammen mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Roberta Bergmann, Gastprofessorin an der HBK, ist froh über die Möglichkeiten der Raumbörse: „Zwischennutzungen werten das Quartier auf, beleben es. Sie machen die Mietsache für potentielle permanente zukünftige Mieter interessanter. Sie bieten Raum zum Präsentieren von Ideen, Startup-Vorhaben, Kunst, Kultur – die sonst nur im stillen Kämmerlein stattfinden oder in einer Schublade verschwinden würden. Als Zwischenmieter kann man testen, wie sich eine langfristige Immobilie anfühlen würde.“ Sie hat die Ausstellung „Abfallvermeidung“ betreut, die kürzlich im Gesundheitszentrum in der Friedrich-Wilhelm-Straße 42 zu sehen war. Das Projekt des Studentenwettbewerbs ist in Zusammenarbeit mit der Stadt Braunschweig entstanden und thematisiert, wie Bürger für dieses Thema sensibilisiert werden können.

Auch die HBK-Studentin Alexandra Heide erhielt dank der Vermittlung durch die Raumbörse die Möglichkeit, im Quartier ihre Diplom-Ausstellung „Loverbook“ auszustellen (Sonnen-/Ecke Güldenstraße). Sie schildert: „Zwischennutzungen sind sowohl für den Eigentümer als auch den Nutzer interessant, da der Nutzer temporär Projekte realisieren kann und das Objekt benutzt. Das steigert während der Zeit der Nutzung die Aufmerksamkeit des Umfeldes. Der Leerstand wird zu neuem Leben erweckt und erlangt neues Interesse, ganz einfach dadurch, dass sich dort etwas tut. Der Eigentümer bekommt neben der Werbung durch Nutzung einen ordentlicheren und gepflegteren Raum als zuvor zurück. Wände wurden frisch gestrichen, Müll beseitigt, Dinge repariert und geputzt.“

Weitere Informationen zur Raumbörse sind unter www.kultviertel.de/raeume zu finden, zur KiQ-Förderung und den beteiligten Projektpartnern unter www.braunschweig.de/kiq.

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