Furiose Frauen und ein Mythos – Szene38
28. November 2016
Kunst & Kultur

Furiose Frauen und ein Mythos

Georgische Produktion gewinnt das Theaterfestival Fast Forward 2016 des Staatstheaters Braunschweig

Zerrieben zwischen den militärischen Konflikten ihrer georgischen Heimat - das Sieger-Stück "Die Troerinnen". Foto: Bobo Mkhitar

Über 2.400 Jahre liegen zwischen dem Urstoff und dem Stück „Die Troerinnen“ von Data Tavadze. Trotz des „Altersunterschieds“ gewann der georgische Regisseur mit seiner Neuinterpretation den Fast Forward-Preis 2016, der vom Staatstheater in Braunschweig verliehen wird. In Anlehnung an Euripides »Troerinnen«, in denen die Opfer des Trojanischen Kriegs mit ihrem Schicksal hadern, wird in Data Tavadze Produktion die Stimme des postsowjetischen Georgien laut. Seit den 1990er Jahren ist die Kaukasusregion von Bürgerkriegen geprägt, die die Menschen in einer prekären Gegenwart zurücklassen und vor eine ungewisse Zukunft stellen. In »Die Troerinnen« verknüpft der junge Regisseur und Autor Erzählungen georgischer Kriegsüberlebender mit dem antiken Stoff. Er zieht so eine Verbindung zwischen den Legenden und den Konflikten geopolitischer Brennpunkte heute. „Data Tavadze ist es gelungen, der antiken Tragödie des Euripides eine originär eigene Lesart abzugewinnen. Uns hat überzeugt, dass die Schauspielerinnen des furiosen Frauenensembles sich selbst und ihre Anliegen in diesem Mythos wiedergefunden haben, statt ihn lediglich als Spielwiese zu benutzen“, begründet die Festival-Jury ihre Entscheidung.

Das Fast Forward des Staatstheaters Braunschweig ist ein europäisches Festival für junge Regie, das in diesem Jahr vom 24. bis 27. November stattfand. Es setzt sich insbesondere mit der Entdeckung des zeitgenössischen Theaters als künstlerische und gesellschaftliche Ausdrucksform auseinander. Mit sieben bis acht Produktionen aus ganz Europa bringt das Festival seit 2011 den Theaternachwuchs nach Braunschweig. Mit der Preisverleihung am 27. November endet »Fast Forward«, europäisches Festival für junge Regie. Vier Tage und Nächte war das Publikum zu Theater, Diskussionen und Party ins Staatstheater eingeladen.

Erstmals wurde in diesem Jahr auch ein Publikumspreis verliehen, bei dem die Besucherinnen und Besucher eingeladen waren, ihren Festival-Favoriten zu küren. Gewinner des Publikumspreises ist die niederländische Produktion „How did I die“ von Davy Pieters.

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