Farbenfroher Minimalismus mit den Kalendern von Wi-La-No – Szene38
2. Februar 2020
Kunst & Kultur

Farbenfroher Minimalismus mit den Kalendern von Wi-La-No

Annette Pörtner aus Klein Schöppenstedt stellt Szene38 ihr Label Wi-La-No vor.

„Das meiste geht aber in die USA. Einen durfte ich sogar schon mal in die Redaktion der Vogue nach New York schicken“, erzählt Annette Pörtner über Wi-La-No. Foto: Annette Pörtner

„Das meiste geht aber in die USA. Einen durfte ich sogar schon mal in die Redaktion der Vogue nach New York schicken“, erzählt Annette Pörtner über Wi-La-No. Foto: Annette Pörtner

VON Wiebke Semm

Wi-La-No: Wie lange noch?

Dass Kalender nicht nur der Alltagsplanung dienen, sondern auch stilvolle Dekoelemente sind, beweist Annette Pörtner mit ihrem Label Wi-La-No. Im Sommer 2010 auf einem Zeltplatz in Eckernförde blitzte in Anette Pörtner eine Idee auf. Wenige Tage zuvor hat sich die studierte Industriedesignerin von ihren Kindern Löcher in den Bauch fragen lassen: „Wie lange ist es noch bis zu meinem Geburtstag?“, „Wann kommt Oma zu Besuch?“ Schon oft hatte sie mittels handelsüblicher Monatskalender versucht, Antworten zu geben. Doch als sie dann in die Gesichter ihrer Kinder blickte, erkannte sie: „Das haben die jetzt nicht verstanden.“ Eine Jahresübersicht musste also her, die man auf einen Blick erfassen konnte und die auch optisch etwas hermachte. Die Geburtsstunde von Wi-La-No.

Wi-La-No ist ein Kunstname, den die Designerin eher einem unglücklichen Zufall zu verdanken hat. Die Internetdomain Wie lange noch?, über die sie ihre Kalender vertreiben wollte, war bereits belegt. Also wurde sie kreativ. Es entstand Wi-La-No, zusammengesetzt aus den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Fragesatzes. „Bei uns Zuhause hat sich das Wort bereits als Abkürzung etabliert“, verrät Pörtner. „Also zum Beispiel: Wi-La-No bis Weihnachten?“ Zuhause ist die gebürtige Hannoveranerin in Klein Schöppenstedt bei Braunschweig, wo wir von ihr und ihrer Hündin Fritzi lautstark begrüßt werden.

Stilvoller Minimalismus mit den Kalendern von Wi-La-No. Foto: Annette Pörtner
Stilvoller Minimalismus mit den Kalendern von Wi-La-No. Foto: Annette Pörtner
„Weniger ist mehr“, ist das Motto der selbständigen Designerin. Foto: Annette Pörtner
„Weniger ist mehr“, ist das Motto der selbständigen Designerin. Foto: Annette Pörtner

Bekanntes Produkt – neu erfunden

In ihrem Arbeitszimmer Platz genommen, gesteht sie uns, dass sie noch vor ein paar Jahren niemals gedacht hätte, dass ein Kalender einmal das Kernelement ihrer Arbeit werden würde. Das Besondere an den farbenfrohen Wandhängern ist die Anordnung der Monate, die zusammengerückt wurden. Die 52 Kalenderwochen stehen dabei direkt übereinander, wobei jede Woche eine eigene Zeile beansprucht. Auf diese Weise entsteht ein harmonisch-fließendes Farbbild – wie bei einem Regenbogen. Der erste Wi-La-No-Kalender wurde vor acht Jahren fertiggestellt. „Die Druckerei in Rautheim produziert meine Kalender umweltfreundlich und klimaneutral und ist nur fünf Minuten mit dem Fahrrad entfernt“, erzählt sie. Qualität und Nachhaltigkeit werden von der Idee über den Druck bis hin zum Rollen der Kalenderbögen großgeschrieben. Bei Letzterem bekommt sie Unterstützung durch die Lebenshilfe in Abbenrode. Vier Jahre später brachte Pörtner ihr Herzstück dann in zarten Pastelltönen heraus, dass auch bei vielen Unternehmen Anklang findet. Dabei folgen die bunt kolorierten Planwunder immer demselben Format. „Lang und schmal“, stellt sie fest und lacht „passt also irgendwie zu mir.“

Wi-La-No-Wandkalender en vogue

Um Wi-La-No für den internationalen Markt vorzubereiten, ließ die Künstlerin ihre Kalender beidseitig bedrucken – vorne deutsch und hinten englisch. Heute hat sie Kunden in Skandinavien, Kanada, Australien und Neuseeland. „Das meiste geht aber in die USA. Einen durfte ich sogar schon mal in die Redaktion der Vogue nach New York schicken“, erinnert sich Pörtner strahlend zurück. Die Leidenschaft, mit der die Diplomdesignerin ihre Produkte entwickelt, ist förmlich greifbar. Sie fühlt sich wohl in ihrer kunterbunten Welt, die sie erst kürzlich mit einem Maskottchen, einem kleinen Leuchtturm im Bonbon-Look, komplettiert hat. „Meine jetzige Arbeit ist genau das richtige für mich, deshalb hoffe ich, noch mehr Menschen für meine Ideen zu begeistern.“

„Wie ein Baby, was man umsorgen muss“

Die minimalistische Denkweise hat sie, wie sie sagt, während ihres Studiums intravenös verabreicht bekommen. „Weniger ist mehr“, fasst die selbständige Designerin zusammen. Die Kalender sollen sowohl funktional als auch optisch „haltbar“ sein. Kein Wunder also, dass eine Variation den Namen Evergreen trägt. Ein immerwährendes Produkt, das jahresunabhängig für Geburtstage und Jubiläen genutzt werden kann. Neben den Wandkalendern hat sie auch eine To-Do-Liste, einen Schwangerschaftskalender sowie einen Schulplaner designet: „Ich habe ein ganzes Buch voller Ideen.“ Einen richtigen Feierabend kennt die zweifache Mutter, der die Ideen manchmal auch spontan unter der Dusche kommen, allerdings nicht: „Wie ein Baby, was man dauernd umsorgen muss“. Damit die Kreativität auch weiterhin sprüht, besucht Pörtner privat gerne Kunstausstellung, geht in die Natur oder besucht Tanzkurse mit ihrem Mann: „Das macht den Kopf frei und hat mir schon so manche tolle Idee beschert.“

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