„Ein Mann mehr ist noch zu wenig“: Uraufführung in der Komödie – Szene38
4. Dezember 2013
Kunst & Kultur

„Ein Mann mehr ist noch zu wenig“: Uraufführung in der Komödie

Carmen (Jessica Stockmann) und Simone (Tanja Schumann) sind erschrocken: Latinlover Lino (Mario Saccoccio) hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Foto: oh

Gleich drei Affären auf einmal gönnt sich die attraktive Carmen in „Ein Mann zu viel ist noch zu wenig“, und das daraus resultierende Tür-auf-Tür-zu-Spiel sorgt bei seiner Uraufführung in der Komödie am Altstadtmarkt für ausgelassene Heiterkeit im Zuschauerraum.

Auch wenn Jessica Stockmann als männerverschleißender Vamp gleich zu Beginn einige Textunsicherheiten zeigt, unter anderem die drei in der Produktion auftauchenden Lover nicht so richtig auf die Kette bekommt: Danach entwickelt sich ein durchaus flotter Theaterabend in der Kategorie „leichteste Muse“. Zwar sind die Biegungen und Wendungen des Stoffes von Theaterchef Florian Battermann weitestgehend voraussehbar, doch Regisseur Dominik Paetzholdt inszeniert die Männer-Jonglage mit viel Gefühl für den komischen Moment, tariert vor allem das Temperament der Rollen gut aus, und lässt bei aller Frivolität den Holzhammer in Sachen Klamauk, wenn es sein muss, auch mal vor einer der viel bewegten Bühnentüren stehen. Das Ensemble wiederum weiß den Vorteil der klar gezeichneten Charaktere gekonnt zu nutzen. Botond von Gaal spielt Carmens schwulen WG-Buddy Bobby mit einer schönen Mischung aus tuntiger Aufgekratzt- und gemütlicher Zurückgelehntheit, Hans-Jürgen Helsig gibt den Jordan, Lover Nr. 1, mit sunnyboyeskem Charme, Sebastian Teicher als dänischer Käsehändler Mads (Nr. 2) sowie Tanja Schumann als Carmen-Freundin Simone agieren mit Mut zur Schrulle und Mario Saccoccio als Lino (Nr. 3) mästet das Klischee des omnipotenten Latinlovers bis zur Schlachtreife.

Dass das WG-Pärchen in diesem Taubenschlag alle Hände voll zu tun hat, damit die libidinösen Verschränkungen nicht auffliegen wie die Dinger mit der Klinke dran, ist logisch. Carmen hat die Hütte voll.

Wie sich das Liebhaber-Dilemma schließlich auflöst, zeichnet sich im Laufe der knapp zwei Stückstunden zielsicher ab. Am Ende sitzt Carmen – der Titel „Ein Mann mehr ist noch zu wenig“ verrät es bereits – allein da. Für die „smarte Zugbegleiterin im allerbesten Alter“ (Teilzitat Programmflyer) freilich kein Grund, Trübsal zu blasen, wird der männerlose Zustand doch nur von kurzer Dauer sein.

Diese auf den Weg zur Premierenfeier mitgegebene Zuversicht – wenn nicht sogar: Gewissheit – und die insgesamt unterhaltsame Aufführung werden vom Publikum kräftig beklatscht.
Weitere Infos und Termine finden Sie unter: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.

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