Damals, als Wolfsburg noch wild war... – Szene38
21. November 2019
Kunst & Kultur

Damals, als Wolfsburg noch wild war…

Zwei spannende Ausstellungen starten morgen Abend im Kunstverein Wolfsburg

Das waren die anarchistischen Achtziger Jahre in Wolfsburg: Ein Punk klettert in der Fußgängerzone auf eine Straßenlaterne. Foto: Werner Walczak

Wolfsburg – Stadt der Mobilität, Digitalisierung und Zukunft. Das war jedoch nicht immer so. Heute kaum mehr vorstellbar: In den frühen 80er Jahren war Wolfsburg grau, trist und trostlos. Zugleich aber auch ein brodelnder Schmelztiegel der Subkulturen.

Wolfgang und Max Müller und ihre Bands

Stark wurden diese von den gebürtigen Wolfsburgern Wolfgang und Max Müller beeinflusst. Mit ihren Gruppen Die Tödliche Doris und Honkas bzw. später Mutter erlangten sie auch außerhalb der Stadt Bedeutung. Mittendrin in der Szene: Der Wolfsburger Werner Walczak. Er begleitete deren Auftritte etwa in Fallersleben (1981) und im Antoniensaal (1980) von Schloss Wolfsburg. Auch jenseits dieser Events fotografierte er die intimen und impulsiven Stimmungen der Punk- und Jugendkultur jener frühen und rauen 80er Jahre. Exzess, Kreativität und Langeweile waren der Treibstoff der unangepassten Heranwachsenden, die die Bühnen und das Stadtbild prägten. Kreativität und Freiheit waren damals wichtiger als Konsum und Angepasstheit. Walczak archivierte ein explosive Spannungsfeld zwischen alternativen und bürgerlichen Lebensweisen jener fast vergessenen Zeit.

Lederjacken und Müllsäcke: Die Ausstellung „Punk oder so ähnlich – Wolfsburger Jugendkultur in den 80ern“ beleuchtet das kreative Treiben der damaligen Subkultur. Foto: Werner Walczak

Innenansichten einer aufregenden Zeit

Entstanden sind Innenansichten in eine aufregende Zeit, in der Wolfsburg noch wild war. Walczaks Fotografien werden, nachdem wenige Aufnahmen bereits 2018 in der Präsentation „Soundtrack Wolfsburg“ im Stadtmuseum Wolfsburg zu sehen waren, nun erstmals in einer umfassenderen Weise im Raum für Freunde des Kunstverein Wolfsburg ausgestellt. Die Ausstellung „Werner Walczak — Punk oder so ähnlich“ kann man dort vom 22. November 2019 bis 2. Februar 2020 sehen. Die Eröffnung ist am 21. November, um 19:00 Uhr. Einen Sondertermin gibt es am 17. Januar 2020, um 19:00 Uhr:  Ein Gespräch zwischen Werner Walczak und den Brüdern Wolfgang und Max Müller.

V für Verantwortung

Ebenfalls am 21. November, 19:00 Uhr, wird die Ausstellung „V für Verantwortung“ im Kunstverein Wolfsburg eröffnet. Der Titel der Ausstellung lehnt sich an die bekannte Graphik-Novel „V für Vendetta“ von Alan Moore und David Lloyd an. Dem Hauptcharakter Anonymous ist die Verwendung der weltbekannten Guy-Fawkes-Maske entlehnt.

Die Gruppenausstellung „V für Verantwortung“ setzt sich künstlerisch unter anderem mit der Digitalisierung und deren Folgen auseinander. Hier sieht man ein Werk von Stefan Hurtig. Foto: Kunstverein Wolfsburg

Verantwortlichkeit vs. Digitalisierung

Die Frage nach der Verantwortlichkeit erscheint als eine der drängendsten in Bezug auf die fortschreitende und unaufhaltsame Digitalisierung. Die Komplexität von Handlungsauswirkungen erreicht durch die technischen Möglichkeiten und die globale Vernetzung im 21. Jahrhundert noch einmal eine ganz andere Dimension. Jeder von uns, der sich in komplexen Netzwerken bewegt, ist Handelnder und Verstärker, trägt Verantwortung.
Die Gruppenausstellung „V für Verantwortung“ zeigt daher künstlerische Positionen, die sich mit dieser aktuellen Thematik beschäftigen. Zu sehen sind bis zum 2. Februar 2020 Arbeiten von Banz & Bowinkel, Stefan Hurtig, Jan Neukirchen, Xin Xin/Sanglim Han/Jen Agosta, Pinar Yoldas.

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