Wolfenbüttel: "Liebe auf den ersten Blick" – Szene38
und
17. August 2016
Kunst & Kultur

Wolfenbüttel: „Liebe auf den ersten Blick“

Corinna Düe, Projektleiterin des Altstadtfestes Wolfenbüttel, im Interview.

Die Stärken und Eigenheiten der Stadt hervorheben: Corinna Düe arbeitet im Amt für Wirtschaftsförderung und Tourismus der Stadt Wolfenbüttel. Foto: Falk-Martin Drescher.

Wenn vom 19. bis zum 21. August zum Altstadtfest Wolfenbüttel geladen wird – dann sind für einen reibungslosen Ablauf zahlreiche Helfer, Dienstleister & Co. unterwegs, Monate vorher wurden bereits die Planungen eingeleitet. Bei Corinna Düe, Leiterin des City- und Veranstaltungsmanagements der Stadt Wolfenbüttel, laufen alle Fäden zusammen. szene38 sprach vor dem großen Fest mit ihr.

Sie sind City- und Veranstaltungsmanagerin der Stadt Wolfenbüttel – Was ist Ihre Aufgabe und was umfasst das Themengebiet?
Unter dem Begriff des  Veranstaltungsmanagement versteht man alle städtischen Veranstaltungen, beispielsweise „Osternest“, „Mobile-Welten“, „Maifest“, „Buspulling“ und „Altstadtfest“. Dann haben wir meistens Veranstaltungen in der Richtung „Erntedankfest“ und vier Wochen lang einen großen Weihnachtsmarkt hier in Wolfenbüttel den wir planen, gestalten, veranstalten und reflektieren. Dann ist es im Bereich City-Management letztendlich so, dass man für den gesamten Einzelhandel der Ansprechpartner ist.

Was zeichnet die Stadt Wolfenbüttel in Ihren Augen aus?
Ich bin vor 23 Jahren, durch meinen Mann, nach Wolfenbüttel gekommen und ich muss ganz ehrlich sagen, dass es von Anfang an Liebe auf den ersten Blick war. Meine Schwiegereltern hatten hier eine Fleischerei  und ich fand diese Fachwerkstatt mit ihrem ganz eigenen Charme, der Kultur und Historie, den Menschen und ihrem Charakter gleich unheimlich sympathisch und bin seitdem Wolfenbüttelerin durch und durch. Insofern war es mir auch primär wichtig, dass man etwas für die Stadt tun kann –  Ich brenne einfach dafür.

Das Altstadtfest zählt zu den Veranstaltungshighlights des Programms in Wolfenbüttel. Welche anderen Formate würden Sie ebenso hervorheben?
Der Weihnachtsmarkt ist uns total wichtig. Wir haben ihn im vergangenen Jahr, als meine Kollegin und ich zum ersten Mal dabei waren, ein wenig verändert. Wir haben dann auch ganz kritisch geguckt was gut oder nicht gut lief: Was können wir besser machen, was können wir optimieren? Dabei haben wir festgestellt, dass es doch das ein oder andere gibt. In diesem Jahr bleibt der Weihnachtsmarkt natürlich bestehen, wird aber unter einem anderen Konzept laufen.
Wir werden ein wenig umstellen, damit es keine typischen „toten Ecken“ in den sogenannten Handwerkergassen gibt. Das hat damit zu tun, dass es Orte waren, die am Abend nicht so stark frequentiert waren – weswegen die ansässigen Läden früher geschlossen haben. Wir werden das nun durch einheitliche Öffnungszeiten ausgleichen, nach denen sich jeder, egal ob Glühweinhändler, Bratwurstbude oder der Kunsthandwerker, richtet. Sie variieren lediglich unter der Woche im Vergleich mit dem Wochenende. Wir haben außerdem festgestellt, dass wir hier in Wolfenbüttel unheimlich tolle Höfe haben, werden in diesem Jahr deshalb vier weitere Themenhöfe öffnen. Einen Märchenhof, einen historischen Hof, einen Kinohof und einen Hof beim Kloster, der umdekoriert wird und aus dem ohnehin schon „verwunschenen“ Hof eine echte Geheimadresse werden lässt.

Schlagen wir einen Bogen zurück zum Altstadtfest. Was würden Sie als die Grundpfeiler des Altstadtfestes definieren?
Wir haben als wirklich wichtigen Aspekt den Landestrachtenverband, der uns entsprechend unterstützt. Das heißt, er bringt uns wirklich den historischen Teil des Ganzen hinzu. Wir finden es besonders wichtig, dass das Altstadtfest ein Fest für die ganze Familie ist – dort muss sich ein Jugendlicher genauso angesprochen fühlen wie auch ältere Generationen. Wir haben dann natürlich auch einen ganz aktiven Jugendbereich. Am Kornmarkt oder der Jugendbühne mit Bands wie The Esprits denken wir, dass die Jugend sich dort besonders angesprochen fühlt. Allgemein glauben wir, dass das Musikprogramm in diesem Jahr so vielfältig ist, dass wir bei der Musikauswahl gut recherchiert haben und es insgesamt auch sehr abwechslungsreich sein wird.
Ferner kam der Leiter der Herzog-August-Bibliothek auf zu und meinte, dass es schön ist, wenn Feste gefeiert werden, aber ob nicht auch dort ein wenig mehr Fokus liegen könne. Das haben wir uns als Ziel gesetzt und eine Bühne vor die Bibliothek gesetzt. Auch das Lessing-Haus und das Zeughaus werden mit dieser Bühne hervorgehoben. Gerade unsere neue Marke „Lessingstadt Wolfenbüttel“ werden wir ganz neu aufleben lassen, indem wir Zitate auf Banner drucken lassen, die wir in die Bäume hängen. Wir greifen die Fragen auf: Was ist unsere Tradition, wo kommen wir her?

Viele Engagierte: Einige Beteiligte des Altstadtfestes bei der Pressekonferenz zur Veranstaltung. Auch Bürgermeister Thomas Pink (6. v.r.) unterstützt das große Fest. Foto: Falk-Martin Drescher.
Viele Engagierte: Einige Beteiligte des Altstadtfestes bei der Pressekonferenz zur Veranstaltung. Auch Bürgermeister Thomas Pink (6. v.r.) unterstützt das große Fest. Foto: Falk-Martin Drescher.

Das Programm ist so breit gefächert wie noch nie – eine bewusste Entscheidung?
Wenn man, wie meine Kollegin und ich, zu zweit ein großes Projekt hat, ist man natürlich dankbar, dass man auch ganz viele tolle Sachen aus den vorherigen Jahren übernehmen kann. Natürlich haben wir uns genau die Feste der vorigen Jahre angeguckt – aus der Erfahrung kann man schon gut sagen, was die Wolfenbütteler besonders schön und ansprechend finden. Sie lieben etwa die Walkacts. Kleinkunst ist hier herzlich willkommen und wir haben unser Augenmerk deshalb etwa darauf gesetzt. Auch spielte der Zufall eine Rolle, Steffen Reimann etwa mit seiner Geflügelzucht-Geschichte. So ein Fest bietet die Möglichkeit, dass sich der ein andere Verein zeigen darf – wenn nicht auf so einer Plattform, wann dann? Es ist letztendlich eine Bühne für genau das.

Bei einem breiteren Programm spricht man auch von einem größeren finanziellen Volumen. Wie kann man so eine Veranstaltung finanzieren?
Man kann so eine Veranstaltung nicht ausschließlich durch Sponsoren finanzieren, das ist klar. Wir sind, was das angeht, total glücklich, dass wir seitens der Politik auch entsprechende Gelder zu Verfügung gestellt bekommen haben. Es ist den Leuten, der Politik und dem Bürgermeister sehr wichtig, dass das Altstadtfest für alle Bürger ein schönes Fest darstellt. Natürlich sind wir aber trotzdem auf Sponsorengeldern angewiesen.

In welcher finanziellen Größenordnung bewegen wir uns?
Sie ist auf jeden Fall sechsstellig.

Die Jägermeister Blaskapelle spielt ebenfalls. Wie kann ich mit die Entwicklung dahin vorstellen?
Das war wirklich eine sehr interessante Geschichte. Ich persönlich denke immer: Wenn man in einer tollen Stadt sein Unternehmen hat, dann kommen aus dieser tollen Stadt auch die Mitarbeiter, die Beschäftigten eines Unternehmens. Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass man auch daran denkt – somit habe ich um ein persönliches Gespräch mit Jägermeister gebeten. Das war am Anfang ganz naiv: „Können wir uns mal treffen? Ich habe da mal eine Frage.“ Wir sind eine coole Stadt, die viele Studenten hat. Unser Ziel ist es diese Studenten für ihre Stadt zu sensibilisieren. Wir haben auch das Problem, dass wirklich viele auch in Braunschweig wohnen, in Wolfenbüttel studieren und ihre eigene Stadt gar nicht richtig kennen. Insofern finde ich es auch ganz wichtig, dass man darauf auch den Akzent darauf setzt die jungen Leute anzusprechen. Wir versuchen auch die Stadt zu verjüngen – Jägermeister ist mit seinem Produkt da mit Sicherheit perfekt für. Sie haben ein junges Produkt und wir haben eine Stadt, die sich verjüngen möchte. Insofern wäre es eine tolle Idee, wenn man dabei irgendwie zusammenkäme. Für das Gespräch haben sich die Ansprechpartner von Jägermeister wirklich viel Zeit genommen. Wir haben gemeinsam überlegt, was man machen kann, dabei kam die Idee mit der Jägermeister Blaskapelle in den Sinn. Entsprechend ihrer Marketingstrategie werden sie am Samstagabend, natürlich erst ab 22 Uhr, am Start sein.

Sie haben es gerade gesagt: Es geht natürlich mit dem Wunsch einher eine Stadt als Marke zu verjüngen. Jägermeister ist für die Stadt ein wichtiger Player – wünschen Sie sich da in Zukunft noch mehr Engagement?
Ja, das ist ein absoluter Wunsch, dass sich Jägermeister einbringt. Wenn sie sagen: „Das war jetzt so toll, wir machen das in Zukunft öfter“, bin ich natürlich super glücklich. Ein bisschen profitieren sie natürlich auch – je charmanter eine Stadt für die eigenen Mitarbeiter ist, umso schneller kann man die gewünschten Fachkräfte mobilisieren.
Das Thema, dass wir als Stadt jünger werden wollen, ist super wichtig. Wir haben unsere Ostfalia mit ihren vielen Studenten, die hier täglich ein- und ausgehen. Ich wäre froh wenn auch die Stadt viele Studentenwohnheime und -Wohnungen anbieten würde, wenn Kneipen wieder richtige Studentenkneipen werden würden und der Einzelhandel auch davon profitiert.

Weitere Informationen zum Altstadtfest Wolfenbüttel gibt es im gesonderten Bericht.

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