Braunschweiger Blumenkunde – Szene38
22. April 2020
Kunst & Kultur

Braunschweiger Blumenkunde

Triste Zeiten? Nicht mit uns! Heike Becker-Möhring, Inhaberin von Florentine in Braunschweig, gibt Einblicke in die bunte Welt der Blumenkunde.

Blumenkunde: Bunte Tulpen

Ein bunter Tulpenstrauß hebt die Stimmung.

In Zeiten der aktuellen Krise erscheint die Lage schnell trist. Draußen blüht der Frühling – und mit ihm die bunten Blumen und Blüten. Da wir aktuell nur bedingt durch die öffentlichen Parks turnen können, müssen wir uns den Frühling eben nach Hause holen. Und das geht mit farbenfrohen Tulpen, duftenden Hyazinthen und zarten Zweigen. Heike Becker-Möhring, Inhaberin von Florentine in Braunschweig, gibt Einblicke in die Welt der Blumenkunde.

Von sanft bis knallig

Porträtfoto von Heike Becker-Möhring
Floristin und Blumen-Expertin Heike Becker-Möhring

Ein zartes Rosé, unschuldiges Blau, reines Weiß oder doch lieber das intensive Bordeaux, strahlende Gelb oder satte Lila? „Farben sind und bleiben Geschmackssache“, sagt Heike Becker-Möhring, Floristin und Inhaberin von Florentine in Braunschweig. „Der eine mag es kräftig und barock, der andere fühlt sich in pastelligen Farben wohl und der nächste setzt auf Natur pur. Pudertöne sind derzeit sehr gefragt. Meine Seele braucht zu dieser Jahreszeit jedoch eher knallige Farben.“ Eines darf dabei aber auf gar keinen Fall fehlen: Das frische Grün der ersten Knospen.

Blumenkunde: So geht Frühling

Schneeglöckchen, Narzissen und Perlhyazinthen: Die Zwiebelpflanzen erfreuen sich zu dieser Jahreszeit besonderer Beliebtheit. Diese lassen sich zum Beispiel in einer flachen Schalen mit etwas Moos drapieren, wo sie an einen natürlichen Waldboden erinnern. „Naturnähe ist in. Im Idealfall sieht der gekaufte, gebundene Strauß aus wie selbstgepflückt. Da habe ich schon die wildesten Kombinationen erlebt“. Grenzen in der Blumenkunde? Gibt es nicht.

Die Eine oder Keine

Bei den ganzen wohlklingenden Namen fragen wir uns: Gibt es denn überhaupt die eine Frühjahrsblume? „Frühling in Masse – das ist erst einmal an Bündel Tulpen“, meint Becker-Möhring. Kombiniert mit knorrigen Apfel-, Weide-, Pfirsich-, Blaubeer- und Kirschzweigen gibt das vielseitig gefärbte Liliengewächs ein harmonisches Duett ab. Auf den zweiten Platz gehören laut der Expertin die engblättrigen Blütenköpfe der Ranunkel. Außerdem sind farbige Lenzrosen und leuchtende Anemonen eine gute Wahl, um sich den Frühling ins Haus zu holen.

So schön und farbenfroh die Frühjahrsboten auch sind, mit dem Duft einer in voller Blüte stehenden Englischen Rose können sie es nicht aufnehmen. „Wir kombinieren unsere Sträuße und Gestecke deshalb mit italienischen Kräutern wie Rosmarin und Salbei. Oder mit unterschiedlichen Myrten und Eukalyptus. Das regt die Sinne in allen Facetten an.“

So bleiben die Schnittblumen frisch

Die verstaubte Vase aus dem Schrank und das stumpfe Brotmesser: All das lässt die frischen Schnittblumen schnell alt aussehen. „Die Vase muss vor Gebrauch richtig gesäubert werden, das geht am besten mit heißem Wasser und einem Tuch.“ Die Rückstände vom alten Blumenwasser verbleiben sonst in der Vase, in der sich nun viele Bakterien tummeln. Diese reduzieren letztendlich die Haltbarkeit der Pflanze. Auch die Wassermenge muss beachtet werden: „Fleischige, weiche Stile brauchen nicht so viel Wasser, ein Rosenstrauß hingegen will satt im Wasser stehen.“ Damit die Schnittblumen auch richtig trinken können, sollten sie schräg beschnitten werden. „Dafür unbedingt ein scharfes Messer verwenden. Stumpfe Schneidwerkzeuge können die Leitungsbahnen zerquetschen.“ Wer seine blumigen Gäste möglichst lange beherbergen möchte, tischt ihnen eine entsprechende Pflanzennahrung auf. „Diese lässt den PH-Wert absinken, so haben Bakterien es schwerer, sich zu vermehren“, erklärt Becker-Möhring in Sachen Blumenkunde.

Hyazinthen in Pastelltönen.
Farb- und Duftboten: Hyazinthen haben einen starken blumigen Duft.

Abgesehen von Tulpen, die es generell etwas kälter mögen, kann das Wasser ruhig angenehm handwarm sein. Zu warme Heizungsluft hingegen mögen die zarten Beautys gar nicht. Einen Strauß neben eine Schale mit Bananen zu legen, ist ebenfalls kontraproduktiv: „Die Gase des heranreifenden Obstes begünstigen das Abreifen der Blüten.“

Blumen richtig kombinieren

Die prächtigen Frischebringer lassen sich je nach Belieben miteinander kombinieren. Gerbera, Chrysanthemen, Rosen, Nelken und Tulpen harmonieren mit etwas Bindegrün hervorragend. Etwas Vorsicht ist bei der Zusammenstellung trotzdem geboten: „Hyazinthen und Narzissen verlieren eine leicht klebrige Flüssigkeit, die feinen Schlieren können die Leitungsbahnen der anderen Blumen verstopfen.“

Wie die geschnittenen Lieblinge Zuhause gebührend in Szene setzen? Hier ist von dem klassischen Glaszylinder bis hin zur organisch geformten Designervase alles möglich. Aber auch Vasen in Metalloptik sind zurzeit sehr angesagt. „Warum nicht einfach die alte Konservendose auswaschen und die Blumen dort hineinstellen? Das ist sowohl witzig als auch nachhaltig.“

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