"Es gibt Gäste, die auf der House-Party Hip Hop hören wollen" – Szene38
19. Dezember 2013
Kolumnen

„Es gibt Gäste, die auf der House-Party Hip Hop hören wollen“

Gordon Hollenga von den Disco Boys aus Hamburg. Foto: Timo Schneider

DJ – ein Traumberuf der geduldigen Umgang mit den Gästen mit sich bringt. Gordon Hollenga von den Disco Boys hat in seinem aktuellen, offenen Newsletter dies thematisiert.
Bei uns lest ihr die ganze Mail!

Von Gordon Hollenga

Nächste Woche ist schon wieder Weihnachten? Wirst Du all das bekommen, was Du Dir gewünscht hast? Oder war Knecht Ruprecht unbarmherzig wie der DJ, der Deinen Musikwunsch nicht erfüllt? In der Disco gilt die Regel: Je weniger Musikwünsche an den DJ herangetragen werden, desto besser macht er seinen Job. Bildet sich jedoch eine Schlange am DJ-Pult, sollte sich der Mixmeister vielleicht Gedanken über eine Umschulung zum Beispiel zum Pizzabäcker machen. Aber Obacht: Nicht jeder erfüllte Musikwunsch wird die Stimmung ekstatisch in die Höhe schnellen lassen. Manchmal steckt auch etwas anderes dahinter als der Wunsch, die Party besser zu machen.

Hier ein paar Beispiele:

Es gibt Gäste, die auf der House Party Hip Hop hören wollen (und umgekehrt).
Die provozieren wollen („Spiel jetzt endlich Hip Hop, Alter!“).
Die nie zufrieden sind („Kannst Du bitte mal was anderes spielen?“).

Es gibt die, die selbst gern DJ wären („Was? Das kennst du nicht?“).
Die dem DJ schmeicheln wollen („Spiel mal was von Dir!“).
Die den DJ nicht kennen („Ach was! Das ist von Dir?“).

Es gibt die, die gewettet haben („Wenn Du das spielst, bekomme ich einen geblasen!“).
Die nur hören wollen, was sie aus dem Radio kennen („Mach‘ ma‘ „Animals“ jetzt!“).
Die allen ihren speziellen Geschmack aufzwängen wollen („Spiel mal mein Demo, ey!“ – hält ein iPhone hin).

Es gibt die Ewiggestrigen („Ich will „Call On me“ hören – aber sofort!“)
Die Pechvögel („Kannst Du noch mal machen? War‘ gerade auf Klo!“)
Die Schadenfrohen („Sag‘ ich doch, dass es abgeht bei MEINEM Lied!“ – es läuft „For You“)

Es gibt die Besserwisser („Wenn Du das auflegst, fliegt hier die Kuh!“).
Die Hilfsbereiten („Die wollen Charts, oder bist Du beratungsresistent?“)
Die Kompetenten („Kannst Du mal was Schnelles machen?“ – auf einer Speedmetal Party).

Es gibt Anmachen („Wenn Sie mein Lied spielen, erfülle ich Ihnen auch einen Wunsch…“)
Drohungen („Spiel ma‘. Bin Freund von Chef.“)
Und Bestechung („Spiel das ma‘!“ – wedelt mit einem „Zwanni“)

Wer da zugreift, kann sich auch gleich eine Lichterkette umhängen und „Living Jukebox“ mit Edding auf die Stirn schreiben. Die Absicht der meisten ist klar: Sie wollen Einfluss nehmen. Etwas von der Aufmerksamkeit abhaben, die man in der Kanzel genießt. Es gibt Leute, die stehen schmollend in der Ecke, bis der DJ drei Stunden später ihren Wunsch erfüllt und sie tatsächlich nur zu diesem einen Song tanzen. Abend gerade noch gerettet, Gott sei Dank!

Ich weiß nicht, wie meine Kollegen das handhaben, aber ich überlege tatsächlich bei jedem Wunsch, ob ich ihn dabei habe und wenn ja, wie er ins Set passt. Natürlich nur so lange derjenige mir nicht auf die Nüsse geht und nicht nach jedem Übergang nachfragt, wann es endlich kommt. Ein DJ sollte nicht nur Künstler auf Selbstverwirklichungstrip sondern immer auch ein Stück weit Dienstleister sein. Mit dem Erfüllen des einen oder anderen Musikwunsches bricht er sich keinen Zacken aus der Krone. Wer eine gute Beziehung mit der Tanzfläche führen will, muss wie im echten Leben bereit sein für Kompromisse – ohne sich dabei zu verbiegen. Und wer auf der anderen Seite sicher sein will, dass sein Lied kommt, sollte warten, bis der DJ ein Ohr hat und dann um eine klare Aussprache bemüht sein. Falls das nicht mehr möglich ist: Aufschreiben und Zettel abgeben. So einfach ist das.

Wahrscheinlich werde ich im nächsten Leben gute Fee – und darf fortan jedem drei Wünsche erfüllen. Bis dahin gilt: Maximal ein Wunsch pro Gast. Ob ich ihn erfülle, hört Ihr auf der Tanzfläche.

… zum Beispiel bei der Silvesterparty in der Autostadt

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