Kinobranche in existentieller Krise – Szene38
25. Juli 2020
Kino

Kinobranche in existentieller Krise

Hans-Joachim Flebbe, Chef der ASTOR-Kinogruppe, die u.a. Kinos in Braunschweig und Hannover betreibt, lässt Kinos geschlossen und prognostiziert eine Pleitewelle

Das Astor Filmtheater in Braunschweig öffnete am 10.10.2019 seine Türen. 1.800 Kinogäste können in 8 Sälen die neuesten Filme gucken. Seit über vier Monaten ist es wegen Corona-Maßnahmen geschlossen. Foto: Astor Filmtheater

Restriktive Auflagen machen den niedersächsischen Kinobetreibern schwer zu schaffen. Derzeit müssen auch im Kinosaal Mindestabstände von 1,5 Metern eingehalten werden. Das macht einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich. Hinzu kommt eine mangelnde Verfügbarkeit von Filmen. Attraktive Blockbuster werden erst dann wieder herausgebracht, wenn die Filmtheater deutlich mehr Platzkapazitäten anbieten können. Die Betreiber stehen nach vier umsatzlosen Monaten vor dem Abgrund…

Beibehaltung der 1,50-Meter-Abstandsregel im Kinosaal

„Niedersachsen gibt weitere Lockerungen der Corona-Regeln bekannt. Diese sollen dann bis zum 31.8.2020 Bestand haben.“ Auf diese Ankündigung reagieren die niedersächsischen Kinobetreiber mit Wut und Unverständnis: Die Beibehaltung der 1,50-Meter-Abstandsregel im Kinosaal kommt einem Berufsverbot gleich und ist völlig unverhältnismäßig. Bisher ist weltweit Kein Fall bekannt, in dem ein Kino oder ein Theater zum Ansteckungs-Hotspot wurde. Die einfache Erklärung: Anders als in der Gastronomie sitzen die Gäste in einem Kino auf ihrem Platz und schauen in Richtung Leinwand. Auch geredet wird eher nicht. Zudem sind die Großkinos mit modernen Belüftungs- und Klimaanlagen ausgestattet. Diese sorgen mit bis zu 100% Außenluft für saubere Luft. „Wir sind in unseren Filmtheatern in der Lage, für einen sicheren Besuch zu sorgen und durch unser Buchungssystem auch die Kontaktverfolgung zu gewährleisten“, erklärt Hans-Joachim Flebbe, Chef der ASTOR-Kinogruppe. Diese betreibt unter anderem Kinos in Hannover und Braunschweig. „Allerdings ist für uns erst ab einer möglichen Auslastung von 50% – also immer noch mit einem freien Sitz zwischen den Gästen – eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes wirtschaftlich vertretbar.“

Zerstörung der Kinolandschaft in Niedersachsen

„Unter den aktuellen Umständen, mit einer Beibehaltung der 1,50-Meter-Abstandsregel und maximal 25% Auslastung, ist es für uns noch sinnvoller, die Kinos geschlossen zu halten“, sagt Flebbe. „Diese Auflage wird schon kurzfristig zu einer Pleitewelle sowie zur unwiederbringlichen Zerstörung der Kinolandschaft in Niedersachsen führen.“ Er hält die Einschränkungen für völlig überzogen, zumal auch in Österreich, Frankreich, der Schweiz – oder auch in NRW die ein-Sitz-bleibt-frei-Regel gilt.

Seit über vier Monaten kein Programm in den ASTOR-Kinos in Braunschweig und Hannover

Seit inzwischen über vier Monaten findet in den ASTOR-Kinos in Hannover und Braunschweig kein Spielbetrieb statt. Die dennoch anfallenden Fixkosten in Höhe von über 600.000 Euro im Monat muss Flebbe aus eigener Taschezahlen: „Es wird immer von großartiger Hilfe und von der Unterstützung der Kulturinstitutionen gesprochen. Abgesehen vom Kurzarbeitergeld werden wir aber komplett mit dem von uns nicht verschuldeten Problem alleine gelassen. Von der Landesregierung oder vom Bund wurde kein Euro an Kompensation gezahlt.“

Kurzfristige Hilfen und schnelle Entscheidungen!?

Der Branche geht der Atem aus – nun sind kurzfristige Hilfen gefragt und schnelle Entscheidungen für weitergehende Lockerungen. Hans-Joachim Flebbe sucht seit Wochen das Gespräch mit dem Land, bisher leider ohne Erfolg. Doch die Zeit drängt, sonst bleibt der Landesregierung nur die Option, den kulturellen Kahlschlag mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen…

Kommt James Bond (Daniel Craig) in „Keine Zeit zu sterben“ am 12. November 2020 in die deutschen Kinos? Die Branche kämpft ums Überleben. Foto: Universal Pictures International

 

 

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