Ein anarchischer Zwerg – Szene38
27. August 2020
Kino

Ein anarchischer Zwerg

„Die Blechtrommel“ erklingt wieder im Kino – Wiederaufführung des Oscar-gekrönten Films nach 40 Jahren am 31. August auch in Braunschweig

Der Film-Klassiker „Die Blechtrommel“ wird nach 40 Jahren digital restauriert wieder aufgeführt. Der kleine Oskar kämpft darin gegen Spießbürgertum und Nazis. Mit seiner schrillen Stimme und einer lauten Trommel. Foto: Astor Filmtheater

So schrill schreien, wie der kleine Oscar, kann kaum jemand in der Filmgeschichte. Das frühreife, hellhörige und kleinwüchsige Bürschchen mit dem ausgeprägten Organ und der weiß-roten Trommel ist eine ikonische Figur. Auch nach vierzig Jahren hat Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ nichts von seiner Dramatik, Wucht und Sprengkraft eingebüßt.

Mehrfach preisgekrönt

Deutscher Filmpreis als Bester Spielfilm, Goldene Palme in Cannes für die Beste Regie und dann die Sensation: 1980 wurde „Die Blechtrommel“ mit einem Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“ ausgezeichnet. Das war der erste Academy Award für Deutschland in der Kategorie Spielfilm (genauer gesagt in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“). Basierend auf dem Roman des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass inszenierte Schlöndorff das Drama um die kaschubische Familie Matzerath aus Sicht ihres Sohnes Oskar mit David Bennent, Mario Adorf, Katharina Thalbach und Angela Winkler in den Hauptrollen. Der Regisseur empfand „die Möglichkeit, an der Blechtrommel zu arbeiten, seinerzeit als „eine Herausforderung, der man sich nicht entziehen kann“. Er versuchte sich seinen Film wie eine besondere Freskenmalerei vorzustellen: „Weltgeschichte von unten erlebt: riesige, spektakuläre Bilder, zusammengehalten von dem winzigen Oskar.“

Trommeln gegen Spießer und Nazis

Der Inhalt: Danzig im Jahr 1927. Der kluge Oskar ist gerade erst drei Jahre alt geworden. Und doch ist ihm bereits jetzt klar: Das kleinbürgerliche Leben der Erwachsenen kann und will er so nicht akzeptieren. Er hört einfach auf zu wachsen. Leidenschaftlich protestiert der anarchische Zwerg fortan auf seiner Blechtrommel gegen fanatische Nazis und deren feige Mitläufer. Immer wieder erhebt er seine Stimme gegen die muffigen Spießer der Weimarer Republik und deren derbe Erotik. So schrill, bis Glas springt. Erst als nach dem Krieg eine menschlichere Zeit beginnt, beschließt Oskar wieder am Leben teilzunehmen und wächst weiter.

Digitales Filmgespräch mit Volker Schlöndorff

Eigentlich sollte Schlöndorffs „Die Blechtrommel“ bereits am 14. April 2020 wiederaufgeführt werden. Also exakt 40 Jahre nach seiner Auszeichnung mit dem Oscar als „Bester ausländischer Film“. Corona bedingt präsentiert das Astor Filmtheater in Braunschweig die komplett digital restaurierte Fassung am Montag, 31. August, 19:00 Uhr, mit einem anschließenden digitalen Filmgespräch mit Volker Schlöndorff. Die Restaurierung fand unter der Aufsicht von Eberhard Junkersdorf und Volker Schlöndorff persönlich statt. „Heute wirkt er fast noch stärker auf der Leinwand als damals“, sagt er dazu „sowie die großen Gesichter der Stummfilmzeit uns heute noch mehr überwältigen als die Zuschauer damals in den Kinos.“

 

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