Kicks für den Klub, Kotzen für die Seele – Szene38
23. Oktober 2018
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Kicks für den Klub, Kotzen für die Seele

MDB39, aufstrebendes Braunschweiger Straßen-Rap-Duo, im Interview

Max und David benutzen ihre Songs als Ventil, um mit einigen Dingen abzuschließen. Irgendwann würden Sie gerne von ihrer Musik leben. Foto: MDB39

„Früher habe ich Koks gezogen, heute werden Beats gebaut. Und wenn ich komponiere und es passt bekomme ich Gänsehaut…“ rappen MDB39 ein aufstrebendes Rap-Duo aus Braunschweig auf ihren Song „Schicksal“. MonoTyp alias David Dlugosch und Max Lange alias M39 haben bereits sechs selbstproduzierte Songs inklusive Videos auf ihrem Youtube Channel mdb39 veröffentlicht. Ihr Sound: Harter, authentischer Deutsch-Straßen-Rap, inspiriert von der neuen erfolgreichen Hamburger-Abräumer-Schule um Raf Camora und Bonez MC, die zurzeit die Charts und Clubs zerstören. Dass MDB39 aber nicht nur negative Erlebnissen aus ihrer Kindheit oder Knastaufenthalten reflektieren, beweisen sie auf „Good Life“. Ein beschwingt-groovenden Track, der das Potenzial zum echten Sommer-Hit hätte. Szene38 unterhielt sich exklusiv mit Max, dem 27-jährigen Konstruktionsmechaniker und David, dem 36-jährigen Ergotherapeutin über ihren bisherigen musikalischen Werdegang und Ziele. Am 9. November 2018 sind MDB39 zudem live im Jolly Time zu erleben.

„Früher auf Koka heute an der Strandbar“: Das Braunschweiger Rap-Duo MDB39 berichtet über viele Facetten ihres Lebens. Foto: MDB39.

Jungs, wann und warum seid ihr zur Musik gekommen?

Max: Mit der Musik habe ich im Alter von 14 angefangen. Ich war schon immer musikalisch stark beeinflusst von Deutschrap und RnB.

David: Angefangen mit der Musik habe ich damals im Jugendzentrum Kreuzstraße im Alter von 13 Jahren. Alles, was wir damals hatten, waren ein Mikrofon ein kleines Mischpult – und sehr schlechte Boxen.

Wer ist MDB39 und was bedeutet der Name?

Max: MDB39 besteht aus Monotyp, M39, Maly All Inclusive und Florian Isselmann. Der Name MDB39 besteht aus monotypdbeatz und meinem Namen M39.

Das offizielle Logo der Rap-Crew. Foto: MDB39.

 

Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Max: Unsere Musik ist vielseitig, mal kreieren wir was für die Clubs und mal kotzen wir unsere Seelen aus, um alte Geschehnisse zu verarbeiten. Wir legen uns auf keinen spezifischen Rapstil fest, sondern bedienen die gesamte Palette – wir machen das, worauf wir Bock haben.

 

Wo, wie und mit wem produziert ihr eure Songs?

Max: Wir recorden im Homestudio von Monotyp. Mono baut die Beats, rappt, schreibt, produziert. Auch das Mixing und Mastering gehört zu seinen Aufgaben. Ich schreibe, rappe und singe. Maly produziert die Videos und Florian macht die Websites. Wir sind ein eingespieltes Team!

Wie viel Songs habt ihr bereits veröffentlicht?

Max: Bisher haben wir so viele Songs das wir locker ein Album bringen könnten. Zusammen haben wir bisher sechs Songs inklusive Videos auf unserem Youtube Channel mdb39 veröffentlicht.

Von wem oder was lasst ihr euch für die Texte inspirieren?

Max: Inspiriert bin ich von Musik, die ich privat höre: Silla oder die Jungs von 187. RAF Camora inspiriert mich. Und auch von negativen Erlebnissen, während meiner Kindheit. Demnächst kommen mal ganz andere Töne von uns. Seid gespannt!

David: Für meine Lieder lasse mich von meinem Umfeld und meinen alten Zeiten inspirieren – damals ist ziemlich viel Mist passiert. Ich benutze Musik als Ventil, um mit einigen Dingen abzuschließen.

Welche Rolle spielen Braunschweig und die Region in euren Songs?

Max: Braunschweig und die Region stehen meistens im Vordergrund vieler Songs und Videos, da sich vor allem bei Mono viele prägende Erlebnisse hier abgespielt haben.

David: Braunschweig ist meine Geburtsstadt und die Quelle meiner Inspiration. Auch, wenn ich seit 3 Jahren nicht mehr in der Stadt wohne, bin ich noch regelmäßig dort. Außerdem habe ich viele Erinnerungen, die mich inspirieren – für meine Texte, für meine Lieder, für meine Beats, für meine gesamte Musikgeschichte. Ich liebe diese Stadt von ganzem Herzen.

 

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

David: Ganz große Vorbilder waren für mich immer Eminem und der Westcoast-Sound.

Mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenarbeiten?

Max: Eine Zusammenarbeit mit Savas oder Bausa könnte ich mir gut vorstellen.

David: Ich würde gerne mit Alligatoah zusammenarbeiten.

Wie würdet ihr euren Lifestyle beschreiben?

David: Mein Lifestyle würde ich als bodenständig betiteln. Meine Familie ist der Mittelpunkt meines Lebens und für mich das Wichtigste – nach der Musik.

Welche Rolle spielen Outfit, Frisuren, Tattoos & Co. für euch?

Max: Zeitgemäße Outfits und ein gepflegtes Auftreten sind für mich sehr wichtig. Ich würde mich aber nicht unbedingt als eitel beschreiben. Früher war ich gut gekleidet, um ein paar Chicks zu klären, heutzutage mache ich es für mich und meine zukünftige Frau. Tattoos sind eher nichts für mich – außer vielleicht MDB39 wenn wir die erste goldene in den Händen halten.

David: Gute Outfits spielen bei mir nicht so eine große Rolle. Ich bin weder eitel noch anspruchsvoll. Ich selbst halte nichts von Tätowierungen.

Was ist mit Alkohol und Drogen?

Max: Mit Drogen habe ich persönlich nichts am Hut außer mal Alkohol und täglicher Zigarettenkonsum. Okay, gekifft hat jeder mal oder eine Line im Suff gesnifft. Bis vor ein paar Monaten waren Suff-Abstürze und Partys am Wochenende ganz normal, mittlerweile habe ich jedoch andere Prioritäten.

David: Ich habe schon mehrere Gefängnisaufenthalte wegen Beschaffungskriminalität hinter mir und bin seit drei Jahren clean und trockener Alkoholiker. Meine Einstellung zu Drogen ist: Jedem das seine. Aber wenn ich entscheiden könnte, würde ich sagen ohne Drogen und Alkohol.

Was sind eure kurz- und langfristigen Ziele als Musiker?

Max: Langfristig gesehen ist unser Ziel unsere Reichweite zu steigern und irgendwann von der Musik leben zu können, um uns voll und ganz darauf konzentrieren zu können.

David: Meine Ziele als Musiker sind es einerseits ernst genommen zu werden und andererseits mich weiterhin qualitativ zu verbessern. Ich würde gerne mein Geld damit verdienen, weil es mein Traum wäre – aber ich gehe nicht davon aus.

Wann und wo kann man euch live erleben?

Max: Zuletzt hatten wir einen Auftritt im LOFT in Helmstedt. Am 9. November 2018 sind wir live im Jolly Time in Braunschweig. Für das nächste Jahr haben wir noch jede Menge Projekte am Start und ein Album ist in Planung. Unser Ziel ist es erst einmal im Raum Braunschweig einen Namen zu machen.

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