Joko und Klaas: Neues Video "Männerwelten" sorgt für Furore – Szene38
17. Mai 2020
Szene-News

Joko und Klaas: Neues Video „Männerwelten“ sorgt für Furore

15 Minuten stellte der Sender ProSieben Joko und Klaas am Mittwochabend zur freien Verfügung. Die beiden entschieden sich für das brisante Thema "Sexuelle Belästigung an Frauen".

Joko und Klaas sind fast immer gemeinsam unterwegs.

Joko und Klaas und Palina Rojinski (zweite von links) beim Rock am Ring 2017, Photo: Sven Mandel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59922923

„Das Duell um die Welt“, „Joko vs. Klaas“ – die TV-Formate der beiden Flitzpiepen hatten meist primär einen Sinn: Unterhaltung. In der Sendung „Joko und Klaas live“ schlagen die beiden jetzt aber ganz andere Töne an. Nach Obdachlosigkeit, Seenotrettung und Rechtsextremismus thematisieren sie in „Männerwelten“ nun sexuelle Gewalt an Frauen. Und scheinen bei diesem wichtigen Thema leider eine Kleinigkeit vergessen zu haben …

Sexuelle Belästigung: „Männerwelten“

Doch von Anfang an: Zur besten Sendezeit flackerte auf ProSieben am Mittwochabend, 13. Mai 2020, das Kurzformat „Männerwelten“ über die deutschen Fernsehbildschirme. Zuvor hat Klaas Heufer-Umlauf via Twitter angekündigt: „Das sind wohl die 15 speziellsten Minuten, die wir je gesendet haben.“ Begrüßt wurden die Zuschauer durch Journalistin Sophie Passmann: „Es wird hart, es wird bitter, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch. Willkommen bei der Ausstellung ‚Männerwelten“. Bis zu diesem Zeitpunkt ist noch niemandem klar, was in den nächsten 15 Minuten auf sie/ihn zukommt. Es folgt eine wie immer kecke Palina Rojinski, die die Ausstellung mit einer Sammlung „Dick-Pics“ eröffnet, die sie ungefragt von anderen – offensichtlich männlichen – Instagram-Usern bekommt. Während die beiden durch die Ausstellung schlendern, gibt Rojinski zu verstehen: „Es ist egal, was für Bilder ich hochlade. Es könnten auch Schuhe sein, ich würde trotzdem solche Fotos erhalten.“ Woraufhin Passmann verdeutlicht: Das Versenden solcher Bilder ist strafbar!

Social Media ist Plattform für sexuelle Belästigung

Wir bleiben zunächst in der virtuellen Welt. Was folgt ist das Vorlesen von Kommentaren, die verschiedene TV-Persönlichkeiten zu ihren Auftritten oder Posts erhalten haben. Mit dabei: Jeannine Michaelsen – sie erhielt für eine TV-Moderation gleich mehrere sexistische Kommentare zu ihrem Outfit. Model Stefanie Giesinger steht ihr dabei in nichts nach. Die 23-Jährige muss sich u.a. sexistische Kommentare zu ihrem Körper und ihrem Modeltalent anhören. Passmann resümiert auch hier: „Unter den Posts und Videos von weiblichen Influencern sind insgesamt 16 von 100 Posts sexistisch. Bei Männern sind es 0 von 100.“ Der nächste Raum ist der Instagram-Seite „Antiflirting2“ gewidmet, die Chatverläufe von Social Media Usern dokumentiert. In einem Dialog lesen Collien Ulmen-Fernandes und Katrin Bauernfeld die Verläufe vor. Diese sind allesamt ähnlich: Mann schreibt Frau an, diese bekundet neutral-höflich ihr Desinteresse und muss sich daraufhin harsche Beleidigungen anhören.

Was hattest du an?

Wer es bis in den letzten „Ausstellungsraum“ von Männerwelten geschafft hat, ist bereits ganz schön durchgeschüttelt. Einige betroffene Frauen zeigen ihr Gesicht, erzählen in ein paar wenigen Sätze von schrecklichen Erlebnissen. Im letzten Raum macht Passmann auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Wenn Frauen eine Vergewaltigung erleben mussten, wird ihnen die Frage gestellt: „Was hattest du an?“ Als gäbe es eine bestimmte Rocklänge, die eine Vergewaltigung erlaubt.“ In Kooperation mit TERRE DE FEMME werden die Kleidungsstücke gezeigt, darunter: T-Shirt und Jeans, Arbeitskleidung, Alltagskleidung und ein Schlafanzug …

Wer im Glashaus sitzt …

So sinnvoll und wichtig die Produktion und Ausstrahlung von „Männerwelten“ auch ist, so ganz glaubt man Joko und Klaas ihre Rolle nicht. Denn die beiden Entertainer taten einst genau das, was sie 15 Minuten lang anprangerten: 2012 beauftragte Klaas in einer ZDF-Sendung Joko damit, einer Messe-Hostesse doch mal an die „Moppen und den Arsch zu fassen“. Was dieser dann auch tut – vor laufender Kamera. Für Entrüstung sorgte vor allem Klaas damaliger Kommentar: „Gott, aber der war das auch so unangenehm, die stand da und hat sich wirklich so entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt nach Hause und dann wird die schön heulen unter der Dusche.“ Joko und Klaas erkannten ihren Fehler und entschuldigten sich für den Vorfall in aller Öffentlichkeit. Trotzdem ein Zeichen dafür, wie unbedacht mit diesem Thema in unserer Gesellschaft nach wie vor umgegangen wird.

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