Interview mit den Sportfreunden Stiller – Szene38
12. Juli 2013
Szene-News

Interview mit den Sportfreunden Stiller

(c) Nina Stiller

Braunschweig. Die Nachricht, sie war ein Paukenschlag: Die Sportfreunde Stiller sind zurück. Nach einigen Jahren melden sich die „Sportis“ mit dem neuen Album „New York, Rio, Rosenheim“ wieder auf den großen Bühnen an.

Sie sind, und das ist eine gute Nachricht, immer noch die Alten. Dafür haben sie eine Menge guter, neuer Ideen im Gepäck. Darüber sprachen wir mit Schlagzeuger Florian „Flo“ Weber.

?Flo, fünf Jahre mussten sich eure Fans bis zum nun neuen Album gedulden. Was habt ihr in der Zwischenzeit so getrieben?

!Wir waren tatsächlich einige Zeit komplett von der Bildfläche verschwunden. Da wir aber das Unplugged-Album dazuzählen, würde ich sagen, dass die Wartezeit knappe vier Jahre betrug. Nach dem Unplugged-Wahnsinn haben wir uns etwas zurückgezogen, sind mit dem Album schließlich noch bis Ende 2010 durch große Hallen getourt – es war sogar die größte Tour bisher. 2007 hatten wir bereits den Traum, eine Pause zu machen. Das schlug schließlich fehl, weil die Unplugged-Ansage kam. Alles in allem war es einfach nötig, mal einen kompletten Schlussstrich zu ziehen. Dann war es natürlich nicht so einfach, wieder zusammenzufinden. Jeder hatte etwas andere Vorstellungen, wie und wann es weitergeht. Es bedurfte dann schon ein paar intensiver Gespräche, um herauszufinden, wie wir wieder weitermachen. Als es dann der Fall war, haben wir schon gemerkt, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Dann haben wir wieder losgelegt.

?Wieso bewegt sich euer neues Album gerade zwischen „New York, Rio, Rosenheim“?

!Das Lied auf der Platte, das so heißt, ist uns sehr wichtig. Auch geografisch kann man dazu einen Bogen spannen. „Unplugged in New York“ war unsere letzte Veröffentlichung, dann ging es hinaus in die große Welt. Wenn auch wir über Budapest nicht hinauskamen – steht Rio für diesen Ausbruch. Danach die Rückkehr in die Heimat, Rosenheim. Na klar ist es angelehnt an „New York, Rio, Tokyo“ von Trio Rio. Der Inhalt des Liedes ist sehr wichtig für uns. Ein kritischer Text, der positiv nach vorne schauen soll. Die Leute sollen sich sammeln und nach vorne gehen, Leuchtzeichen geben. Egal ob in der Metropole oder auf dem Land. Egal ob in New York, Rio oder Rosenheim. Alle guten Menschen auf die Straße.

?Wenn ich dir sage: Musikalisch seid ihr immer noch die Alten. Findest du das dann eher gut oder schlecht?

!Jede Band klingt für sich irgendwie gleich – es gibt nur wenige Beispiele, wo die Band einen Stilbruch super hinbekommen hat. Da nenne ich mal The Notwist. Es gibt sehr viele Beispiele, wo es überhaupt nicht hinhaut, da nenne ich lieber keinen Namen. Wir haben nicht den Anspruch, irgendetwas anders zu machen. Wir können nur das tun, was uns aus dem Herzen spricht. Wir sind eine Band, die aus dem Bauch heraus Musik macht, die die Texte nicht groß verklausuliert oder verkompliziert. Das wird wahrscheinlich auch bis zur letzten Platte so sein. Außer ich denke: Wir müssen jetzt unbedingt mal ein Hip-Hop-Album machen. Dann könnte auch das passieren. Es ist nicht nötig, wahnsinnig filigran zu sein. Es ist nötig, ein Gefühl zu treffen.

?Einige vergleichen den Song mit eurem absoluten Meisterstück, „Ein Kompliment“. Würdest du das auch tun?

!Textlich geht es durchaus in die Richtung. Es ist eine Verneigung vor einer wichtigen Person, wenngleich „Ein Kompliment“ mehr ein Liebessong ist. „Applaus, Applaus“ würde ich eher als Danksagung für einen wichtigen Menschen beschreiben. In den meisten Fällen ist er für die Zuhörer der Liebste, dafür könnte ich es auch meinem Vater vorsingen. Und ihm dafür danken, was er mir mitgegeben hat. Oder es kommt jetzt jemand zur Tür herein und erklärt mir, wie das Leben funktioniert. Und ich sage: Hey danke, toll, dass du mir das erzählst. Auch da erzählt das Lied von. Aber der Vergleich an sich ist stimmig, ganz klar. Den lasse ich zu.

?„Früher“, wenn man das so sagen kann, habt ihr alle zwei Jahre ein Album herausgebracht. Kommt der Rhythmus zurück?

!Wenn du mich fragst, können wir im neuen Jahr gerne schon mit dem neuen Album anfangen. Die Auffassungen dazu sind unterschiedlich. Ich hoffe auf keinen Fall, dass es noch einmal so lange dauern wird. Wir haben alle gemerkt, dass das der Band nicht gut tut. Ich kann natürlich keinen zwingen. Wenn jemand leer ist und kreativ nichts auf das Papier bringt, kann ich nicht sagen: Du, dann machen wir halt meine Sachen. Das muss schon gemeinsam mit Euphorie und dem richtigen Gefühl für die Band entstehen.

?Habt ihr eigentlich eine Verbindung nach Braunschweig? Wir sind ja jetzt auch 1. Liga …

!Wir haben gerade mit der Braunschweiger Fotografin Nina Stiller neue Fotos für die Tickets gemacht. Auf den Tickets ist dann jeweils ein Foto mit einem Schild, auf dem „New York, Rio“ und dann die jeweilige Stadt steht. Quasi: New York, Rio, Braunschweig. Jedes Mal ein individuelles Bild. In Braunschweig haben wir auch einmal mit Nina im Stadion Fotos gemacht. Das ist mittlerweile allerdings auch schon länger her. Sonst haben wir mal im Jolly Joker gespielt. Das gibt‘s ja nicht mehr, oder?

Weitere Infos zum neuen Album und der anstehenden Tour im Internet auf:
www.sportfreunde-stiller.de .

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