27. Januar 2021
Szene-News

Hühner zu vermieten

Ein frisches Frühstücksei aus dem eigenen Garten? Das geht!

Hühner für zuhause: Die Evangelische Stiftung Neuerkerode bringt Menschen mit dieser Aktion zum Nachdenken. Foto: Max Kleinen / Unsplash

Hühner für zuhause: Die Evangelische Stiftung Neuerkerode bringt Menschen mit dieser Aktion zum Nachdenken. Foto: Max Kleinen / Unsplash

Eier aus dem eigenen Garten – schon ein verlockender Gedanke. Doch die Hühnerhaltung sollte nicht unterschätzt werden. Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, kann sich zeitweise Hühner mieten. Was es damit auf sich hat, verrät Jens Wollenhaupt von der Evangelischen Stiftung Neuerkerode in einem Interview mit den Kollegen von Standort38.

Hühnervermietung in der Region38

Seit rund einem Jahr vermietet die Evangelische Stiftung Neuerkerode wochenweise Hühner. Rund 250 Hühner leben auf dem Burschenhof. Dort werden sie von den Bewohnern verpflegt und versorgt. Jens Wollenhaupt, Leiter des Wohnbereichs auf dem Burschenhof, erzählt, wie wir uns alle als Mini-Farmer ausprobieren können. „Mein Chef hat im Radio einen Beitrag über Hühnervermietung gehört, der ihn nicht mehr losgelassen hat. Ich habe ein wenig Marktrecherche betrieben und festgestellt, dass es in der Region keine Anbieter gibt“, so Wollenhaupt.

Den Startschuss für dieses Projekt habe eine große Senioreneinrichtung gemacht. Denn vor allem bei an Demenz erkrankten Personen können die gefiederten Tiere Erinnerungen hervorrufen. Mittlerweile interessieren sich auch Kindertagesstätten und Privatpersonen für den einzigartigen Hühnerverleih. Wollenhaupt erklärt: „Bei den Familien sind es häufig Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich selbst Hühner anzuschaffen und es vorher ausprobieren möchten. Dazu kommen häufig junge Eltern, die einen Nachhaltigkeitsgedanken pflegen. Es geht ihnen nicht unbedingt darum, jeden Tag frische Eier zu haben. Vielmehr geht es darum, den Kindern zu zeigen, wo die Eier herkommen und sie Verantwortung übernehmen zu lassen.“

Voraussetzungen für Hühner im Garten

Auch der Ablauf ist vergleichsweise simpel gestaltet. Interessenten können eine Anfrage per Mail senden, daraufhin werden die freien Termine gecheckt. Natürlich steht das Tierwohl an erster Stelle, wodurch gewisse Voraussetzungen gegeben sein müssen:

  1. Gehege mit einer Fläche von 25 Quadratmetern
  2. Untergrund mit Rasen oder Wiese
  3. Schutz der Hühner vor Greifvögeln
  4. bei Hunden darauf achten, dass Jagdtrieb entstehen kann, Katzen sind im Regelfall kein Problem
  5. Kinder nur unter Aufsicht ins Gehege
  6. Empfehlung: Hühner für mindestens zwei Wochen zu mieten, da sich die Tiere einleben müssen

Ergänzend gibt Jens Wollenhaupt noch mit auf den Weg: „Wir bringen immer fünf Hennen vorbei und aus Rücksicht auf die Nachbarschaft keine Hähne. Dazu kommt ein kleiner Hühnerstall, ein Futterautomaten, eine Wassertränke, ein Sandbad und ein Steckzaun. Im Falle eines Notfalls wie ein erkranktes oder ausgerissenes Tier sind wir jederzeit telefonisch zu erreichen.“ Alles in allem bringt die Vermietung der Hühner die Menschen dazu, zu hinterfragen. „Wenn man die Tiere einmal so erlebt hat, möchte man diese Bilder aus den Zucht- und Mastbetrieben nicht mehr sehen. Wir ermutigen die Menschen auch uns auf dem Burschenhof zu besuchen und die Tiere in artgerechter Freilandhaltung zu erleben.“

Auf standort38.de könnt ihr das gesamte Interview in voller Länge nachlesen.

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