Gifhorner lehrt Surfen in Frankreich

Marcel Willuhn aus Wilsche erzählte uns alles im exklusiven Interview.

Surfen als große Leidenschaft - und nun auch als Beruf: Marcel Willuhn hat seinen Traum wahr gemacht. Foto: Marcel Willuhn.

Jeder kennt es: Dieser eine Traum, diese eine Leidenschaft, und die Vorstellung, dass aus Wunsch mal Realität wird. Marcel Willuhn hat genau dies getan und seine Leidenschaft, das Surfen, zu seinem Beruf gemacht. Denn der gebürtige Gifhorner hat nun seine eigene Surf-Schule eröffnet – und zwar in Frankreich.

Marcel – Stelle dich doch bitte kurz vor?

Mein Name ist Marcel Willuhn, ich bin 31 Jahre jung und komme aus Wilsche bei Gifhorn. Meine Leidenschaften sind Wellenreiten, Skateboarden, Snowboarden, gutes Essen, Freundschaften und Reisen. Ich habe es nie zum Sportstudium geschafft, aber dafür bin ich jetzt seit 9 Jahren nur am Reisen. Ich versuche, so viele Länder mit Wellen zu besuchen, wie es nur geht. Allgemein bin ich ein offener und fröhlicher Junge – und vor allem der Meinung, dass das Studieren der Menschen, die einem begegnen, mehr Wert ist, als das geplante Sportstudium. In den letzten Jahren probierte ich jede Art von Jobs aus, um mir meine Reisen zu finanzieren. Fazit: Mit guten Kollegen mache ich gerne alle art von Arbeit.

Wie bist du zum Surfen gekommen? Woher kommen deine (Vor-)Erfahrungen?

Alles begann in Südafrika: Ich war damals 15 Jahre alt und machte dort meine ersten Erfahrungen mit den Wellen und dem Ozean. Danach war für mich klar, dass ich so schnell wie möglich einen Weg finden muss, meinen holperigen Schulweg zu beenden. Nach meiner Ausbildung als Zimmermann verbrachte ich ein Jahr in Australien – also Surfen Non-Stop. Als ich wieder Daheim war, beendete ich tatsächlich noch mein Abitur mit Schwerpunkt in Sozialpädagogik/Psychologie in Berlin. Danach ging es nun endlich los: Ich pendelte zwischen den Kanarischen Inseln im Winter und Frankreich, Spanien und Portugal im Sommer. Ich verbrachte noch knapp ein weiteres Jahr in Australien, surfte viel in Indonesien, Sri Lanka, Kalifornien, Afrika und auch Vietnam.

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Surfcamp aufzumachen?

Ich arbeitete in einigen Surfcamps und sammelte dadurch viele Erfahrungen. Bereits seit Jahren nahm ich alles mit, um meinen Traum zu erfüllen: die Eröffnung meines eigenen Camps. Insgesamt brauchte ich knapp vier Jahre, um ein passendes Haus mit einer guten Lage und am richtigen Spot zu finden.

Beschreibe deine Surf-Villa: Was sind ihre Besonderheiten, was macht sie aus?

In dem Surfcamp dreht sich alles um den Sport – und um ein harmonisches Miteinander. Foto: Marcel Willuhn.

Die Surfvilla Longwave Surfcamps hat eine ideale Lage, der Strand ist fußläufig erreichbar. Die Villa wurde im Jahr 2017 komplett renoviert und sie verfügt über sechs Zimmer: Vier Doppelzimmer mit Bad und zwei Mehrbettzimmer, darunter auch ein ein Familienzimmer. Besonders ist, dass das Haus mit einer Anzahl von insgesamt 16 Surfern klein gehalten ist und somit eine familiäre Stimmung vorherrscht. Alles dreht sich um den Sport, frisch gekochtes Essen – egal, ob mit Fleisch, vegan oder vegetarisch – und eine angenehme Stimmung. Wir haben eine Surfschule im Haus. Das heißt, alles, was man an Ausstattung braucht, ist für jeden vorhanden. Mein Motto ist von Surfer für Surfer. Auch der Ort Vieux Boucau, wo sich unser Haus befindet, bietet alles Notwendige wie Restaurants, Bars, Apotheken, etc. Der Ort hat nur 1800 Einwohner und liegt inmitten eines Pinienwaldes direkt am Strand mit einem Salzwassersee im Herzen des Ortskerns.

Und warum gerade in Frankreich? Was ist dein Bezug zu diesem Land?

Frankreich ist mit dieser Lage der Hotspot der europäischen Surfszene. Der Atlantik verspricht ideale Wellen und ist sehr gut zu erreichen. Die nächsten Flughäfen sind Biarritz oder Bordeaux – also nicht weit vom Haus entfernt. Weiterer Pluspunkt: Nach Spanien ist es nur eine knappe Stunde Autofahrt. Dessen Kultur, Tapas und Wellen sind somit gleich um die Ecke. Außerdem ist die französische Küste ein favorisiertes Reiseziel meiner Familie. Dadurch habe ich einen engen persönlichen Bezug.

Heißt das, dass du aus Deutschland ausgewandert bist?

Quasi ja. Ich liebe Deutschland, speziell meine Familie, Freunde und Mitmenschen, aber da wir hier nur selten die richtigen Wellen haben, komme ich hier und da lieber mal zu Besuch vorbei.

Arbeitest du allein an diesem Projekt? Hast du Unterstützung, einen Geschäftspartner?

Sehr stolz darf ich verraten, dass ich das Projekt gemeinsam mit meiner Freundin Maria, gebürtige Spanierin, meistere. Wir teilen uns alle Besorgungen und Pflichten im Alltag auf und organisieren zusammen. Außerdem übernimmt sie ebenfalls die Rolle als Köchin: Maria kocht sechs Tage pro Woche Französisch/Spanisch, aber auch internationale Gerichte. Dazu haben wir noch bis zu vier weitere Mitarbeitende, die uns unterstützen.

Hast du Angst vor Sprachbarrieren oder sprachlichen Schwierigkeiten?

Ich liebe Fremdsprachen, aber ich bin tatsächlich nicht unbedingt der Begabteste. Doch ich gebe alles, um mich zu verständigen! Es klappt immer.

Und wie finanzierst du das Ganze?

Reine Ersparnisse. Um das Ganze zu finanzieren, spare ich seit Jahren.

Was erhoffst du dir?

Ich erhoffe mir einen coolen Sommer 2019 mit lächelnden Menschen und dass mein Traum zukünftig viele Menschen mit dem Sport – dem Surfen – infiziert.

Welche Message möchtest du unserer Region38 noch mit auf dem Weg geben?

Als ich anfing, zu surfen, war der Trend nur für Extremsportler. Doch in den letzten Jahren hat sich das Blatt gewendet und mittlerweile ist das Surfen ein Sport für Jedermann. Egal, ob Student, Anwalt oder auch ganze Familien. Und ganz klar für Freunde aus der Region38! Und natürlich erhoffe ich mir, euch alle aus der Region38, meinem Zuhause, bei mir in Frankreich begrüßen zu dürfen und euch zu zeigen, was das Surfen mit euch machen kann.

Relaxing pur: Yoga direkt am Strand. Foto: Marcel Willuhn.
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