Generation Mixtape

Christian Eitner, Chef der Braunschweiger Jazzkantine im Interview über echte Straßenmusik, alte Kassettenrekorder und ausschweifende Partynächte im Turm am Gieseler

Die Braunschweiger Kult-Band Jazzkantine veröffentlicht heute ihr neues Album "Old's cool". Foto: Marc Stantien

Heute erscheint das mittlerweile elfte Album der Braunschweiger Jazzkantine mit dem treffenden Titel „Old’s cool“. Die vielseitige Formation, die 1993 durch das Band-Projekt Jazzmatazz des Gang Starr-Rappers Guru inspiriert wurde, geht darin auf Zeitreise zurück zu den Anfängen des Hip-Hops in die coolen 80er – und zugleich zu ihren eigenen Wurzeln. Einer elektrisierende Epoche, in der oftmals leider fast vergessene US-Helden wie Afrika Bambaataa, Grandmaster Flash And The Furious Five, EPMD, Eric B. & Rakim, Public Enemy, NWA, Tone-Loc oder die Jungle Brothers die Kassettenrekorder und Plattenspieler vieler Hip-Hop-Heads beherrschten – und zum Glühen brachten. Die Jazzkantine huldigt diesen aufrechten alten Recken – am 14. Oktober, 20 Uhrlive in der Brunsviga Braunschweig – mit eigenwilligen Interpretationen von deren Rap-Klassikern, die teils nah an den kultigen US-Originalen liegen, aber auch mit neuen deutschen Texten aufgepimpt wurden.

Christian, woher kam die Idee mit dem elften Album zu euren Hip-Hop-Wurzeln zurückzukehren?

Die Rapper hatten mal wieder Lust auf ein reines Rap-Album. Unser Frontmann Tachi ist ohnehin ein Pionier des deutschsprachigen Hip-Hops – hat mit seiner Band Fresh Familee Ende der 80er sogar die erste deutschsprachige Platte auf den Markt gebracht. Da wir ohnehin ständig auf der Suche nach neuen Konzepten sind, war es einfach spannend, bei unseren Vorbildern im US-Hip-Hop herumzustöbern.

Warum kann das Altsein auch cool sein?

In Bezug auf Rap fand ich die erste Generation der Rapper immer schon cooler als die Pseudo-Gangster der nächsten Jahrzehnte. Man merkt, dass es noch echte Straßenmusik und eben ein Sprachrohr der Jugend ist. Musikalisch sehr puristisch, eine Verschmelzung alter Soul- und Funktracks mit der ersten Generation der Sampling-Technik.

Was war das für ein Gefühl sich die alten Hip-Hop-Hits der 80er und 90er Jahre wieder anzuhören – und in die Vergangenheit zurückzureisen?

Klar, das war eine Zeitreise. Interessant sicher auch nochmal klarzukriegen, wer was geklaut hat. Da hilft auch das Internet mit seinen „Wer sampelt was“-Seiten. Aber wir haben ja auch nicht nur stumpf Eins-zu eins-Cover gemacht, sondern auch neue Versionen kreiert: Mal jazzy, mal mit deutschen Texten, mal instrumental. War „cool“.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Songs ausgesucht, die ihr bearbeitet habt?

Natürlich die persönlicher Favoriten. Ich bin zum Beispiel großer Fan des New Yorker Rap-Duos EPMD, aber wir haben auch geguckt was gut zum typischen Jazzkantinen-Sound passt, was also harmonisch schon ein bisschen Funk und Jazz bietet.

Welche Songs haben gut funktioniert, welche waren schwierig oder wurden von euch verworfen?

Manche Texte sind heute einfach zu platt und manche Beats fühlen sich heute komisch an.

Auf dem Albumcover ist ein altes, gebrauchtes Tapedeck zu sehen. Was bedeutet dir dieses?

Lustig fanden wir, dass es aus einer Siemens Boombox stammt, also für unsere deutschen Wurzeln steht. Und ich komme natürlich noch aus der Zeit, in der man mit Kassettenrekorder aus dem Radio aufgenommen hat. Sachen, die man teilweise gar nicht kaufen konnte. Aber es steht für mich eben auch für die ersten Walkmans, für das unterwegs sein und trotzdem Musik hören.

Welche Songs hast du damals aus dem Radio aufgenommen?

Na ja, alles was eben so lief. Ich hatte noch nie musikalische Scheuklappen auf, entsprechend habe ich von ABBA bis Zappa als aufgesaugt. Und dann das Taschengeld gespart, weil Vinyl dann eben doch geiler ist. So bringen wir auch „Old´s cool“ wieder auf Platte heraus. Man würde das wohl heute nicht Mixtape nennen, aber sowas hatte ich auch. Maxell UDXL2, alle aus meiner Generation wissen, was ich meine.

Was waren deine schönsten Erlebnisse mit Hip-Hop?

Vor allem lange Partynächte im „Europa“ im Turm am Gieseler, da lief das coole Zeug. Dann später auch im „V“ was aber von vielen fälschlicherweise für die Braunschweiger Klub-Wiege des Hip-Hops gehalten wird. Erste Konzertreisen zum Beispiel zu einem Ice-T-Gig nach Hamburg, der jedoch eher enttäuschend war. Das war auch stets eine Motivation mit der Jazzkantine zu zeigen, dass man Rapmusik auch mit einer guten Live-Band auf die Bühne bringen kann.

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