Krimi-Serien-Spezial: Meer, Möwen und Morde
4. Juni 2017
Film & Musik

Meer, Möwen und Morde

Acht eiskalte Top-Krimi-Serien-Tipps für heiße Tage

Arrogant, selbstgerecht, aber unglaublich genial. Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) ist ein sonderbarer Soziopath, der ganz besondere Fälle löst. Foto: polyband

Arrogant, selbstgerecht, aber unglaublich genial. Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) ist ein sonderbarer Soziopath, der ganz besondere Fälle löst. Foto: polyband

Machtgiere Politiker, ein sonderbarer Soziopath, ein vermisstes Kind und viele fiese Mordfälle spielen in acht aktuellen Top-Krimi-Serien eine wichtige Rolle spielen. Wir haben sie für euch geguckt und stellen sie vor.

Sherlock – Staffel 4“

Sherlock Holmes avancierte in den letzten Jahren vom Meisterdetektiv zum Medienstar. Bücher, Filme und natürlich die kongeniale und rasante Neuinterpretation als Fernsehserie mit dem charismatischen Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch katapultierten Sir Artur Conan Doyles Klassiker in die Neuzeit. „Nichts ist mehr sicher“ und „Niemand ist mehr sicher“ lockte der Trailer von „Sherlock – Staffel 4“ (polyband) – und wir folgen willenlos. In den drei neuen Folgen in Spielfilmlänge („Die sechs Thatchers“, „Der lügende Detektiv“ und „Das letzte Problem“ wird es sehr düster und sehr persönlich. Während Sherlock mit Moriarty beschäftigt ist, haben Dr. John Watson (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) mit der Geburt ihres Kindes zu tun. Vor allem Mary spielt eine wichtige Rolle in einem Spiel das immer tödlicher wird… Einmal mehr überzeugt die stark inszenierte Ausnahme-Serie mit verschiedenen Handlungssträngen, überraschenden Effekten, pointierten Dialogen/Monologen und den einzigartigen Schlagabtauschen zwischen dem mit einem rasiermesserscharfen Verstand ausgestatteten Holmes, seinen Partnern und Kontrahenten.

Marseille – Staffel 1“

Platz da, der Bürgermeister kommt! Der machthungrige Gérard Depardieu räumt all jene aus dem Weg, die sich ihm in den Weg stellen. Foto: polyband

Wer hätte gedacht dass der genusssüchtige und sehr spezielle Gérard Depardieu noch mal zu solch schauspielerischer Hochform aufläuft? Wahrscheinlich nur wenige. Doch in „Marseille – Staffel 1“ zeigt er endlich mal wieder schauspielerische Größe und gewichtige Präsenz. Als durchsetzungsstarker Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Frankreichs kämpft er mit allen fairen und unfairen Mitteln um an der Macht zu bleiben. Als liebevoller Familienvater und zugleich skrupelloser und koksender Politiker zieht er dabei alle Register um die Kommunalwahlen zu gewinnen und endlich die Casino-Baugenehmigung für den historischen Hafen zu bekommen. Sein Gegenspieler: Der smarte und durchtriebene Lucas Barrès (Benoit Magimel), sein politischer Ziehsohn, der gegen ihn im Wahlkampf antritt. „Marseille“ überzeugt als unterhaltsames und kurzweiliges Politdrama (326 Minuten, 8 Folgen) um Macht und Korruption, Sex, Drogen und Intrigen.

Mord auf Shetland“

Möwen, Meer und viele verrückte Vögel: Detective Inspector Jimmy Perez liebt und hasst die rauen Shetland-Inseln und seine Einheimischen. Foto: Edel:Motion

Es gibt drei Hauptdarsteller in der der britischen Krimiserie „Mord auf Shetland“ (Edel:Motion). 1. Den umsichtigen und ruhigen Detective Inspector Jimmy Perez. 2. Die rauen, urwüchsigen, nur 1.500 km² großen schottischen Shetland-Inseln. 3. Das insgesamt sehr mild und feucht Wetter, was aber auch durch Nebel, starke Regenfälle und Stürme geprägt ist. Eine perfekte und atmosphärisch stimmige Kulisse für die Verfilmung der beliebten Shetland-Krimis von Bestsellerautorin Ann Cleeves („Vera – Ein spezieller Fall“). Perez (Douglas Henshall, der nach Jahren auf dem Festland mit seiner Stieftochter Cassie zurück auf die Shetlands zurückkehrt, ermittelt in komplizierten Mordfällen, die natürlich alle mit den eigenartigen Inselbewohnern verknüpft sind. Fans von Meer, Möwen und Mord, aber auch von der skurril-sympathischen Vera, sollten mit Jimmy Perez sofort die Ermittlungen aufnehmen.

Vera – Ein ganz spezieller Fall – fünfte Staffel“

DCI Vera Stanhope und ihr neuer Sergeant Aiden Healy müssen auch einen Fall mit einem Toten im Jauche-Becken lösen. Foto: Edel:Motion

Es gibt nur eine moderne Miss Marple und die heißt DCI Vera Stanhope. Brenda Blethyn spielt die Antiheldin aus den Romanen von Ann Cleeves auch in „Vera – Ein ganz spezieller Fall – fünfte Staffel“ (Edel:Motion) wieder mit starker und skurriler Präsenz. Da sich ihr langwieriger Kollege DS Joe Ashworth, der wie ein Sohn für Vera war, nach einer langerwarteten Beförderung verabschiedet, bekommt die wackere Ermittlerin nun Unterstützung von dem neuen Sergeant Aiden Healy (Kenny Doughty). Auch er ist wieder ein idealer Sidekick zu der, nur auf den ersten Blick, unnahbar und etwas chaotisch wirkenden Vera. Ihre komische Kleidung und Erscheinung lenken dabei von ihrem messerscharfen Verstand ab. Mit dieser Frau sollte man sich besser nicht anlegen. Ein vermeintliches Brandopfer, ein Frauen-Skelett und ein Toter im Jauche-Becken halten die beiden Ermittler auf Trapp.

The Missing“

Emily und Tony Hughes schwanken zwischen Ohnmacht und Hoffnung, Verzweiflung und Mutlosigkeit. Ihr kleiner Sohn ist in Nordfrankreich verschwunden… Foto: Pandastorm

Man sollte sich eigentlich jeden Tag bewusst machen, dass nur ein kleiner Moment unser Leben komplett verändern und in völlig andere Bahnen lenken kann. Zum Guten, aber auch zum Schlechten. Letzteres erleben Emily Hughes (Frances O’Connor)und Tony (James Nesbitt)im Jahr 2006 während der Fußball-WM in Nordfrankreich. Statt einen entspannten, vergnüglichen Familienurlaub zu verleben, geht ihr fünfjähriger Sohn Oliver (Oliver Hunt) verloren. Verschwunden in einer jubelnden Menschenmenge. Die Polizei leitet umgehend eine Suchaktion ein und beordert mit Julien Baptiste (Tchéky Karyo), einen der renommiertesten Ermittler Frankreichs, in den kleinen Ort. „The Missing“ (Pandastorm) spielt geschickt auf der Klaviatur der großen Gefühle. Ohnmacht und Hoffnung, aber auch Aggression und Wut, die Verzweiflung und Mutlosigkeit der Eltern werden erschreckend realistisch dargestellt. Weitere Gänsehautgarantie kommt durch die dramatische, komplexe Handlung und die unerwarteten Wendungen, die beim Betrachter immer wieder neue Fragen aufwerfen.

Inspector Barnaby Vol. 26“

Perfektes Familienglück: Sarah, Betty, Barnaby und Hund Sykes. Wären da nur nicht die vielen Verbrechen in der fiktiven Grafschaft Midsomer. Foto: Edel:Motion
Baby Pix

Welcher Krimi-Fan hätte das gedacht. Nach 270 gelösten Morden, drei „verschlissenen“ Assistenten, bekommt der beliebte Inspector Barnaby mit seiner Frau ein Baby. Tom Barnabys Tochter Cully war den Zuschauern wohl bekannt. Doch bei John Barnaby, der nach Toms Ruhestand die Stelle des DCI übernahm, hatte kaum einer mit Nachwuchs gerechnet. Zusammen mit seiner Frau Sarah und Hund Sykes hält ihn die kleine Betty ganz schön in Wallung. Davon lassen sich die Verbrecher jedoch nicht abhalten und so gibt es wieder reichlich neue Mordfälle in der beschaulichen Grafschaft Midsomer aufzuklären. Schöne Schauplätze, kauzige Charaktere und angenehme Spannung machen die Krimi-Serie auch nach 20 Jahren – und in der inzwischen 26. Staffel – noch immer zu etwas ganz besonderen.

The Frankenstein Chronicles“

Mary Shelley’s legendäre „Frankenstein“ Geschichte wurde schon auf vielerlei Arten künstlerisch aufbereitet und interpretiert. Ein Klassiker, der bis heute nichts von seiner finsteren Faszination eingebüßt hat. Eine der aktuellsten und gelungensten Bearbeitungen sind „The Frankenstein Chronicles“ (WVG Medien). Statt einem wankenden Horror-Monster mit Schrauben in der Birne erwartet den Zuschauer eine atmosphärisch-abgründige Thriller-Serie. Verstümmelte Leichen und grausame Morde beschäftigen den erfahrenen Inspektor John Marlott (Sean Bean), der sich in die teuflischen Tiefen der Londoner Unterwelt des Jahres 1827 hinunterbegeben muss. Neben Sean Bean („Herr der Ringe“, „Game of Thrones“) brillieren unter anderem Darsteller wie Vanessa Kirby („The Crown“, „Everest“) und Charlie Creed Miles („Peaky Blinders“, „Das fünfte Element“) in dieser empfehlenswerten Neuinterpretation.

Edgar Wallace: Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ 

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ lautete ein legendärer Satz, der genauso Kult wurde wie der gleichnamige, erfolgreiche englischsprachige Schriftsteller. Seine Romane wurden in 44 Sprachen verfasst, insgesamt über 100 Million Mal verkauft. Viele davon wurden erfolgreich verfilmt. Der 1959 gedrehte „Der Frosch mit der Maske“ war der Anfang vom Durchbruch auf deutschen Kinoleinwänden. Der Film entfesselte einen wahren Edgar-Wallace- Boom – 72 Millionen Deutsche wollten die insgesamt 32 Wallace-Filme mit Leinwandlegenden wie Klaus Kinski, Gerhard Fröbe, Eddi Arent und Joachim Fuchsberger. Letzterer ist auch in „Edgar Wallace: Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ (Koch Films) aus dem Jahr 1972 zu sehen, der nun in einer aufwändigen Mediabook-Edition mit vielen Extras erhältlich ist. Sein letzter Auftritt als Kommissar in dieser Serie, zusammen mit Karin Baal und Günther Stoll, ist zugleich auch einer der unheimlichsten. Giallo-Regisseur Massimo Dallamano inszenierte einen stimmungsvoll-spannenden Streifen in der junge Londoner Internatsschülerinnen dahin gemeuchelt werden. Eine grüne Stecknadel ist der einzige Hinweis, den der Mörder bei seinen Opfern hinterlässt. Der atmosphärische Soundtrack von Altmeister Ennio Morricone sorgt dabei für zusätzliche Schockmomente in diesem swinging Seventies-Streifen.

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