14. Dezember 2018
Film & Musik

Lone-Wolf-Style

Skeeniboi, Braunschweiger Rapper und Audio-Engineer, im exklusiven Interview

Bei diesem Typen befinden sich Vernunft und Unvernunft in einem ständigen Kampf um den dominierenden Platz seiner Gedanken: Skeeniboi. Foto: Skeeniboi.

Wie viel Potenzial in der regionalen Trap-Szene steckt, konnte man kürzlich beim „Gefangen in 38“-Abriss im Braunschweiger Stereowerk erleben. Hier herrschte Energie, Enthusiasmus, Elektrizität vom ersten Beat an. Action, Alarm und Ausnahmezustand vor, neben und auf der Bühne. Mittendrin in diesem juvenilen, Adrenalin geschwängerten Tollhaus: Skeeniboi. Der 24-jährige Braunschweiger Rapper, der auch als Audio-Engineer beim Label Checkmate im Einsatz ist, überzeugte live unter anderem mit seinen Tracks „Gboi“ und „Nudes“, die von der Crowd schwer gefeiert wurden. Gerade ist seine EP „Happy Pain“ auf Soundcloud erschienen, zu den Songs „Cozy“ und „Wake & Bake“ gibt es demnächst neue Videos auf YouTube zu sehen. Szene38 hat sich mit Skeeniboi unterhalten.

Wann und wie bist du zur Musik gekommen?

In einer romantischen Zusammenkunft mit einer Dame kann man schon mal gepflegt zur Musik kommen. Das „Wie“ ist eine Frage des Geschmacks.

Wann und warum hat dich der Trap-Virus infiziert?

Einst war es nur die Musik, dann wurde es langsam ekelig. Das ist ein schleichender Prozess mit langer Inkubationszeit – den Zeitpunkt der Infektion auszumachen ist daher schier unmöglich.

Was ist das Besondere an deinem Sound?

Vermutlich nur meine Stimme. Ansonsten hat es heutzutage ja alles schon mal gegeben.

Wie würdest du dich als Typ beschreiben?

Mamas Lieblingssohn – der einzige und einzig Wahre. Ich beschreibe mich ungern selbst!

Wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen?

In den letzten neun Jahren habe ich kein Gramm zugenommen. Höchstens ein paar zu mir genommen. Skeeniboi eben.

Wie entstehen deine Songs?

Lone-Wolf-Style: Ich recorde mich selbst Zuhause vor dem Computer. Die Texte entstehen überall und nirgendwo, das kann ich nicht berechnen.

Was sind wiederkehrende Themen, die du in deinen Texten reflektierst?

Im Endeffekt rede ich nur über das, was ich fühle. Nach außen wirkt das oft wie wirres Zeug – ist es auch.

Von wem oder was lässt du dich für deine Texte inspirieren?

Eigentlich kann mich alles inspirieren: Von der Tasse Kaffee am Morgen, über die Eindrücke am Tag, bis zur langen Zigarette am Abend.

Mit „Happy Pain“ hast du kürzlich eine neue EP auf Soundcloud veröffentlicht. Was bedeutet der Titel? Was ist das Konzept dahinter?

„Happy Pain“ kann vieles bedeuten. Das glückliche Gesicht der schmerzenden Seele, das unangenehme Gefühl beim Tätowieren oder die Trennung, die neue Möglichkeiten eröffnet. Außerdem habe ich als Kind gern Harry Potter geschaut.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Sevi Rin. Ich hoffe, irgendwann färbt ein bisschen was von seiner Genialität auf mich ab!

Mit wem hast du bisher kollaboriert?

SIN DAVIS, negatiiv OG, Sevi Rin (ein Traum!), Edo Saiya, M.T. Imperator, Playboi52, Halbe Liter Gang, Mainy Aiuto.

Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Ich würde unfassbar gerne mal einen Song mit dem G-Boi machen. Irgendwann ist es so weit! Bis dahin ergötze ich mich an seiner reinen Anwesenheit.

Was macht dich als Audio-Engineer aus?

Geduld, Einfühlungsvermögen und eine gemeinsame Vision. Wenn du nur mit Leuten arbeitest, dessen Musik du selbst magst, dann ist deine Motivation auch nie im Keller. Das ist mir wichtig. Keine Randys im Studio!

Wie würdest du dich und deinen Lifestyle beschreiben?

Vernunft und Unvernunft befinden sich in einem ständigen Kampf um den dominierenden Platz meiner Gedanken.

Wie wichtig sind dir Markenklamotten, Frisuren, Tattoos, Schmuck & Co.?

Die Dosis macht das Gift. Ich mache mir nicht allzu viel aus Äußerlichkeiten. Außerdem habe ich eine genetisch bedingte Glatze – wie viele Frisuren kann ich mir da aussuchen?

Welche Rolle spielt Braunschweig als Lebens- und Kreativraum für dich?

Checkmate.

Was machst du in deiner Freizeit? Wo hängst du ab?

Checkmate.

Welche Rolle spielen Alkohol und Drogen für dich?

Rollen kann ich gut, vor allem wenn ich betrunken bin. Alkohol und Drogen sind Alkohol und Drogen!

Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele als Musiker?

Checkmate.

Welche Songs stehen auf deiner All-Time-Top 5-Playlist?

Ich höre kaum Musik. Das meine ich ernst.

Der 24-jährige Braunschweiger Rapper Skeeniboi (rechts) überzeugte bei „Gefangen in 38“ mit seinen Tracks. Foto: Skeeniboi.

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