Extrabreit in die 2020er! – Szene38
14. September 2020
Film & Musik

Extrabreit in die 2020er!

Die legendäre NDW-Band kehrt im November 2020 mit dem ersten Studioalbum seit 13 Jahren zurück: „Auf Ex!“

Altes deutsches Musik-Kulturgut: Extrabreit, bekannt durch 80er-Jahre-Hits wie „Polizisten“ und „Hurra, hurra, die Schule brennt“, geben wieder Gas. Foto: Patrick Blömer

Anfang der kühlen 80er Jahre verspotteten sie die Polizei, zündeten die Schule an und besangen düster den Tod des Präsidenten. Sie ließen auf Partys den Flieger abheben, wollten Annemarie ficken, beschworen die Wonnen der Kleptomanie und die Abgründe des Kokains: Extrabreit.

Rotzig-subversive Texte

Ende der 70er entdeckten fünf Jungs aus Hagen die Schönheit der Drei-Minuten-Gitarrenhymne mit rotzig-subversiven Texten und eroberten bald darauf damit die Charts: Extrabreit waren die Erfinder des deutschen Pop-Punks. Dafür wurden sie von renitenten Teenagern heiß geliebt und von der Musikkritik als NDW-Spaßkapelle verschrien. Von Franz-Josef-Strauß wurden sie im Bayrischem Rundfunk verboten und von der Punk-Avantgarde als Abzocker angefeindet. Schon in den 80ern waren Extrabreit eine ebenso umstrittene wie legendäre deutsche Band – und im Jahr 1982 mit zwei Goldenen Schallplatten auch die erfolgreichste.

Debütalbum: „Ihre größten Erfolge“

Eigentlich waren sie eine punk-infizierte Garagen-Rockband aus dem Umfeld der linken Szene ihrer Heimatstadt Hagen. 1978 von dem Schaufensterdekorateur Stefan Klein (Gitarre, heute St. Kleinkrieg) gegründet, machten Extrabreit mit dem Cartoonzeichner Kay Schlasse (aka. Kai Havaii) als Sänger und Texter zunächst mit Live-Konzerten regional auf sich aufmerksam. Im Jahr 1980 ergab sich die Chance, ihre Songs auf dem selbstironisch „Ihre größten Erfolge“ genannten Debütalbum zu veröffentlichen. Es enthielt 13 Alltagshymnen, von „Hart wie Marmelade“, „Lottokönig“ und „Sturzflug“. Erst beharrliches Touren und das zweite Album „Welch ein Land! Was für Männer!“ mit der Chart-Single „Polizisten“ brachte Ende 1981 den Durchbruch.

Single-Hit: „Hurra, hurra, die Schule brennt“

Als im Frühjahr 1982 nachträglich aus dem Debütalbum die Single „Hurra, hurra, die Schule brennt“ ausgekoppelt wurde, verbuchten Extrabreit nicht nur ihren größten Single-Hit der 80er, sondern galten fortan auch als die Bad Boys der NDW. Die BRAVO und andere Teenie-Zeitschriften berichteten über ihre Skandalgeschichten. Dabei hatte man neben partytauglichem Chart-Stoff auch ernsthafte Rocksongs wie „Der Präsident ist tot“ zu bieten. Im Herbst 1982 beschloss das Album „Rückkehr der phantastischen 5!“ die Trilogie der Frühwerke mit Nummern wie „Kleptomanie“, „Superhelden“, „Kokain“, „Komm nach Hagen (werde Popstar)“ und „Duo Infernal (mit Marianne Rosenberg)“.

Englischsprachiger Alternative-Pop

Nach sinkenden Verkäufen und bandinternen Querelen experimentierte man mit eher artfremdem, englischsprachigen Alternative-Pop herum, bevor man sich 1990 wieder auf alte Stärken besann und mit dem Best-Of-Album „Zurück aus der Zukunft“ und einem Remix von „Flieger, grüß mir die Sonne“ wieder in die Top Twenty der Charts vorstieß. Es folgten ausverkaufte Tourneen, die sie oft auch nach Braunschweig, unter anderem ins Jolly Joker, führten. Außerdem einige Alben, die neben Hits wie „Joachim muss härter werden“ auch die historischen Duette mit Hildegard Knef („Für mich soll‘s rote Rosen regnen“) und Harald Juhnke („Nichts ist für immer“) enthielten.

Aktuelle Single: „Die Fressen aus dem Pott“

Nun sind es bereits über 40 Jahre, die seit der Gründung der Band vergangen sind. Und in denen die „Breiten“ ein nationales Kulturgut geworden sind. Im Alleingang erfanden sie ein ganzes Genre des Deutschrocks. Ohne Extrabreit wären Bands wie die Toten Hosen und die Ärzte nicht denkbar. Ihre neue Single „Die Fressen aus dem Pott“ wurde bereits veröffentlicht. Ihr neues Album „Auf Ex!“ erscheint am Freitag, den 13.11.2020. Schön verlebter, authentischer Rock’n‘Roll von der Straße. Diese Typen „werden nicht in Schönheit sterben…“

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