17. Januar 2020
Film & Musik

Eminem fordert Engagement gegen Waffengewalt

Der „King of Hip-Hop“ kehrt heute mit der Single „Darkness“ und dem Album „Music To Be Murdered By“ zurück

Eminem, „King of Hip-Hop“, setzt mit seinem neuen Album „Music To Be Murdered By“, ein wichtiges Statement. Foto: Universal Music

Ein Hotel in Las Vegas. Ein Attentäter mit Scharfschützengewehr. Schwer bewaffnete Polizeieinheiten, die ein Hotelzimmer stürmen. Am Ende erscheinen Fernsehbildschirme mit „Breaking News“ über Schulschießereien und weiterer Waffengewalt überall in Amerika. Eminem ist zurück. Und er bringt die Dunkelheit mit…

Familie, Einsamkeit, Alkohol- und Tablettenmissbrauch

„I don’t want to be alone in the Darkness anymore…“, sprech-sing-sangt der „King of Hip-Hop“ auf seiner neuen Single „Darkness“. Ein überraschend eingängiger, ruhiger und melodischer Song der jedoch eine große Kraft besitzt. Es geht unter anderem um die Familie, um Einsamkeit, Alkohol- und Tablettenmissbrauch. Und natürlich um die (Ohn-)Macht von Waffen und den Medien. Im Video sitzt „Slim Shady“ im einfachen Hoodie, Jeans, weißen T-Shirt, Nike-Sneakern und Vollbart einsam in einem dunklen Raum.

Früher gewaltverherrlichende Texte, heute Aufruf gegen Waffengewalt

Mit „Darkness“ ruft Eminem eindringlich zum Engagement gegen Waffenwahn- und gewalt auf. Überraschend, denn aufgrund seiner gewaltverherrlichenden Textinhalte war der provokante Rapper aus Missouri in der Vergangenheit häufig starker Kritik ausgesetzt. Bis hin zu Boykottaufrufen von Politikern und verschiedenen Verbänden. Nach dem Schulmassaker von Littleton wurden sogar Eminems Texte für die Bluttat mitverantwortlich gemacht. In dem Sechs-Minuten-Video „Darkness“ wird die Massenerschießung mit 58 Toten bei einem Country-Music-Festival 2017 in Las Vegas nachgespielt. Am Ende gibt es einen Aufruf sich als Wähler registrieren zu lassen. In den USA, wo es keine Meldepflicht gibt, können Bürger nur wählen, wenn sie sich rechtzeitig registrieren lassen.

Ruhiger, reifer und reflektierter

Eminem scheint sich seiner Verantwortung und Vorbildfunktion mittlerweile bewusst zu sein. Aus dem käsebleichen Rap-Pöbel-Punk mit den blondierten Haaren und dem kaputten Alter Ego ist ein nachdenklicher Typ geworden. Er wirkt auf „Music To Be Murdered By“, seinem elften regulären Studioalbum, ruhiger, reifer und reflektierter. Als Gäste sind unter anderen der kürzlich gestorbene Rapper Juice Wrld und leider auch der unsägliche Säusel-Fusselbart Ed Sheeran. Eminem präsentiert sich auf seinem neuesten Werk als eine wichtige gesellschaftskritische Stimme, die unsere Welt dringender denn je braucht.

Die Macht der Bilder

Nichtsdestotrotz weiß der Grammy- und Oscar-Preisträger um die Macht der Bilder. Das bluttriefende rote Cover von „Music To Be Murdered By“ zeigt ihn im Anzug, mit weißem Hemd, Schlips und akkuraten Seitenscheitel. An seinem Kopf: Ein Revolver und eine große Axt. Das provokante Motiv und der Titel sind eine Reminiszenz an den britischen Krimi-Regie-Altmeister Alfred Hitchcock. „Inspiriert vom Meister, Onkel Alfred“, twitterte Eminem dazu. Außerdem: „Es ist deine Beerdigung“. Eminem lebt – und das hoffentlich noch sehr lange.
Am 11. Juli 2018 konnte man den US-Rap-Superstar auf dem Expo-Gelände in Hannover letztmalig live in unserer Region erleben. Vielleicht kommt er ja bald mal wieder…

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