Einzigartige Klang- und Textlandschaften – Szene38
19. März 2020
Film & Musik

Einzigartige Klang- und Textlandschaften

Die Einstürzenden Neubauten veröffentlichen zu ihrem 40-jährigen Jubiläum das neue Album „Alles in Allem“ und gehen auf Tour

Kreatives Klang-Kollektiv: Blixa Bargeld (Mitte), N.U. Unruh, Alexander Hacke, Jochen Arbeit und Rudi Moser machen zusammen Musik. Foto: Mote Sinabel

Alles scheint gerade irgendwie einzustürzen. Doch die Neubauten stehen noch. Dabei rissen sie in ihrer Frühphase eigentlich alles ein. Mit Vorschlaghammer, Bohrmaschine und Stahlfedern haben sie einst musiziert. Sogar Waschmaschinen wurden von der Band wütend malträtiert. Die Einstürzenden Neubauten trafen mit ihrem kalten, martialischen Industrial-Sound in den 80er Jahren den Nerv der Zeit und mitten in die Gehörgänge.

Radikale Geräuschästhetik

Ihre radikale Geräuschästhetik, spontane Improvisationen bis hin zu experimentellen Klangcollagen machte die Berliner Band so einzigartig. Die manchmal geschrienen, oftmals kryptischen Texte von Frontmann Blixa Bargeld  sorgten für eine weitere interessante und lyrische Ebene. Nihilistische Großstadt-Apokalypse.

Experiment und Improvisiation

Nun feiern Die Einstürzenden Neubauten und ihre einzigartigen Klang- und Textlandschaften 40-jähriges Jubiläum. Blixa Bargeld, N.U. Unruh, Alexander Hacke, Jochen Arbeit und Rudi Moser beschenken sich und ihre Fans mit einem neuen Werk: „Alles in Allem“. Dabei haben sie sich ihre experimentelle Herangehensweisen ans Songwriting bewahrt. Mit ihren in vier Jahrzehnten entwickelten Instrumenten und dem kollektiven Arbeiten klingt die Band ungemein gegenwärtig.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

„Alles in Allem“ enthält zehn Stücke, in denen es thematisch weitestgehend um die Erforschung und Auseinandersetzung mit ihrer Heimat- und Hauptstadt Berlin geht. Blixa Bargeld wandert durch Erinnerungen und Träume, montiert Fragmente – und doch geht es auch immer um die Gegenwart dieser ungreifbaren Stadt. Die Texte legen dabei bisweilen Spuren in die Vergangenheit. Sie führen ins eigene Werk, knüpfen an alte Ideen an und überführen sie auf diesem Weg in die Zukunft.

Assoziationen, Interpretationen und Bezüge

Die fünf Klangforscher arbeiteten für den Song „Taschen“ mit einfachen Reisetaschen, die sie mit Lumpen füllten. Ein Bezug zum Ertrinken von Flüchtlingen vor den Grenzen Europas. Für das Titel gebende „Alles in Allem“ spazierte Bargeld über einen Gang außerhalb des Studios und beschrieb die Assoziationen, die der abgeplatzte Belag am Boden in ihm hervorrief. So fanden „verkürzte Krokodile“ und „Plasmazellen ohne Kern“ Einzug in das Stück. Das Prinzip des freien Assoziierens war dabei für einen überwiegenden Teil der Stücke wichtig. Oder anders ausgedrückt: „Wir hatten tausend Ideen. Und alle waren gut“. „Alles in Allem“, das erste reguläre Studioalbum der Einstürzenden Neubauten seit zwölf Jahren, zeigt eine Band die ihren ganz eigenen Klangkosmos, ein eigenes Genre erschaffen hat. Deutsches Kulturgut.
Mit den neuen Stücken und dem umfangreichen Backkatalog wollen Die Einstürzende Neubauten in diesem Jahr auch auf Deutschland- und Welttournee gehen.

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