Ein tödliches Virus und viele Mordfälle – Szene38
15. März 2020
Film & Musik

Ein tödliches Virus und viele Mordfälle

Neue Krimi-Serien im Check: „Arctic Circle“, „Baptiste“, „The Bay“, „Kommissar Maigret“, „Die Pest 2“, „Vera 9" und andere

„Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“: Ein tödliches Virus wird von einer finnischen Polizistin in der eisigen Landschaft Lapplands entdeckt. Foto: Thomas Lorenz/ZDF/Edel Motion

Corona-Zeit ist Serien-Zeit! Da wir vielleicht bald alle zu Hause bleiben müssen, ist genügend Zeit da um Serien zu gucken. szene38 stellt interessante aktuelle Produktionen vor.

„Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“

Eis, Eis, Baby! Endlose Landschaften aus Schnee und Eis, die wie Skulpturen schillern, bilden den Schauplatz von „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“. Die Handlung startet im finnischen Teil von Lappland. Polizistin Nina Kautsalo (Iina Kuustonen), alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter mit Down-Syndrom, wird mit ihrem Kollegen zu einem Haus in der Einöde geschickt. Sie finden eine misshandelte junge Frau, die dort offensichtlich gefangen gehalten wurde. Sie liegt im Koma und trägt ein russischsprachiges Tattoo.

Tote Frauen im Eis

Als zwei weitere, bereits tote Frauen im Eis gefunden werden, und sich die Überlebende als Prostituierte entpuppt, scheint der Fall für die Ermittler klar: Menschenhandel. Doch bald wird jedoch klar, dass es eine viel größere Bedrohung gibt: Ein Virus ausgeht, das eine weltweite Pandemie auslösen könnte. Aktueller könnte ein Thema in Zeiten des Corona-Virus kaum sein. Eine aktuelle Brisanz, mit der man bei den Dreharbeiten noch nicht rechnen konnte. Die zehnteilige Serie „ Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ (Edel Motion) bietet solide „Nordic Blanc“-Krimiunterhaltung mit faszinierenden Schauplätzen und starken Darstellern.

„The Bay“

Zwei  Teenager-Zwillinge (Dylan und Holly Meredith) aus Morecambre im Nordwesten Englands werden als vermisst gemeldet, DS Lisa Armstrong (Morven Christie) ermittelt. Grünschnabel-Anhang DC Kharim (Taheen Modak) kommt mit. Armstrong sucht in Hinweise zum Verschwinden und ermittelt auch im engsten Familienkreis zu enthüllen. Dumm nur, dass sie mit Sean Meredith (Jonas Armstrong), dem Stiefvater der Zwillinge, eine Affäre hatte. Während die polizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren laufen, suchen auch besorgte Bürger nach den Jugendlichen. Sie werden zur Gefahr für entfernt Verdächtige. Am nächsten Morgen wird eine Leiche am Strand gefunden – es ist Dylan. Aber von Holly fehlt weiterhin jede Spur…

Unterhaltsame Mitrate-Spannung

„The Bay“ wandelt auf den Spuren von „Broadchurch“. Eine britische ITV-Küstenkrimi-Serie mit Kindern als Opfer und komplizierten Ermittlern mit persönlicher Verbindung zum Fall. Viele Elemente der erfolgreichen Serie finden sich bei „The Bay“ wieder. Und das ist durchaus positiv gemeint.  Ähnliches Setting, viele Verdächtige, melancholischer Soundtrack und unterhaltsame Mitrate-Spannung. UK-Krimi-Fan, was willst du mehr!?

Detective Chief Inspector Vera Stanhope, Nordenglands beliebteste Ermittlerin, ist wieder im Einsatz. Foto: Edel Motion

„Vera – Ein ganz spezieller Fall Staffel 9“

Diese Frau ist anders als andere. Und wahrscheinlich deshalb so erfolgreich. DCI Vera Stanhope (Brenda Blethyn) wirkt wie eine mürrisch-pummlige Hausfrau. In Wirklichkeit ist sie eine clevere, mürrisch-pummlige Ermittlerin mit Mantel, Hut und Fusselfrisur. In „Vera – Ein ganz spezieller Fall Staffel 9“ (Edel Motion) ermittelt die beliebte Polizistin in vier neuen Fällen. Das Panorama bilden wieder die stürmisch-rauen Landschaften Northumberlands. An Ihrer Seite: Detective Constable Aiden Healey (Kenny Doughty) und Dr. Marcus Summer (Kingsley Ben-Adir).

Vier neue Fälle

„Sie wusste zu viel (Blind Spot)“, „Tödlicher Stoff (Cuckoo)“, „Die Bootsparty (Cold River)“ und „Das Seagull“ (The Seagull) haben es in sich. Auf einer Mülldeponie wird die Leiche einer Kriminalpsychologin entdeckt. In der Küstenstadt Payton wird ein ermordeter Teenager entdeckt. Eine fröhliche Bootsparty endet mit Betroffenheit und Entsetzen. Und im letzten Fall wird es für Vera persönlich. Sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen und in einem Cold Case in ihrer Heimatstadt ermitteln. Vera ist die tolle britische Variante von Columbo. Nur ohne Schielen und Lolli.

Detective Chief Inspector John Barnaby und sein Assistent Detective Seargeant Jamie Winter ermitteln in vier neuen, skurrilen Fällen. Ein  toter Ex-Rugby-Profi spielt auch eine Rolle. Foto: Edel Motion

„Inspector Barnaby Vol. 30“

Bewährter und entschleunigter Krimi-Serien-Stoff kommt von Inspector Barnaby. Vol. 30 (Edel Motion) präsentiert den treuen Fans vier neue Fälle plus Bonus-Doku. Hier wird geboten, was man erwartet: Mysteriöse Mordfälle in der fiktiven Grafschaft Midsomer, unorthodoxe Ermittlungsansätze und jede Menge britischer Humor.

Bräute, Models, Rugbyspieler und Schmetterlingssammler

In der Folge „Schmetterlinge sterben früh“ wird ein begeisterter Schmetterlingssammler zum Opfer einer Reihe von seltsamen Morden: Er wird wie ein Insekt aufgespießt und zur Schau gestellt. In „Was geschah wirklich auf Schloss Argo?“ stirbt ein ehemaliges Supermodel während des dörflichen Comic-Festivals. Ein Ex-Rugby-Profi, der sich mit fragwürdigen Geschäften über Wasser hält, erfriert in „Die Löwen sind los“ in der Kältekammer. Und in „Eine Hochzeit und dreieinhalb Todesfälle“ beginnt mit dem Mord an einer Braut eine beängstigende Todesserie. Weitergucken kann man mit der einstündigen Doku „20 Dinge, die Sie in Midsomer tun sollten, bevor Sie sterben“. Mit einem Augenzwinkern blickt das exklusive Special hinter die Kulissen der traditionsreichen Krimireihe – präsentiert vom unvergessenen Barnaby der ersten Stunde: John Nettles.

„Baptiste – Staffel 1“

Die britische Krimiserie „The Missing“ thematisiert das Verschwinden eines kleinen Jungen. Sie  erzählt die Leidensgeschichte der Eltern so gekonnt, dass es einem die Kehle zuschnürt. Gleichzeitig erzählt „The Missing“ die Geschichte einer Verschwörung in die ein Kinderschlepperring, Politiker und auch die Polizei verwickelt sind. Mittendrin in diesem Fall: Julien Baptiste (Tchéky Karyo), ein renommierter Ermittler in Frankreich. Er hilft dem verzweifelten Vater bei der Suche, hat selbst eine drogenabhängige Tochter, die seine Hilfe nicht annehmen will. Ermittler Baptiste ist eines der ganz großen Highlights in der Thriller-Serie „The Missing“. Nun bekommt er beziehungsweise seine Figur sein eigenes Spin-off, in dem er sich in die Abgründe Amsterdams begeben muss.

Gehirn-OP und Rotlicht-Trip

Der engagierte Ermittler muss sich in „Baptiste – Staffel 1“ (Polyband) einer Gehirnoperation unterziehen und ist nicht mehr derselbe. Nicht mehr der Mann, der er mal war. Dennoch bittet ihn seine ehemalige Vorgesetzte, die Polizeichefin Martha Horchner (Barbara Sarafian)um Hilfe, als ein Mann in Amsterdam seine verschwundene Nichte sucht. Baptiste rafft sich auf und macht sich auf die Suche nach der jungen Frau. In der Stadt trifft er auf den seltsamen Edward (Tom Hollander), den Onkel der vermissten Prostituierten. Immer tiefer taucht Baptiste in die schillernde Unterwelt des Rotlichtbezirks ein. Viel geklautes Geld, ein Mafiakiller und eine schroffe Europol-Agentin inklusive. Harte Arbeit bis Baptiste das komplexe Netz aus Betrug und Lügen entwirrt. Solide Thriller-Unterhaltung mit starker Darstellung von Tchéky Karyo und Tom Hollander.

„Kommissar Maigret – Die komplette Serie“

Paris in den 1950er Jahren. Spielende Kinder auf den Straßen, Lastkähne auf der Seine und die schweißtreibende Arbeit der Metzger in den alten Pariser Markthallen. Prostituierte unter Straßenlaternen und gestrandete Zeitgenossen am Bistro-Tresen. All das und noch viel mehr ist die Hauptstadt Frankreichs in der Kommissar Maigret ermittelt. Entsprungen ist der legendäre Ermittler mit Weltruhm, Hut, Pfeife und Trenchcoat aus der Feder des belgischen Schriftstellers  Georges Simenon.

Dezente Darstellung, akribische Ermittlung

„Kommissar Maigret – Die komplette Serie“ (Polyband) präsentiert vier Filme (360 Minuten), die auf den Romanen basieren. Der kluge, ernsthafte Ermittler wird von Rowan Atkinson gespielt. Ihn kennt man ansonsten als nervigen Sonderling Mr. Bean. Doch überraschenderweise spielt er eine der Rollen seines Lebens. Er agiert sparsam in Gestik und Mimik, langsam und akribisch in der Lösung der fiesen Mordfälle. Krimi-Unterhaltung der alten Schule auf höchstem Niveau.

„Die Pest – Staffel 2“

Spanien hat Corona und „Die Pest“. Die Serie über eine Mordserie im von der Beulenpest befallenen Sevilla des Jahres 1597 war einer der Überraschungserfolge der vergangenen Jahre. Schaurig-schöne Sittengemälde großer Dynastien von „Tudors“ über „Medici“ bis hin zu „Borgia“ beleuchten den Übergang in die Neuzeit mit fiesen höfischen und kirchlichen Intrigen sowie opulenter Ausstattung. Denen steht „Die Pest“ in nichts nach. Auch „Staffel 2“ (Polyband) der rasanten Mördersuche in dem dreckig-verwinkelten Moloch unter der spanischen Inquisition überzeugt.

Mysteriöse kultische Mordserie

Im Mittelpunkt der sechsteiligen Serie kämpft der ehemalige Soldat Mateo Núñez (Pablo Molinero). Er wird von der Inquisition verfolgt, weil er verbotene Bücher druckt. Doch wenn er es schafft, eine mysteriöse kultische Mordserie aufzuklären, wird er begnadigt. In einer düster-beklemmenden Atmosphäre ermittelt der historische Ermittler Núñez zwischen Hunger und Tyrannei, Inquisition und Ketzerei. Sevilla konnte sich in der zweiten Staffel zwar von der titelgebenden Pest(epidemie) befreien und zur Wirtschafts-Metropole aufschwingen, doch viele Probleme bleiben. Armut, Hunger, Prostitution und Kriminalität sind noch immer vorhanden.

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