29. September 2015
Szene-News

Fabian Römer: Der „Singer-Songrapper“ auf Tour – und im Interview

Fabian Römer "halb zu Hause": In Braunschweig fand sich keine passende Location - so zog es viele Braunschweiger Fans zum Konzert in Hannover. Fotos (3): Florian Koch / oh.

25 Jahre alt und schon ein zehnjähriges Bühnenjubiläum hinter sich: Die Musik ist schon lange steter Begleiter des Lebens von Fabian Römer. Als F.R. machte er schon im frühen Jugendalter auf sich aufmerksam – mit seinem aktuellen Album „Kalenderblätter“ hat er einen großen Schritt gemacht, auch in puncto musikalische Entwicklung. Es macht deutlich: In dem gebürtigen Braunschweiger steckt deutlich mehr als „nur“ das Rapper-Dasein. Würde man es in einer Haltung auf einem Konzert ausdrücken: Der eine Arm in der Luft, der andere umschlägt die Begleitung. Am Montagabend spielte er im Kulturzentrum Faust in Hannover in nahezu ausverkaufter Halle. Vorab sprach er mit szene38 über sein neues Kapitel, die „Verwandlung“ von F.R. zu Fabian Römer und auch die Tatsache, dass die Löwenstadt im Tourplan fehlt.

Wie fühlt es sich an wieder auf Tour zu sein?
Es fühlt sich sehr gut an. Touren sind immer eine Herzensangelegenheit, ähnlich wie bei einem Album. Nach einem Album bekommt man viel Feedback, auch abstraktes – etwa via Facebook – sowie die Verkaufszahlen und alles, was dazu gehört. Die direkte Energie gibt es allerdings nur live. Um nun das Kapitel Kalenderblätter abzuschließen ist es für mich total wichtig jetzt auf Tour zu sein. Zu sehen: Wie hat sich mein Publikum verändert – was sind das für Leute, die meine Musik feiern. Deswegen ist es extrem schön und wichtig, nun unterwegs zu sein.

Würdest du sagen, dass das Touren am Musikmachen der angenehmste Teil ist?
Ich bin schon auch ein großer Studionerd. Ich kann beiden Teilen des Jobs extrem viel abgewinnen, wobei sich der Job immer noch nicht wie ein Beruf anfühlt. Bei den Auftritten ist das Direkte das Schöne, im Studio ist es vielleicht noch purer – es ist noch mehr das Entstehen und Schreiben von Musik. Auf unterschiedlichen Ebenen ist beides meine Leidenschaft.

Wie würdest du dein Kapitel „Kalenderblätter“ beschreiben?
Ich glaube, dass es durchaus die Essenz dessen ist, was ich die vergangenen zehn Jahre so gemacht habe. Alles gebündelt. All die Dinge, die ich in den vergangenen Jahren aufgesaugt habe, sind ja trotzdem in das Album eingeflossen. Wenngleich viele sagen, dass es eine Art Neuanfang ist. Im Grunde genommen steckt – auch mit Namenswechsel – noch eine Menge F.R. in der Musik drin. Das lässt sich gar nicht vermeiden, vielmehr: Das will ich auch gar nicht vermeiden.

Was war der Impuls für den Namenswechsel?
Der Impuls für den Namenswechsel war, dass ich meinen alten Künstlernamen immer gehasst habe. Ich mochte ihn überhaupt nicht. Damals bin ich da mehr reingerutscht, weil ich für die Battle-Plattform „RBA“ einen Nicknamen brauchte – dieser Name, den ich mir mit 12 Jahren verpasst habe, wurde schließlich zu meinem Künstlernamen. Ich fand ihn immer ganz schlimm, unter anderem weil er immer auf Englisch ausgesprochen wurde. Alle haben mich immer gefragt: Warum ist das so? Ich wusste es selbst auch nicht genau. Außer, dass ich damals als 12-Jähriger dachte, es würde vielleicht cooler klingen. Ich habe immer auf diesen Zeitpunkt gewartet – vor dem aktuellen Album war es schließlich soweit.

Was hat sich für dich noch verändert?
Die Musik entwickelt sich immer, meine Alben waren schon immer sehr unterschiedlich. Dieses Album auch – was gar nicht so viel mit der Entscheidung, dass ich etwas verändern will, zu tun hat – sondern vielmehr damit, dass zwischen „Kalenderblätter“ und dem vorigen Album am meisten Zeit verstrichen ist. Ich hatte noch nie so viel Leerlauf. Sonst habe ich straight im Zweijahresrhythmus veröffentlicht, zum Teil sogar im Einjahresrhythmus, dieses Mal war ich vier Jahre von der Bildfläche verschwunden. So ist die Veränderung vielleicht auch größer als bei den vergangenen Alben.

Es hieß die vergangenen Monate: Fabian Römer wird vom Rapper nun zum Singer-Songwriter. Gehst du da mit?
…eher Singer-Songrapper (lacht). Musik ist bei den meisten Künstlern immer ein Hybrid aus den Sachen, die sie selbst feiern. Bei mir war es im Vorfeld des Albums so, dass ich Rap gefeiert habe, vor allem urbane Ami-Musik im Stile von Drake, J Cole, Frank Ocean und auch Macklemore. Allerdings auch deutsche Textmusik, wie ich sie gerne nenne. Dazu zähle ich alles: Singer-Songwriter-Musik alias Bosse, Rap-Geschichten und auch Poetry. Alles, was mit deutscher Sprache zu tun hat, höre und schaue ich mir an. Das sehe ich fast schon als meine Pflicht an, mich da in viel reinzuhören. Aus diesem Grund ist das Album ein Hybrid aus diesen beiden Strömungen geworden. Ich würde nicht sagen, dass ich Singer-Songwriter bin – ich bin, und das siehst du auch auf der Bühne, absoluter Vollblut-Rapper. Das lässt sich gar nicht eindämmen. Wenn du das seit deinem 12. Lebensjahr machst, dann wäre es blöd, diese Stärke nicht auch zu nutzen. Natürlich ist auch mehr Melodie dazugekommen, ich singe auch mal ganz gerne.

Was ist in diesen vier Jahren für dich passiert?
Ich habe zwar nicht die klassische Künstlerweltreise gemacht, aber ich bin gereist. Ich habe versucht, Dinge sacken zu lassen, mich nicht ins Studio zu prügeln. Zu leben. Nebenbei habe ich angefangenen viel für andere Künstler zu schreiben, was mir auch den Horizont weiter geöffnet hat. Vorher habe ich ganz nerdig eingeschränkt in meinem „Zimmer ohne Zeit“ Texte für mich alleine geschrieben habe – so habe ich nun gemerkt: Du kannst dich auch gut mit Leuten über die Sprache austauschen, das ist voll mein Ding. Wenn man für andere Leute schreibt, dann inspiriert einen das oft auch für die eigene Musik.

Hände hoch: In Fabian Römer steckt noch eine Menge F.R. - trotzdem: Der gebürtige Braunschweiger hat seine Musik auf ein neues Level gehoben.
Hände hoch: In Fabian Römer steckt noch eine Menge F.R. – trotzdem: Der gebürtige Braunschweiger hat seine Musik auf ein neues Level gehoben.

Möchtest du auch weiterhin für andere Künstler schreiben?
Unbedingt, das ist sowieso ins Rollen gekommen. Ich habe nicht vor das zu meinem zweiten Standbein zu machen, allerdings läuft es gut. Und ich mache auch nur Sachen, auf die ich Bock habe. Es ist eine ganz andere Ebene, hat trotzdem viel mit Musik und Text zu tun, ist so ganz meins.

Wie würdest du das aktuelle Album in eigenen Worten beschreiben?
Ich habe gemerkt, dass es viel um den Versuch geht, positiv zu denken. Viele Dinge, die vom Dunklen ins Helle gehen – etwa bei „Dreh den Nebel um“, „Übersommern“ oder „Das Beste kommt noch“. Sonst gibt es auch ein paar abstraktere Songs, etwa „Kein Mensch mehr“ – also mehr Storytelling. Dann auch Songs, die sehr nah an mir dran sind, sehr persönlich sind: „Zimmer ohne Zeit“ und „Nach dir“. Ich glaube, dass sich durch das Album eine Grundmelancholie zieht, die aber auch fröhlich und ausgelassen sein kann wie beispielsweise bei „Übersommern“ oder „Nur für uns“. Insgesamt zieht sich ein emotionaler Faden durch das Album – und ich bin der Meinung, dass ich das bei meinen vorigen Alben nie so richtig hinbekommen habe.

Setzt man diesen Faden immer wieder neu an?
Das ist schwierig vorauszusehen. Ich habe seit dem Albumrelease kaum meinen Stift in die Hand genommen, vielleicht zwei, drei Ideen in mein Handy getippt. Da bin ich ein kleiner Sammler, schreibe mir Fragmente auf – bestenfalls finden die sich mit der Zeit zu Musik zusammen. Meistens wirkt die Tour wie ein Motor, du hast danach mehr Selbstvertrauen, auch deiner Musik gegenüber. Du siehst: Da sind Leute, die das mitrappen und mitfühlen. Sie kommen für dich zu den Konzerten, das gibt einem einen ganz anderen Schub. Meistens kommt nach der Tour auch eine kreative Phase, ich hoffe, das ist auch dieses Mal wieder so.

Die Fragmente ergeben sich nach und nach. Setzt du dich dann hin und fügst sie ganz bewusst zusammen?
Ich habe mich noch nie in meinem Leben hingesetzt und habe mir gesagt: Ich will jetzt einen Text schreiben. Das war dann immer der Drang, also, dass es nicht mehr anders ging. Ich war also so inspiriert, dass es quasi so rausgeflutscht ist. Es gibt auch Songs – ich nenne sie Reißbrettsongs – da hast du vielleicht eine Zeile und weißt wie sie in etwa aussehen sollen. Dass du quasi ein Bild langsam ausmalst. Es gibt aber auch Lieder, ungefiltert und an wenigsten verkopft – und die sind mir eigentlich am liebsten – die sich einfach so ergeben, die man in einer Nacht- und Nebelaktion in sein Handy hackt. Du wachst dann auf und denkst dir: Geil, ich habe vergangene Nacht ein Lied geschrieben. Das ist sehr selten, kommt bei mir vielleicht Zwei- bis Dreimal im Jahr vor. Das sind diese Momente in denen man sich ein bisschen als Künstler fühlt (lacht).

Was passiert nach der Tour, was hast du dir vorgenommen?
Um ganz ehrlich zu sein habe ich nichts zu tun, eigentlich ist das auch ganz schön. Theoretisch habe ich sehr viel zu tun – muss dann erstmal gucken, worauf ich Lust habe. Ob ich Lust habe an meinen Sachen weiter zu arbeiten, für andere schreiben oder die Musik insgesamt erst einmal etwas wegschieben will. Das kann alles passieren.

In den vier Jahren Leerlauf – hat sich da auch deine Einstellung zur Musikwirtschaft verändern? Wenngleich du die Musik nicht als Job empfindest, verdienst du ja trotzdem dein Geld damit…
Es ist Jahr für Jahr immer wieder sehr abstrakt für mich, zu merken: Krass, du hast schon wieder ein Jahr mehr von Musik gelebt. Das ist nichts, was man bewusst wahrnimmt. Trotzdem ist es krass.

Bei deiner Management- und Bandstruktur, wie hat sich das entwickelt, wie ergeben sich da Veränderungen?
Das sind teilweise Leute die mich schon seit Jahren begleiten – bei dem Tourmanager und meinem Drummer ist es etwa so – mit allen anderen hatte ich in der Vergangenheit auch schon viele Überschneidungspunkte. Es ist keine zusammengewürfelte Band, sondern es sind Leute, mit denen ich musikalisch schon länger etwas zu tun habe. Das hat von Tourdate Nummer Eins an sehr gut funktioniert. Wir haben uns auch sehr gewissenhaft vorbereitet, hatten eine Generalprobe in Bielefeld und und auch eine gute Probe in Paderborn. Dass es jetzt funktioniert ist echt sehr schön.

Foto-Fabian-Roemer-Hann-c-Florian-Koch-03

Das Feedback dazu bekommt man unmittelbar zu spüren, sei es auf Konzerten oder über die sozialen Medien. Gab es bestimmte Rückmeldungen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Mich hat die erste Show in Bremen etwas irritiert. Es war eine andere Energie als damals. Ich hatte überhaupt keine Anhaltspunkte, wie es werden könnte. Meine letzte eigene Tour war drei bis vier Jahre her – so war es unglaublich spannend zu sehen, wie sich das Publikum verändert hat. Auch zu merken, dass ich eine Show nicht mehr daran messen darf ob die ganze Zeit die Arme oben sind (lacht). Wie damals. Es ist nun auch normal, dass Leute einfach dastehen und zuhören. Das muss ich erstmal lernen. Es ist wiederum auch schön zu sehen, dass noch mehr Facetten zu den Shows dazugekommen sind.

Gar nicht Teil deiner Tour ist deine Heimatstadt. Warum nicht?
Das ist wirklich sehr schade. Es liegt leider daran, dass die Locationsituation in Braunschweig – was Konzerte angeht – nicht die beste ist. Die Meier Music Hall ist geschlossen, da habe ich immer sehr gerne gespielt, die Größe war perfekt. Jetzt gibt es sehr kleine Locations wie das Eulenglück oder Stereowerk oder sehr große, im Grunde viel zu groß. Natürlich tendiere ich dann eher zu kleinen Locations, da ich intime Konzerte auch sehr gerne mag. Wiederum haben wir auch immer eine bestimmte Produktion dabei, die wir fahren. Ein bestimmtes Setup, das muss im wahrsten Sinne des Wortes auch auf die Bühne gebracht werden. Das ist nicht so einfach. Vielleicht machen wir noch etwas kleines, exklusives – wir sind da am Überlegen. Ein paar Leute aus Braunschweig waren witzigerweise auch bei dem Tourstop in Hamburg, und ich nehme an, dass heute ebenso einige – wenngleich es Hannover ist – sich auch hier blicken lassen. Die Braunschweiger werden schon auf ihre Kosten kommen. Und: Es soll mal bitte jemand eine coole Halle in Braunschweig bauen, mit einer guten Kapazität.

Was ist das letzte größere Thema, das aus Braunschweig zu dir vorgedrungen ist?
Ich hätte gerne mal das Holi-Festival gesehen, wie das in Braunschweig so funktioniert. Habe da ein paar Fotos gesehen die mir gut gefallen haben. Ansonsten verfolge ich natürlich das Fußballgeschehen sehr intensiv, das läuft ja gerade wieder ganz gut – trotz Anfangsschwierigkeiten.

Weitere Informationen zu Fabian Römer, der laufenden Tour sowie dem aktuellen Album gibt es auf www.fabianroemer.com.

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