20. November 2014
Gastro-Tipps

Braunschweiger Weihnachtsmarkt mit großer Außenwirkung – Organisatorin im Interview

Alle Jahre wieder verwandeln sich die Plätze rund um den Dom St. Blasii in den stimmungsvollen Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / b² werbung & design.

Während die einen im Sommer ihre Füße in den Sand stecken und frische Cocktails schlürfen, denkt Heike Prieß an Weihnachtshütten, Glühwein und gebrannte Mandeln. Seit vielen Jahren schon ist sie beim Stadtmarketing für den beliebten Braunschweiger Weihnachtsmarkt zuständig. Über die Planungen, Anekdoten und interessante Neuerungen in diesem Jahr sprach sie im großen Interview mit szene38.

Wie kommt es, dass du für den Braunschweiger Weihnachtsmarkt zuständig bist?
Seit 2005 sind wir beim Stadtmarketing für den Weihnachtsmarkt zuständig. Ich habe die Aufgabe übernommen, weil ich schon einige Erfahrungen mit großen Veranstaltungen hatte. Anfangs hatte ich natürlich Bedenken, aber nach dem ersten Jahr wusste ich: Das ist mein Ding. Nun organisiere ich den Weihnachtsmarkt schon seit neun Jahren, und er ist mittlerweile wirklich mein „Baby“ geworden.

Wie stelle ich mir den Planungsvorlauf vor – ich schätze mal, bei dir ist das ganze Jahr Weihnachten?
Definitiv. Nach dem Markt ist vor dem Markt, schon ab dem 01.12. können sich die Händler und Schausteller für das kommende Jahr bewerben. Bis zum 31.03. des jeweiligen Jahres nehmen wir Bewerbungen entgegen. Erst nach intensiven Überlegungen und Gesprächen wählen wir aus, und dann kommt die Planung: Welcher Stand kommt wohin? Verträge werden verschickt, die Logistik wird vorbereitet. Und zwischendurch habe ich auch mal Urlaub (lacht).

Kommt man sich da nicht manchmal komisch vor, etwa im Hochsommer über Glühwein und gebrannte Mandeln zu sprechen?
Für mich ist das ganz normal. Wir messen ja auch im Sommer die Standplätze auf dem Burgplatz oder auf dem Platz der Deutschen Einheit aus. Teilweise in Sommerkleid und Sandaletten.

Wie kann man sich das vorstellen: Wie kommen die Stände auf den Markt?
Im Grunde kann sich jeder mit einem Stand bewerben, wir freuen uns immer über schöne Stände und tolle Ideen. Bewerber reichen bei uns ein Formular ein, in dem sie die Maße angeben und ihre Produkte beschreiben. Noch ein Foto dazu – fertig. Bei uns gehen jedes Jahr immer rund 300 Bewerbungen ein. In diesem Jahr haben wir 149 von ihnen einen Platz auf dem Markt geben können.

Wenn du den Weihnachtsmarkt planst: Welche Themen sind dann besonders wichtig?
Besondere Aufmerksamkeit bekommen die Stände. Durch die unterschiedlichen Maße und Beschaffenheit der Stände ist ihre Positionierung auf dem Markt manchmal wirklich kniffelig, da geht es mitunter um fünf oder zehn Zentimeter. Auch die Verkehrsführung, sanitäre Einrichtungen, Wasser, Strom, Beleuchtung sind wichtige Faktoren – da fließen viele Aspekte zusammen.

Wie gelingt es bei so vielen Ständen den Überblick zu behalten?
Nur mit strikter Planung. Beim Aufbau und auch vorab bei der Planung spiele ich wahrlich Tetris. Beim Aufbau kommen die neuen Stände im Stundentakt an und werden an ihren Plätzen eingewiesen. Die Marktleute haben gemerkt, dass die Pläne funktionieren und halten sich dann auch gerne daran.

Was kann bei der Planung der „Worst Case“ sein?
Unplanmäßige oder nicht rechtzeitig fertiggestellte Baumaßnahmen auf der Marktfläche oder an den historischen Gebäuden rundherum. Die Baumaßnahme am Dach des Doms hat mich beispielsweise in diesem Jahr beschäftigt. Ich bin froh, dass die Arbeiten planmäßig beendet wurden.

Fällt dir ad hoc eine Anekdote aus den vergangenen Jahren ein?
Beim Aufbau im vergangenen Jahr kam ein Teilnehmer zu mir und sagte, dass sein Stand nicht in die vorhergesehene Lücke passen würde. Seine Fläche war nach Plan und ein Stand wächst ja nicht über Nacht – er hatte vorab nur leider die Maße falsch angegeben. Der Schaustellerverband konnte zum Glück mit einer Miethütte aushelfen. Das hatten wir im vergangenen Jahr mehrere Male. Aber grundsätzlich sind die Standinhaber in jedem Fall sehr kooperativ und sehr findig im Lösen von Problemen.

Die gute Seele vom Braunschweiger Weihnachtsmarkt: Heike Prieß. Foto: Falk-Martin Drescher.
Die gute Seele vom Braunschweiger Weihnachtsmarkt: Heike Prieß. Foto: Falk-Martin Drescher.

Welche Rolle spielt der Braunschweiger Weihnachtsmarkt für dich im bundesweiten Vergleich?
Eine sehr große Rolle. Wir fahren während der Weihnachtsmarktzeit auch mal in andere Städte und schauen uns dort die Märkte an. Wenn ich dann wieder nach Braunschweig komme, frage ich mich dann oft, warum ich überhaupt weg war. Ich denke mir dann: Warum hast du versucht etwas Besseres zu finden – unser Markt ist doch wirklich einer der Schönsten. Durch die individuellen Hütten hat er einen ganz besonderen Charakter. Auch das historische Ambiente ist unbezahlbar. Hinzu kommt, dass die Schausteller immer mehr „ihren“ gemeinsamen Markt repräsentieren, und nicht nur jeder seine eigene Hütte.

Was gibt es in diesem Jahr für Neuerungen?
Wir haben 13 neue Stände, das ist eine ganze Menge. Davon sind acht Produkte komplett neu – nicht nur kulinarische Köstlichkeiten, sondern auch Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge oder handgefertigte Handpuppen. Besonders erwähnen möchte ich auch Kartoffelprodukte mit einem veganen Dip.

Worauf freust du dich bei dem diesjährigen Weihnachtsmarkt am meisten?
In diesem Jahr vor allem darüber, dass ganz viele Schausteller ihre Hütten erneuert und verschönert haben. Dass die Marktleute auf schöne Stände Wert legen, finde ich super, einige haben dafür auch viel Geld in die Hand genommen.

Wann sagst du dir: Das ist ein guter Weihnachtsmarkt, es hat alles geklappt?
Als erstes, wenn alle Hütten stehen und jede Tür aufgeht (lacht). Dann natürlich bei der Eröffnung, wenn auf Knopfdruck das Licht angeht und die Domglocken läuten. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen – außer vielleicht so etwas wie der Sturm Xaver im vergangenen Jahr.

Was für einen Effekt hat der Braunschweiger Weihnachtsmarkt hinsichtlich der Außenwirkung der Stadt?
Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt hat eine große Außenwirkung. Man sieht das etwa daran, dass wir beispielsweise in Berlin, München und Hamburg werben. Wir sehen an den Reisebussen sehr gut, aus welchen Städten die Gäste anreisen. Wenn ich dann Busse aus Leipzig und Nürnberg sehe, denke ich, dass wir alles richtig gemacht haben, denn dort gibt es doch eigentlich die bekanntesten Weihnachtsmärkte.

Was gefällt den auswärtigen Gästen speziell?
Die breite Produktpalette gefällt ihnen sehr. Bei uns gibt es eben nicht nur Imbiss und Ausschank – wir haben ganz viele Kunsthandwerker. Wir punkten auch mit individuellen Hütten und dem historischen Ambiente.

Als einer der stimmungsvollsten und attraktivsten Märkte in Norddeutschland zieht der Braunschweiger Weihnachtsmarkt jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher an. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Daniel Möller.
Als einer der stimmungsvollsten und attraktivsten Märkte in Norddeutschland zieht der Braunschweiger Weihnachtsmarkt jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher an. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Daniel Möller.

Kommst du bei all dem Trubel auch mal zur Ruhe?
Ich genieße es, wenn ich morgens über den Weihnachtsmarkt gehe und meine Kontrollrunde mache. Alle sind entspannt und bereiten sich auf einen langen Tag vor – jeder grüßt dann freundlich, das ist wirklich schön. Toll ist es auch, wenn ich mal abends, vor allem wenn es auch noch geschneit hat, über den Markt bummeln und den Trubel beobachten kann. Der zweite Weihnachtsfeiertag ist immer unser Familientag, da gehe ich mit meiner Familie über den Platz. An diesem Tag gibt es eine besondere Stimmung auf dem Markt. Alles ist ganz ruhig – obwohl so viel Betrieb herrscht. Und jeder ist zufrieden und genießt die Zeit.

Wie ist das mit Schnee – gefällt der den Schaustellern genauso gut?
Schnee gerne bis zur Dachkante, aber bitte von oben (lacht). Es kommt natürlich darauf an, wen man fragt. Der Glühweinstand wird sagen, um null Grad ist in Ordnung, der Fadenzieher wird sich plus zehn Grad wünschen. Das Wetter können wir aber nicht bestellen, und müssen es nehmen, wie es kommt.

Was für herausstechende Angebote macht der Weihnachtsmarkt den Gästen?
Wir haben immer ein kostenloses Kinderprogramm: Es gibt die Weihnachtswerkstatt im Burggraben – dort werden Kinder kostenfrei betreut – und samstags in Zusammenarbeit mit dem Theater Fadenschein Vorstellungen im Landesmuseum. Auch der Burggraben mit den Flößen ist sehr begehrt. Das sieht man daran, dass die Flöße bis auf wenige einzelne Stunden ausgebucht sind. Etwas ganz besonderes ist auch die Weihnachtskulturwoche im Dom.

Alle Informationen zum Braunschweiger Weihnachtsmarkt gibt es auf www.braunschweig.de/weihnachtsmarkt/.

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