"Das beste Festivalpublikum der Welt!" – Szene38
21. Juni 2017
Szene-News

„Das beste Festivalpublikum der Welt!“

Rockharz-Festival-Organisator Thorsten Kohlrausch im Interview!

Hände und Teufelshörner hoch: großartige Stimmung beim Rockharz 2016 mit 13.000 Besuchern. Foto: VERUGA GmbH

Das Rockharz Open Air-Festival ist ein jährlich stattfindendes Metalfestival im Harz, das immer wieder mit einem sehr vielseitigen und breit gefächerten Line-Up die Mengen begeistert. In diesem Jahr steht das Festival bereits kurz bevor: vom 5. bis zum 8. Juli wird der Flugplatz Ballenstedt zum Festivalgelände. Zum Line-Up gehören unter anderem: Arch Enemy, In Extremo, Fiddlers Green, Heaven Shall Burn und Blind Guardian. Szene38 sprach vorab mit dem Organisator Thorsten Kohlrausch über die Entwicklung und Besonderheiten vom Rockharz.

Das Rockharz Open Air existiert jetzt bereits seit 23 Jahren – wie hat damals alles angefangen?
Das erste ROCKHARZ war 1993 ein kleines eintägiges Indoor-Festival unter dem Motto “Rock gegen Rechts” und ist vom Verein Rock und Kultur am Harz in Osterode veranstaltet worden. Daher auch bereits “24” Jahre. Der Name ROCKHARZ war aber damals auch noch nicht existent, der hat sich erst im Laufe der Zeit so rausgebildet. Dennoch sehen wir diesen Moment als Grundsteinlegung für unser Festival an.

Welche wichtigen Meilensteine gab es beim Rockharz bisher?
Das ROCKHARZ hat sich eigentlich von Jahr zu Jahr immer weiter entwickelt: mehr Tage, irgendwann eine zweite Bühne, mehr Bands und so weiter; aber der bedeutendste Meilenstein war sicherlich der Umzug vom Landkreis Osterode in den Landkreis Harz, wo auf dem Ballenstedter Flugplatz das ROCKHARZ seit 2009 stattfindet und endlich die Möglichkeit da war, Campingplätze direkt am Festivalgelände anzubieten.

Nach welchen Kriterien habt ihr das Line-Up für dieses Jahr ausgewählt? Wie würdest du das Line-
Up beschreiben?
Die Zusammenstellung des Line-Ups ist immer Chefsache, wenn ich das mal so sagen darf. Ich habe gewisse Kriterien und Wünsche, nachdem ich ein Line-Up zusammenzustellen versuche. Natürlich klappt nicht immer alles, was man möchte, aber in diesem Jahr haben wir einen wirklich nahezu perfekten Mix aller Stilrichtungen, die das ROCKHARZ traditionell prägen, zusammenstellen können.

Einer der Headliner ist Blind Guardian. Die deutsche Band ist für ihre komplexen Songs und ausgefallenen Spieltechniken bekannt und bewegt sich irgendwo zwischen Speed Metal und Progressive Metal! Foto: VERUGA GmbH

Was waren die spektakulärsten und ungewöhnlichsten Auftritte beim Rockharz?
Der ungewöhnlichste Auftritt war wahrscheinlich das Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung in 2009. Die wussten gar nicht, dass wir ein Metal-Festival sind und waren dementsprechend konsterniert, als sie dessen gewahr wurden. Die waren sehr skeptisch, ob das bei uns funktionieren würde und umso begeisterter, als sie gemerkt haben, dass sie total abgefeiert wurden. Das war extrem cool.

Was unterscheidet das Rockharz von anderen Festivals?
Jedes Festival hat wahrscheinlich seine ganz eigene Atmosphäre. Unsere Atmosphäre gestalten in erster Linie die Fans. Wir verzichten auf Nebenschauplätze und konzentrieren uns auf das Musikerlebnis, eine gute gastronomische Versorgung und einen entspannten Ablauf. That’s it! Vielleicht ist es das, was es ausmacht, wer weiß…

Was kann man, neben der Musik, noch auf eurem Festival erleben? Gibt es etwas Neues in diesem Jahr?
Wie gesagt machen wir gar nicht soviel Heckmeck außerhalb der Musikdarbietungen. Klar, es gibt einen schönen Biergarten mit unserem Mutantenstadl und Autogrammstunden. Ansonsten halten wir das Beiprogramm eher reduziert. Wir haben nicht einmal ein Partyzelt… manchmal ist weniger mehr, finden wir.

Aus luftiger Höhe: das Festivalgelände auf dem Flugplatz Ballenstedt. Foto: VERUGA GmbH

Wie lang hat die Plannug für das diesjährige Festival gedauert?
Die Planungen beginnen ca. 15 Monate vor dem Festival. Also in jedem Jahr planen wir schon 3 Monate vorher für das übernächste Festival.

Viele der aktuell großen Festivals haben mal klein angefangen, so wie ihr. Ist es euer Plan auch immer weiter zu wachsen, oder habt ihr ein „Limit“?
Nun ja, wir müssen den allgemeinen Kostensteigerungen immer ein kleines Wachstum entgegensetzen. Anders funktioniert es nicht, wenn man nicht die Ticketpreise drastisch anziehen möchte und das möchten wir ja nicht. Wir sind in den letzten Jahren immer so 5-10% gewachsen. Das ist ein verträgliches Maß, wie wir finden.

Wie schafft ihr es, dass das Rockharz ein, verglichen mit anderen Festivals in dieser Größenordnung, recht preisgünstiges Festival ist?
Tja, das wird wohl daran liegen, dass wir die Kostensteigerungen in allen Bereichen immer auf eine moderate Ticketpreiserhöhung und ein ebenso moderates Wachstum verteilen. So lange das möglich und verträglich ist, möchten wir weiterhin im Vergleich zur Leistung ein doch eher günstiges Festival bleiben. Aber wer weiß, wie sich die kommenden Jahre entwickeln. Der Festivalmarkt ist sehr dynamisch. Da kann man schlecht was voraussagen.

Wie setzt ihr das aktuell wichtige Thema Sicherheit auf eurem Festival um? Wird es spezielle Sicherheitsvorkehrungen geben?
Wir haben ein umfangreiches Sicherheitskonzept, mit dem wir auch auf aktuelle Umstände eingehen. Alles im Detail zu erklären, wäre etwas aufwändig, denn das Konzept hat ohne Anlagen bereits einen Umfang von beinahe 200 DIN A4 Seiten. Auch Herausgreifen möchte ich nichts im Speziellen. Wir möchten unseren Gästen einfach ein möglichst unbeschwertes Festivalerlebnis ermöglichen. Dafür tun wir einiges.

Im Laufe der Zeit hat sich viel auf dem Rockharz weiterentwickelt: Duschen, Sanitäranlagen – wie viel Luxus wünscht sich der heutige Festivalbesucher?
Die Wünsche werden immer individueller. Wir versuchen dem Sorge zu tragen, sofern es möglich ist, ohne den Ticketpreis in astronomische Höhen zu treiben. Dieses Jahr haben wir auf dem Infield beispielsweise keine Chemietoiletten mehr und die Spültoiletten sind dort kostenlos. Wir hoffen, dass das auf gute Resonanz stößt.

Die Zwillingsbühnen des Rockharz – die Bands spielen abwechselnd auf den beiden Bühnen, sodass man nichts verpasst! Foto: VERUGA GmbH

Etwas persönliches: was sind für dich die schönsten Momente beim Festival?
Eigentlich in erster Linie zwei Momente: der in dem die Besucher das erste Mal auf das Infield strömen und der, wenn der letzte Besucher nach einer Veranstaltung ohne große Zwischenfälle heile, glücklich und mit dem Vorsatz, das nächste Mal wiederzukommen, das Festivalgelände verlässt… Diese Momente bewegen mich am meisten.

Was ist das witzigste, was während deiner Zeit beim Rockharz passiert ist?
Och, sehr witzig war zum Beispiel mal eine Situation, als ein Sänger während des Auftritts noch mal schnell in den Garderobenbereich gelaufen ist, um etwas zu holen. Leider hatte er sein Künstlerbändchen nicht umgelegt. Dementsprechend wurde er an der Bühne von einem Security-Mitarbeiter gestoppt. Am Ende konnte der Künstler dann doch überzeugen und wieder auf die Bühne gelangen. In dem Moment fand der Künstler das sicherlich nicht sooo witzig. Aber als mir das erzählt wurde, war ich doch ziemlich amüsiert. Hat ja dann am Ende doch noch alles gut geklappt.

23 Jahre Rockharz Open Air – wie ist dein persönliches Feedback nach all den Jahren?
Jedes Jahr neu, jedes Jahr anders. Viel Arbeit, viel Zeitaufwand…. aber eines steht fest: das ROCKHARZ hat aus meiner Sicht das beste Festivalpublikum, das man sich wünschen kann! Und darauf sind wir mächtig stolz!

Danke für das Interview und viel Erfolg beim Festival!

Mehr Infos findet ihr auf der Seite des Rockharz-Festivals.

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