Kein Job, Geld und Freundin – Szene38
31. Oktober 2020
Comedy

Kein Job, Geld und Freundin

Der Baunschweiger Comedy-Autor Carsten Eicke im Interview zu seinem neuen Buch „Arschkarten-Abo“

Der Braunschweiger Drehbuch- und Comedy-Autor Carsten Eicke liebt Schweden und gute Gags. Und seinen Hund. Foto: Privat

Tom Scharf hat keinen Studienabschluss, keine Freundin, keine Kohle. Sein Vater will, dass er statt BWL-Studium und entspanntem Leben in Hamburg dessen Zahnarztpraxis in Salzgitter übernimmt. Ob im Visier der Bundespolizei oder spätes Erwachen auf dem Behandlungstisch eines Veterinärs – Tom fliegen die Arschkarten rechts und links nur so um die Ohren. Bis ihm ein rauchendes Känguru und Lady Gaga den Weg weisen… Der Braunschweiger Comedy-Autor Carsten Eicke präsentiert mit „Arschkarten-Abo“ ein unterhaltsam-überdrehtes Buch, dass ziemlich viel Spaß in diese ernsten Zeiten bringt. szene38.de unterhielt sich mit ihm.

Carsten, wie verlief dein bisheriger beruflicher Werdegang?

Ich habe in Tübingen Amerikanistik studiert, nebenbei in einer Computerfirma gejobbt. Geschrieben habe ich da auch schon gerne – wäre dann aber fast Produktmanager geworden.

Wie wurdest du Autor für Fernseh-Comedy-Formate?

Ehrlich gesagt, war auch ein wenig Glück dabei. Ich hatte sogar schon meinen Vertrag als Produktmanager unterschrieben, aber irgendwie fühlte sich das nicht richtig an. Also habe ich zur selben Zeit eine Mappe mit Sketchen und Ideen zusammengestellt und einfach mal spontan an die SAT.1-Wochenshow geschickt. Sie haben mich zu zwei Probewochen eingeladen, und am Ende durfte ich bleiben.

Was ist deine genaue Aufgabe?

Ich habe zunächst mehrere Jahre für Comedy-Formate geschrieben, also jeden Tag lustige Situationen finden und Sketche ausdenken. Dann bekam ich auch Aufträge für Drehbücher, Docutainment, Scripted Reality und Quizshows. Irgendwann wagte ich mich auch an Bücher. Das „Arschkarten-Abo“ wird ganz sicher nicht mein letzter Roman sein.

Für welche Fernseh-Shows hast du bereits gearbeitet?

„Sat.1-Wochenshow“, „7 Tage-7 Köpfe“, „Mensch Markus!“, „Versteckte Kamera“. Dann noch ein wenig Docutainment wie das „Fast Food Duell“ und „Leopard, Seebär & Co“ und in letzter Zeit jede Menge Quizshows. Zwei Standup-Programme habe ich auch geschrieben.

Für welche würdest du gerne mal arbeiten?

Ich möchte gerne mal wieder Sketch Comedy schreiben. Die „Martina Hill-Show“ würde mich reizen.

Wie würdest du deinen Humor beschreiben?

In jedem Fall ironisch, aber nicht böse. Der Held in meinem Buch „Arschkarten-Abo“ beispielsweise reagiert auf andere etwas bissiger, aber trotzdem mag man ihn irgendwie.

Wer sind deine deutschen und ausländischen Lieblings-Komiker?

Ich finde, an Pastewka kommt man nicht vorbei. Er weiß einfach, wie man die Fallhöhe bei Comedy aufbaut. Und wenn man ins Ausland schaut, da bin ich großer Fan von Stephen Colbert und John Oliver. Alles Leute, die auch über sich selbst lachen können.

Was sind deine aktuellen Lieblings-Fernsehserien?

Ich finde „The Marvelous Mrs. Maisel“ großartig. Die Anfänge des weiblichen Standups, alles eingebettet in die später 1950er, einfach lustig und super gespielt. Dann noch etwas „The Good Fight“ und „Killing Eve“. Und wenn ich nach Deutschland schaue, dann „Babylon Berlin“.

Du hast bereits zwei Bücher geschrieben. Was war der Anlass und was sind die Themen?

In der Sitcom „How I Met Your Mother“ gab es für Barney Stinson immer einen „Bro Code“, also Regeln, nach denen sich er und seine „coolen“ Freunde zu verhalten haben. Hinter meinem ersten Buch, dem Fuffziger-Codex, stand die Idee, was wohl passieren würde, wenn ein „Bro“ wie Barney plötzlich 50 wird. Letztlich immer noch das Kind im Manne, nur mit weniger Puste und mehr Falten im Gesicht. Sozusagen ein Bro Code mit Augenzwinkern.
Und mein zweites Buch war ein Ratgeber, wie man ein Haus in Schweden kauft. Ist einfacher als man denkt. Ich hab´s gemacht und weil mich viele Freunde und Bekannte löcherten, wie das geht, dachte ich mir, ich kann meine Erfahrungen ja besser gleich mal aufschreiben. Das Buch ist allerdings unter dem Pseudonym Daniel Weidemann rausgekommen, weil ich Comedy und Sachbuch schon voneinander trennen wollte.

Du bist großer Schweden-Fan und sprichst die Sprache fließend. Was liebst du an Land und Leuten?

Ich persönlich verbringe viel Zeit in Småland: rot-weißes Haus, direkt am Wald, See in der Nähe. Sozusagen Astrid-Lingren-Idyll. Ich liebe einfach Natur und Platz um einen herum. Was natürlich auch beim Schreiben hilft. So sehr ich Braunschweig liebe, es ist einfach ein etwas unbeschwerteres Leben dort oben. Und die Schweden machen es einem leicht. Sie sind supernett, aber auch von sich aus zurückhaltend. Man kommt ins Gespräch, aber es braucht seine Zeit, bis sie auftauen.

„Arschkarten-Abo“ ist dein erster Roman. Um was geht es darin?

Um das, was man zu Anfang seiner Karriere will, und das, wie es wirklich ist und dabei schiefgeht. Mein Held ist ein bisschen verpeilt, stolpert in diverse Fettnäpfchen. Deswegen Arschkarten-Abo. Es ist, als würde ihm bei jeder Sache eine Arschkarte überreicht. Er hat große Pläne, ist ehrgeizig, aber in der Zwischenzeit lebt er auch, wird älter, und gegen Ende Zwanzig fehlen noch zwei Scheine beim Studium und er sucht immer noch seinen Platz im Leben. Letztendlich ist da auch ein bisschen von mir drin. Ich habe meinen Abschluss noch gemacht, aber bei mir ist auch nicht alles glatt gelaufen, und der Weg war auch etwas länger und anders als gedacht.

Die Story spielt auch in Braunschweig und Salzgitter. Warum war dir die regionale Verortung wichtig?

Ich bin Braunschweiger, hier geboren und aufgewachsen, also lag es nahe, ein bisschen von meiner Herkunft damit einzubauen. Ist doch schön hier und irgendwas bringt man als Autor von seiner Vergangenheit und von seinen Erfahrungen immer mit rein.

Was liebst du an Braunschweig und was weniger?

Ich finde, Braunschweig hat als Stadt genau die richtige Größe, nicht zu groß, nicht zu klein. Wir haben viel Grün um uns herum und auch viele Parks in der Stadt. Ich wohne in der Nähe von Viewegs Garten, für mich und meinen Hund also optimal. Und auf der negativen Seite, mit der Parkplatzsuche wird es immer schlimmer, aber die Probleme haben wir wohl alle öfters mal.

Was willst du beim Leser deines Romans auslösen?

Mein Hauptanliegen: zu unterhalten und den Leser zum Lachen zu bringen. In zweiter Linie wollte ich zeigen, dass wir als Menschen noch so viele Pläne machen können, aber am Ende sind wir alle fehlbar. Dinge können uns im Leben immer wieder entgleiten, ob wir wollen oder nicht. Aber dass es dann auch verdammt lustig sein kann. Ich gebe zu, wenn man drinsteckt, eher weniger. Dann fühlt sich alles noch wie eine Niederlage an. Wie beim Arschkarten-Abo-Held. Ruckelt sich aber meist wieder zu recht. Also besser versuchen, trotzdem locker zu bleiben, gerade jetzt können wir das alle ganz gut gebrauchen.

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