25. Januar 2017
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„Wenn du abnehmen möchtest, dann tu es, nicht weil du dich hasst, sondern weil du dich liebst“

Fitnessbloggerin Rina Gorny aus Braunschweig im Interview über ihre Gewichtsabnahme, die perfekte Figur und ihre Lipödem-Erkrankung

Bereits 40 Kilo konnte Rina Gorny durch eine gesunde Ernährung, Sport und Willensstärke abnehmen. Foto: Privat

Rina, was hat dich dazu motiviert, über deine Gewichtsabnahme und deine Ernährung zu bloggen?
Auf der einen Seite hatte ich einen riesigen Drang, andere Menschen mit meiner Geschichte zu motivieren und ihnen zu helfen! Auf der anderen Seite hat es mich auch unglaublich motiviert, selbst am Ball zu bleiben. Irgendwann entdeckte ich meine Leidenschaft, an eigenen Rezepten zu feilen – diese musste ich dann natürlich mit den Leuten teilen, weil ich ganz gespannt auf ihre Meinungen war. Als es dann wirklich anfing, dass man meine Rezepte nachmachte, entwickelte sich mein neues Hobby: kochen und backen.

Du hast knapp 24.000 Follower auf Instagram – gibt es nicht schon genug Fitness- und Foodblogger oder wie erklärst du dir deine hohe Followerzahl?
Natürlich gibt es unendlich viele Fitness- und Foodblogger! Aber nur wenige von ihnen sind authentisch und ehrlich.  Ich möchte immer ehrlich zu meinen Followern sein und keine Scheinwelt vorspielen. Das Leben ist nicht nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ und deshalb teile ich auch liebend gern meine Rückschläge mit meiner Community. Ich mache zwar nicht die tollsten Bilder, poste aber dafür gesunde, super leckere und vor allem einfache Rezepte. Und gerade weil sie so einfach sind, denke ich, dass sie so gut ankommen.

Wie reagierst du auf „Hater“?
Hater sind mir eigentlich vollkommen egal. Ich mache mein Ding und jeder soll seins machen. Ich möchte nicht negativ durch’s Leben gehen und mich mit sowas beschäftigen müssen. Solange es jedoch konstruktive Kritik ist und ich damit auch wirklich etwas anfangen kann und sie mich weiterbringt, nehme ich sie natürlich dankend an.

Wann hast du dich dazu entschlossen abzunehmen?
Wo fange ich am besten an? Und genau mit dieser Frage ging auch meine Reise los. Ich hatte einen Arzttermin und saß im Wartezimmer, bis mich eine Dame aufrief und mich in das Nebenzimmer bat. „So Frau Gorny, dann wollen wir sie mal wiegen“, sagte sie. Wiegen? Mich? JETZT? WIE? Und da stand ich und hatte die eiskalte Realität vor meinen Augen: 99,8 kg. Zahlen, die mein Leben die ganze Zeit unglaublich negativ beeinflussten, aber ab diesem Zeitpunkt auch positiv, da es am 14.August 2013 endlich „klick“ bei mir gemacht hat! Mein einziger Gedanke war „DU WILLST DA NIE EINE 100 SEHEN.“ Ich habe angefangen meine „Abnehmreise“ auf meinem privaten Facebookprofil öffentlich zu machen und postete ein erstes Vorher-Nachher-Bild. Das Feedback war gigantisch! Das hat mich am meisten motiviert.

Wie definierst du einen perfekten Körper?
Ich definiere einen perfekten Körper so: Solange du dich wohl fühlst, hast du den perfekten Körper! Richte dich nicht nach diesen ganzen unerreichbaren, schwachsinnigen Gesellschaftsstandards. Die sind absoluter Müll! Sei so wie du bist, denn so bist du perfekt! Wenn du an dir arbeiten möchtest, dann tu es, nicht weil du dich hasst, sondern weil du dich liebst.

Inwiefern hat sich deine Gesundheit durch die Abnahme verbessert?
Bahn fahren, shoppen, in die Stadt gehen, Sport treiben, Treppensteigen, sogar Schuhe zubinden…alles war eine Qual. Man wurde immer angestarrt und ich habe immer blöde Sprüche gehört: „Guck mal die Fette da, geh mal Sport machen!“ oder  „wieso geht die zu McDonalds?“ und so weiter. Durch meine Abnahme war das alles nur noch Geschichte!

Du hast über 34 Kilogramm verloren. Wie hast du das geschafft?
Mittlerweile sind es sogar knapp 40 Kilo. Ich habe unglaublich viel an Ernährungsformen ausprobiert, weil ich überhaupt gar keine Ahnung hatte, wie mein Körper ansatzweise funktioniert. Anfangs bin ich über mehrere Wochen hinweg, sieben Tage die Woche wie eine Bekloppte ins Fitnessstudio gerannt. Dann ernährte ich mich „low carb“, hab‘ also so gut wie gar keine Kohlenhydrate gegessen.

Du hast mithilfe des Trainingprogramms „Size Zero“ abgenommen; wie sieht deine Erfahrung damit aus und ist das wirklich 300 Euro wert?
Size Zero ist für mich definitiv 300 Euro wert! Ich habe dadurch so viel gelernt – unter anderem endlich, wie mein Körper funktioniert und was er braucht. Es hat mir eine weitere Leidenschaft gebracht: Den Kraftsport! Ich liebe es Gewichte zu heben! Natürlich ist das Ziel des Programms nicht die Kleidergröße „Size Zero“ zu bekommen, sondern das Programm trägt den Namen einfach aus Marketinggründen. Mittlerweile mache ich viel lieber das Nachfolgeprogramm „Size Zero Pro“, weil der Sport mich dort noch mehr fordert und anstrengender Sport, der mich an meine Grenzen bringt, liebe ich total.

Wie schwer war es, sich an den Plan zu halten?
Anfangs war es sehr schwer den Einstieg zu finden, aber so ist das doch mit allem Neuen im Leben. Man muss sich erstmal damit beschäftigen und dann fuchst man sich rein. Ich hatte immer ein klares Ziel vor Augen: Ich wollte, dass mich die Macher des Programms, mit einem Vorher-Nachher-Bild auf ihrer Facebook Seite posten. Ich wollte, dass es viele Leute sehen und sie auch motivieren,etwas zu verändern, wenn sie unglücklich und unzufrieden mit sich sind. Ich wurde regelmäßig auf Instagram und Facebook von Julian Zietlow gepostet und dufte 2016 sogar seine Frau Alina auf der ILOVE-Party in Berlin persönlich kennen lernen. Sie hat mich sogar erkannt! Das war ein riesen goal für mich. Außerdem lernt man in der Facebook-Gruppe unglaublich viele, tolle Mädchen kennen. Daraus sind großartige Freundschaften entstanden, die für mich goldwert sind.

Gab es auch Momente, wo du einfach aufgeben wolltest?
Natürlich. Es gab sogar unzählige davon. Manchmal muss man aber zwei Schritte zurückgehen, um vier wieder vorwärts zu kommen. Manchmal sind zwei Schritte zurück auch kein Rückschlag, sondern einfach nur da, um richtig Anlauf zu nehmen 😉

Wo ist bei dir die Grenze zwischen gesund essen und Esssucht?
Diese Grenze auf dem eigenen Weg für sich selbst herauszufinden war ganz schön schwierig. Es kann sich ganz schnell ins negative Essverhalten wandeln, wenn man nicht aufpasst. Anfangs fängt man an, alles zu kontrollieren, was man isst. Man zählt rund um die Uhr Kalorien und überschlägt. Man hat ein schlechtes Gewissen, wenn man mal etwas „Schlechtes“ isst und viele fangen auch an zu hungern und rutschen in eine Essucht. Gesund zu essen ist für mich, sich von all dem zu lösen und eine gesunde Balance zu finden! Zwischen „sich mal etwas gönnen“ und gesund und ausgewogen zu essen. Sich keinen Kopf zu machen, wenn man heute mal überhaupt keine Lust auf Sport hat und man einfach ein „healthy mindset“ entwickelt, das Leben genießt und sich nicht unter Druck setzt.

Wie reagiert dein Umfeld auf deine sportliche und ernährungsbewusste Ader?
Ich habe so gut wie nie Negatives erfahren. Alle waren immer sehr neugierig, haben mir ganz viele süße Nachrichten geschrieben und sehr viel Interesse gezeigt! Anfangs habe ich eigentlich mit sehr viel Kritik gerechnet, aber die ist zum Glück größtenteils ausgeblieben. Alle haben mich immer unterstützt, waren für mich da und haben diese Umstellung akzeptiert.

Wie zufrieden bist du mit deinem jetzigen Ich?
Derzeit bin ich sehr zufrieden mit mir. Ich habe mich dazu entschieden, mich nicht mehr unnötig unter Druck zu setzen und mich immer so zu nehmen, wie ich im Moment bin! Auch mit sieben bis acht Wohlfühlkilo mehr. Manchmal braucht man auch einfach eine Auszeit von allem.

Wie hältst du dich aktuell fit?
Aktuell befinde ich mich gerade im Size Zero Pro Programm und mache drei Mal die Woche Kraft- und zwei Mal die Woche Ausdauersport.

Du bezeichnest dich als Lipödemkämpferin. Kannst du erklären, was ein Lipödem genau ist?
Ein Lipödem ist kein „Reservefett“ durch Übergewicht, sondern eine krankhafte Fettverteilungsstörung an Ober- und Unterschenkeln, sowie im Hüftbereich. Fast ausschließlich Frauen sind davon betroffen und eine der Hauptursache sind hormonelle Veränderungen. Man hat ständig Schmerzen, die Beine brennen wie Feuer und es kann sogar soweit fortschreiten, dass man im Rollstuhl landen kann, wenn nichts dagegen tut. Dick ist nicht gleich dick! Frauen mit dieser Krankheit, könnte mit einigen Operationen, in denen das krankhafte Fett abgesaugt wird, geholfen werden. Diese Operationen kosten insgesamt meistens rund zwischen 15.000-25.000 Euro. Aber nein, die Krankenkassen stellen sich quer und zahlen keinen Cent. Stattdessen sollen wir Kompressionsstrumpfhosen tragen und zur Lymphdrainage gehen. Diese manuelle Therapie bringt wenig bis nichts und kostet auf die Dauer gerechnet an die 100.000 Euro oder darüber hinaus. Die Operationen werden derzeit noch als Schönheitsoperationen eingestuft – aber um die „Schönheit“ geht es uns Betroffenen nicht, sondern einzig und allein darum, endlich ein Leben ohne Schmerzen führen zu können. Viele verschulden sich bis über beide Ohren und nehmen Kredite auf. Hoffentlich hören uns die Krankenkassen bald! Das wäre mein allergrößter Wunsch.

Seit wann hast du diese Krankheit und wie gehst du heute damit um?
Ich habe mich jahrelang gefragt, wieso meine Beine so schmerzen und immer dicker sind, als der Rest meines Körpers. Natürlich schob ich es immer auf mein Übergewicht. Jedoch blieben meine unproportional geformten Beine auch nach meiner Abnahme. Wirklich Gewissheit, dass ich Lipödem habe, habe ich seit Anfang 2015. Es gibt leider sehr wenige, kompetente Ärzte, die sich auf diesem Gebiet auskennen. In den meisten Fällen wird man immer mit einem „nehmen sie ab“ abgespeist. Mittlerweile hat es mich einfach nur stark gemacht, weil ich es mir zur Aufgabe machen konnte, die Leute über diese Krankheit aufzuklären! Mein kleines Weihnachtswunder dufte ich 2015 in Berlin erleben. Eine Frau kam auf mich zu, fragte mich „Bist du Rina Gorny?“, da sie mich von Instagram kannte. Sie erzählte mir, dass sie wegen mir wusste, an welcher Krankheit sie leidet und heute ein Jahr später ist sie Lipödemfrei, weil sie die notwendigen Operationen hinter sich hat.

Was würdest du Leuten empfehlen, die abnehmen wollen?
Lasst euch Zeit! Nehmt gesund ab, beschäftigt euch intensiv mit eurem Körper und gesunder Ernährung, nehmt eure Maße und macht Vorher-Nacher-Bilder! Und falls ihr gesunde Rezepte sucht, findet ihr sie auf meinem Instagram: rina_gorny.

Was möchtest du in Zukunft erreichen?
Ich möchte in Zukunft die Menschen weiter motivieren und inspirieren. Mein allergrößter Traum im Moment ist es, mein eigenes Kochbuch zu veröffentlichen.

Last but not least: Was ist dein Lieblingsessen?
Alles, auf dem sich VIEL Käse befindet, Nudelsalat, Ben und Jerrys und viele meiner eigenen Rezepte.

 

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