4. April 2017
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„Sting kam bei uns vorbei“

10 Jahre Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg – Interview mit Karin Kamolz

Heiß serviert von Frittenbude: Zu ihrem Elektropunk-Konzert 2015 kamen rund 900 Besucher ins Hallenbad. Foto: Veranstalter

Im Jahr 2002 wurde das Hallenbad im Schachtweg als Schwimmstätte geschlossen und für 2,2 Millionen Euro als Veranstaltungsort umgebaut. Heute bietet das Kulturzentrum Hallenbad unter anderem drei Veranstaltungssäle, einen Club, Gastronomiebreich, einen Jugendtreff, vier Proberäume, zwei Tonstudios und drei Ateliers. Seit der Eröffnung im Jahr 2007 besuchten rund eine Million Besucher viertausend Veranstaltungen. Szene38 sprach mit Karin Kamolz, zuständig für die Kommunikation, Marketing und Ausstellungen im Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg, über die Entwicklung.

Frau Kamolz, wie entstand damals die Idee, ein altes Hallenbad als Veranstaltungslocation zu nutzen?

Als das Hallenbad als Schwimmbad geschlossen wurde, hat man lange überlegt, wie man das Gebäude langfristig sinnvoll nutzen könnte. Ein Kreis von Kulturschaffenden hat dann die Idee vorangetrieben, ein Kulturzentrum daraus zu machen. Solch ein Veranstaltungsort hatte in Wolfsburg bisher gefehlt.

Mit welchen Wünschen und Hoffnungen ist das Team vom Hallenbad vor zehn Jahren gestartet? Welche haben sich erfüllt und welche nicht?

Wir haben uns gewünscht, einen kulturellen Treffpunkt für Wolfsburger mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu schaffen, der sowohl ein breites Veranstaltungsspektrum abdeckt und gleichzeitig Kreativen Räume und Möglichkeiten bietet, selbst in Proberäumen oder unserem Tonstudio tätig zu sein. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen.

Wie hat sich das Hallenbad seitdem entwickelt und verändert?

Das Hallenbad hat sich ständig weiterentwickelt und tut es immer noch, das ist auch unser Ziel. Wir haben laufend neue Veranstaltungsformate entwickelt, die inzwischen sehr erfolgreich sind, wie die Lesetage im Herbst und die Reihen Jazz im Pool, Klassik im Schwimmerbecken oder Rock im Allerpark. Auch im gastronomischen Bereich hat sich viel getan. Seit einigen Jahren führen wir das Restaurant LIDO sehr erfolgreich in eigener Regie und unser Biergarten wird fortlaufend verschönert.

Trockengelegt: Seit 2002 kann man im Hallenbad höchstens noch stagediven. Foto: Veranstalter

Wie hat sich die Stadt Wolfsburg in den vergangenen zehn Jahren parallel dazu entwickelt?

In der Stadt hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan, auch im kulturellen Bereich, und wir haben viel Unterstützung erfahren. Die Volkswagen- Krise, mit der die Stadt zurzeit zu kämpfen hat, trifft natürlich auch uns.

Was wäre Wolfsburg ohne das Hallenbad?

Um einen spannenden kulturellen Treffpunkt ärmer!!

Welche Zielgruppen besuchen das Hallenbad?

Das ist ganz unterschiedlich, wir wollen für alle Besucher offen sein. Unser Kernpublikum sind vorwiegend junge Leute, aber auch etwas ältere Besucher kommen gerne ins Kino, zu den Comedy-Veranstaltungen oder zu den Lesetagen.

Inzwischen bietet das Hallenbad viel mehr als nur Events, z. B. Ausstellungsräume, ein Kino und ein Tonstudio und Gastronomie. Wie wichtig ist diese Differenzierung? Was wird am besten genutzt?

Alle Bereiche sind gut ausgelastet, wir sind sehr zufrieden. Häufig ist die Nachfrage größer als unsere Möglichkeiten, z.B. bei der Anmietung von Übungsräumen.

Partystimmung mit modernem Beleuchtungssystem. Foto: Veranstalter

Was waren die bisher außergewöhnlichsten Veranstaltungen?

Ein Highlight war sicherlich das Mitternachts-Konzert, das der Gitarrist von Sting, der vorher in der Autostadt aufgetreten war, bei uns gegeben hat. Dominic Miller und seine Band haben ein super Konzert im Großen Schwimmerbecken abgeliefert, und sogar Sting kam noch vorbei. Natürlich ist Rock im Allerpark auch immer ein ganz besonderes Ereignis für uns, besonders das Konzert im letzten Jahr mit Madsen wird uns immer in Erinnerung bleiben.

Was waren die kuriosesten Vorkommnisse?

..dass der ICE von Jan Weiler in Wolfsburg nicht angehalten hat. Das erzählt er auch auf einer seiner CDs. Und dass immer noch Leute mit einer Badetasche vor der Tür stehen.

Was waren die bekanntesten Künstler, die aufgetreten sind?

Revolverheld, Luxuslärm, Doro, Sophie Hunger, Wir sind Helden, Max Herre, Afrob + Samy DeLuxe, Madsen, Oomph! Jan Weiler, Wladimir Kaminer, Katja Riemann, Roger Willemsen, Charlotte Roche, Harry Rowohlt … die Liste ist endlos.

Welche Künstler wünschen Sie sich im Hallenbad?

Wir hatten das große Glück, viele tolle Künstler zu Gast zu haben und wünschen uns, dass das auch weiterhin so bleibt.

Was ist zum Geburtstag geplant?

Es gibt ein umfangreiches Jubiläumsprogramm mit Konzerten, Comedy, einer Sneak-Preview in unserem Kino, einer Lesung und einer Ausstellung im Großen Schwimmerbecken. 10 Tage lang wird gefeiert!! Interessierte können das ausführliche Jubiläumsprogramm unter www.hallenbad.de finden und dort auch direkt Tickets kaufen. Das Konzert mit Bosse ist leider schon restlos ausverkauft.

Wo soll es in den nächsten Jahren hingehen?

Wir wünschen uns weiterhin ein so tolles Publikum wie bisher, das so neugierig und begeisterungsfähig ist. Alles, was wir bisher erreicht haben, wollen wir ausbauen und festigen, um den Wolfsburgern, aber natürlich auch Besuchern aus der Region ein spannendes Programm bieten zu können.

 

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