21. Januar 2016
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„Spürsinn“: Hier regiert das Polaroid

Die Exa 1b: 1977 brachte VEB Pentacon Dresden sie auf den Markt. Im Spürsinn Handelskontor stehen Analogkameras wie diese im Vordergrund. Foto: Spürsinn / oh.

Auch Paul Peltzer zückt durchaus mal sein Handy, wenn er mit Freunden auf Veranstaltungen unterwegs ist. Doch seine Leidenschaft ist eine andere: Die Analogfotografie. Der Student ist Inhaber des einzigen Braunschweiger Ladengeschäfts zu genau diesem Thema.

Es rattert, die Fotos werden in Serien – in schier unendlichen Mengen geschossen. Doch wer schaut sich 45 Fotos mit dem selben Motiv an? Vermutlich niemand. Die digitale Fotografie eröffnet den Nutzern unzählige Möglichkeiten, doch durch die damit verbundene Dateimasse geht oftmals auch Charme verloren. Peltzer hat seine Leidenschaft schon mit elf Jahren ausgearbeitet. „Meine Mutter hatte bereits einen Laden für analoge Fotografie“, erklärt er. Irgendwann schloss er, doch der Chemiestudent wollte das Konzept nicht vollends sterben lassen. Im vergangenen Jahr wurde zunächst ein Versandhandel gegründet, nach gutem Zuspruch und viel Publikumsverkehr folgte im Oktober schließlich ein eigenes Ladengeschäft: Spürsinn Handelskontor.

„Es ist ein Laden für Besonderes“, erläutert Peltzer. Er verkaufe nur Dinge, hinter denen er wirklich stehe. Neben Verbrauchsmaterialien für die Fotografie – von Filmen über Taschen bis hin zu Pinseln und Laborschalen – gibt es, natürlich, Polaroidkameras. Aber auch: Postkarten (mit sehenswerten Motiven, die einst via Instragam veröffentlicht wurden), handgemachte Bonbons sowie künftig auch Tees aus eigener Herstellung. Für die durchaus unterschiedlichen Produktgruppen hat der Inhaber einige Anekdoten und Geschichten parat, die das Angebot wieder zu einem passenden Bild zusammenführen. „Pressefotografen haben, wenn sie etwa stundenlang bei Pferderennen vor Ort sind, gerne viele Bonbons dabei. Sie essen dann die Tage zuvor wenig Zuckerhaltiges – bei dem Pferderennen selbst halten die Bonbons dann wach und helfen ihnen, den Tag zu überstehen“, schmunzelt Peltzer.

Old School? Von wegen. Polaroidkameras haben mehr als nur Nostalgiecharme - das zeigt die große Nachfrage. Foto: Spürsinn / oh.
Old School? Von wegen. Polaroidkameras haben mehr als nur Nostalgiecharme – das zeigt die große Nachfrage. Foto: Spürsinn / oh.

Sein Chemiestudium, das ihm auch bei der Analogfotografie-Technik hilft, will er in jedem Fall noch abschließen. Wenn es gut läuft, will er sich irgendwann nur noch auf den Laden konzentrieren, unter Umständen auch noch jemanden zur Unterstützung anstellen. Stete Beraterin: Seine Mutter, die sich beruflich schon seit Jahrzehnten mit der analogen Fotografie beschäftigt. Status quo: Es sieht gut aus. „Die Leute wollen die Ausrüstung, Kameras & Co nicht einfach nur im Internet bestellen. Gerade bei solchen Dingen ist die persönliche Beratung wichtig“, erklärt Peltzer. Außerdem gebe es kaum noch Möglichkeiten, entsprechende Ersatzteile und entsprechendes Zubehör zu bekommen.

Das Geschenk des Großvaters – oder auch die Ausrüstung zur Partyfotografie

Die Klientel ist dabei reichlich unterschiedlich. Vom 14-jährigen Jungen, der von seinem Opa eine alte Kamera geschenkt bekommen hat; über die Studierenden, die auf Partys mit einer Polaroidkamera unterwegs sein wollen oder auch jene, die schon immer auf die Analogfotografie schwören. „Viele an der Fotografie Interessierte wollen nicht mehr nur noch Pixel schieben, sondern etwas mit der Hand machen.“ Die Einstellungen bewusster schärfen, die Fotos aufmerksam entwickeln, die Haptik der entwickelten Fotos genießen. Die Digitalfotografie sei in den Kreisen dabei wahrlich kein „No Go“, einige würden hybrid – also auf beiden Wegen – fotografieren. „Es wird maximal ein bisschen gefrotzelt“, ergänzt Peltzer mit einem Lächeln.

Analogfotografie ist nicht einfach nur retro. „Genausowenig wie Vinyl. Beides hat sich schlicht bewährt“, so Peltzer. Es geht dabei um viel mehr als Nostalgie. Es ist eine von vielen Nischen, die einige Geschäfte im Mangiviertel besetzen. Der Student hat sich das Quartier bewusst ausgewählt. „Es sind einige Spezialgeschäfte.“ Das Viertel sei „die Stadt in der Stadt“, man kenne sich.

Über das Umfeld des Spürsinn Handelskontors werde künftig unter anderem auch ein Fotografenstammtisch organisiert. Interessierte können sich direkt im Laden – geöffnet ist dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr – oder über die Internetseite www.spuersinn-shop.de oder via Facebook melden.

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