Braunschweigs Wilder Westen

Begeisterte Zuschauer: Musical "Spiel mir das Lied vom Löwen feierte Premiere im Lokpark.

Spiel mir das Lied vom Löwen: Wilder Westen trifft auf Braunschweiger Löwen. Fotos (4): Rüdiger Knuth / oh.

Der Braunschweiger Löwe: Das Wahrzeichen ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Vor rund 850 Jahren wurde der auf dem Burgplatz thronende Löwe gegossen – in diesem Jahr wird das mit einigen Aktionen zelebriert. Die mit Abstand schönste Hommage gibt es von Christian Eitner und Peter Schanz: Sie schenken ihm mit „Spiel mir das Lied vom Löwen“ ein sehenswertes, unterhaltsames und zugleich echt braunschweigisches Stück. Am 11. August feierte es Premiere im lange ausverkauften Lokpark.

Old Schunterhand und Indianer Rote Wiese auf großem Abenteuer: Um den sagenumwobenen Schatz des Stammeshäuptlings Schwarzer Berg zu erpressen, lässt der gemeine Eisenbahnchef Raschmeyer die schöne Sushi entführen – die Schwester von Rote Wiese. In detailverliebten Kulissen wie „Dolly’s Saloon“ entwickelt sich schließlich eine Geschichte, die nicht nur zwischen den Zeilen eine Reise von Amerika nach Braunschweig unternimmt. Während die Figuren und Orte deutliche Spuren von Karl May enthalten, sorgt „Spiel mir das Lied vom Löwen“ für einen Auftritt diverser Braunschweiger Originale. Aus Harfen Agnes etwa wird Agnes The Harp.

Entführt: Die schöne Sushi.
Entführt: Die schöne Sushi.

Einen passenden Spielort als den Lokpark hätten die Initiatoren für ein Stück wie dieses derweil kaum finden können. In einer historischen Halle verfolgen die 600 Zuschauer das rund dreistündige Spektakel – Lokomotiven dienen als Kulisse sowie als Plattformen für schnelle Ortswechsel. Und, so viel sei verraten: Das „Braunschweigical“ reist. Seinen Anfang findet es außerhalb der Halle, und auch zwischendurch begleiten die Gäste die Protagonisten auf ihrer Reise durch Steppe, Saloon und über Eisenbahnstrecken.

Musikalisch ist der Unterhaltungswert groß, neben Western-anmutenden (und auf Braunschweig umgewandelten) Songs wie „Sweet Home Alabama“ und „Country Roads“ finden auch Pop-Größen wie Robbie Williams mit „Angles“ ihren Platz. Passend dazu sind die Zuschauer immer wieder in das Stück eingebunden, nebst gemeinsamen Island-Jubel wird auch im Western-Styl mitgetanzt.

In „Dolly's Saloon“ wird viel gelacht, geschossen und gescherzt.
In „Dolly’s Saloon“ wird viel gelacht, geschossen und gesungen.

„In Braunschweig weiß ein jedes Kind, dass Cowboys gern aus Ölper sind“: Eitner und Schanz ist es gelungen, ein eigentlich fernes Thema wie Western mit einem großen Rück in das Herzen der Löwenstadt zu rücken. Auch als „Zugereister“ lassen sich die vielen Anekdoten und Anspielungen nachvollziehen – gelacht wird regelmäßig. Dabei steht das unterhaltende Stück in einem Kontext, der durchaus Anlass zum Nachdenken geben darf: Tatsächlich wanderten früher Zehntausende aus dem Braunschweiger Land aus: Sie hielten den politischen Druck nicht mehr aus – ließen sich als Söldner für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kaufen, suchten Arbeit, wollten an anderem Ort von vorne anfangen. Aus der Löwenstadt in die Prärie.

Die Initiatoren haben im Lokpark eine beeindruckende Kulisse für das Stück geschaffen.
Die Initiatoren haben im Lokpark eine beeindruckende Kulisse für das Stück geschaffen.

Im Laufe des Stückes fällt das Zitat: „Die Heimat ist ein Schatz.“ Dem Veranstalter, der undercover GmbH, ist es gelungen, den Geburtstag eines Wahrzeichens mit einer Westernparodie nicht einfach nur emotional, sondern echt braunschweigisch aufzuladen. „Spiel mir das Lied vom Löwen“ ist, wie auch die vorigen Stücke aus gleicher Feder, ein Ausrufezeichen für die Treue zur Heimat. Dabei gelingt zeitgleich die Überbringung der Botschaft: Zuhause ist, wo dein Herz ist.

Weitere Informationen zum Stück gibt es auf spielmirdasliedvomloewen.de. Das Stück läuft noch bis zum 28. August – an Karten Interessierte sollten sich aufgrund der großen Nachfrage beeilen.


Eine Bildergalerie zur Premiere gibt es hier!

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