26. Oktober 2018
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Sin Davis: Auf jeden Fall trippy! 

Der Braunschweiger Slow-Motion-Rapper im exklusiven Interview

Durch die dunkle, rauschhafte Nacht mit Sin Davis, der Babyface Gang, und seiner hypnotisch pumpenden Stoner-Hymne. Foto: Facebook / Sin Davis.

Fühlst du den Rausch!? Nein, dann bitte ganz entspannt in diese „Lila Nacht“ eintauchen. Der hypnotisch-pulsierende Draufsein- Durchfeier-Feier-Track stammt vom Braunschweiger Rapper Sin Davis, einem der interessantesten neuen und facettenreichsten Rap-Acts der Region. Auch seine eindringliche, im September veröffentlichte Zwei-Minuten-Slomotion-Ballade „Strange Love“ geht gut rein. Sie zeigt Davis, der eigentlich David heißt und Teil des aufstrebenden Kollektivs Babyface Gang ist, als einen einfühlsamen und nachdenklichen, reflektierenden und unaufgeregten Songwriter. Liebe, Weed, Abhängen, Feiern, Texte schreiben, Musik produzieren, High und frei sein, Selbstreflektion und -verwirklichung, seinen Weg finden in dieser durchgedrehten digitalen Welt – Sin Davis präsentiert zeitgemäß-zeitlose Tunes und passende Worte dafür. Szene38 hat ihn interviewt. Wort ab!

 

Der Weg zur Musik

Zur Musik hat es mich schon früh im Alter von sechs Jahren getrieben. Ich habe angefangen Klavier zu spielen und das auch hart durchgezogen bis ich so 16 Jahre alt war – dann wurden halt andere Sachen wichtiger. Ich war der kleine Boy, der zu Kindergeburtstagen 50-Cent- Alben mitgenommen hat. Die Eltern von meinen Freunden haben jedoch verboten, dass wir das hören (lacht). Ich hatte also immer schon sehr großes Interesse an Rap und so war es nur eine Frage der Zeit bis ich selber angefangen habe Texte zu schreiben und Beats zu machen.

 

Der Name

Meine Wurzeln kommen aus Kroatien, meine ganze Familie lebt dort. In der Heimat nennen mich die Omas und Tanten alle immer ihren Sohn („Ohh, mein Sohn“), was übersetzt auf Kroatisch „sine moj“ heißt. So ist das Sin entstanden und halt Davis wegen meinem Vornamen. Ich hätte auch was mit Yung oder Lil am Anfang nehmen können, aber das ist so ausgelutscht.

„Wo er herkommt scheint keine Sonne“: Der Braunschweiger Rapper mit kroatischen Wurzeln, berichtet vom everyday struggle, benutzt seine Musik als Ventil. Foto: Instagram / $kinnydroe.

 

Der Trap-Virus

Ich würde selber nicht behaupten, dass mich irgendein „Trap Virus’’ infiziert hat. Ich bin mit Trap aufgewachsen und habe sowas schon gehört, als noch kein Mensch hier in Deutschland groß etwas damit anfangen konnte. Auf jeden Fall in meinem Alter. Jetzt schwappt halt alles über den Teich herüber, und Leute aus dem Mainstream und meine Ex-Bitches fangen an 6ix9ne zu hören. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, wäre ich vor Lachen umgekippt. Des Weiteren muss man ja auch nachhaken, was in Deutschland überhaupt als Trap verstanden wird. Ich bin eh nicht so der Fan davon, Musik immer in eine Sparte zu stecken.

 

Der Sound

Mein Sound ist im Vergleich zu richtigem Trap-Shit melodischer und gefühlvoller. An sich sehr schwer zu beschreiben, aber ich weiß, dass ich, wenn ich im Studio bin und mich dran erinnern kann, immer Autotune- und Distortion-Effekte feiere. Und viel Hall und Reverb-Effekte. Auf jeden Fall trippy.

 

Die Tracks

Alle meine Tracks entstehen drüben bei Skeeni in seiner WG – vor oder nach dem Feiern. Wir haben da ein Studio. Wenn wir produktiv sein wollen, machen wir auch mal so ’ne Overnight-Session. Die Nacht durchmachen, wenn‘s viel zu tun gibt. Auf jeden Fall immer nice time. Ich habe bislang so um die 20 oder 30 Songs auf SoundCloud. Wir arbeiten zurzeit an einem Tape, was nächstes Jahr kommen wird.

 

Die Themen

An erster Stelle sehe ich Musik als Ventil und reflektiere mein Leben und meine Gefühle dadurch. Es geht meist immer um den everyday struggle. Sachen, die ich mache oder die mich beschäftigen. Ich kann gar nicht so genau sagen, was ich wiederkehrend in meinen Tracks raushaue, weil es immer meist aus‘m Bauch heraus kommt und ich jetzt nicht zehn Stunden an meinen Texten sitze. Schreibe meist auf‘m Klo schnell was und dann ab ans Mic.

 

Die Lieblingssongs

An sich kann ich konkret keinen Lieblingssong von mir nennen, weil es sich stetig mit meiner Mood ändert. Ich feiere zurzeit aber hart die Sachen von Connan Mockasin. Das ist Kunst.

 

Die Vorbilder

Ein Vorbild habe nicht, eher Einflüsse. Die alten Sachen von Travis Scott haben mich früher heftig geprägt, auch viel Future. Seine Texte sind meistens so deep, aber größtenteils peilt das gar keiner, weil die Beats halt hart abgehen und alle nur abturnen wollen (lacht). An sich halt Dirty South, Three 6 Mafia, T.I., Rick Ross u.v.m. Alles, was ich früher gehört habe, hat mich zu dem gemacht, was ich bis jetzt musikalisch bin.

 

Die Kollaborationen

Mit meinen Homies, die auch aufnehmen. Generell alle aus der BFG Clique: Edo Saiya,  Playboi 52, Negatiiv OG, Felikz und viele mehr. Gerne würde ich Mal mit Mike Dean zusammenarbeiten. Der Typ ist eine Maschine an den Keys. Juicewrld oder Playboi Carti wären schon ein Traum. Hätte auch mal Bock alternative Sachen zu machen, so Tame Impala mäßig.

 

Der Lifestyle

Ich bin immer schon laidback gewesen und habe mein eigenes Ding gemacht. Die Leute respektieren das, was ich mache. Ich bin das cool Kid aus der Nachbarschaft, das von einem Fußballtalent zu einem Künstler mutiert ist und kranke Tracks im Studio mit seinen Homies macht (lacht). Das hat sich alles so eingelebt, wie es jetzt ist. Ob es Leute feiern oder nicht – thats me.

 

Der Kreativraum

Mein ganzes Team befindet sich in 38. Wir haben uns alle verknüpft und jetzt schon viel aufgebaut. Von der Videoproduktion bis hin zu Studios ist alles hier in der Gegend verankert. Dennoch würde ich Braunschweig eher als Heimat sehen. Wenn ich kreative Eindrücke haben will, fahre ich nach Berlin oder Reise irgendwo anders herum. Manchmal tut es auch einfach gut, einen Spaziergang mit Kopfhörern im Park zu machen. Oder durch die Stadt zu gehen und sich die Architektur anzugucken. Oder ich fahre aufs Land, wo mein Elternhaus ist und rauche Joints im Garten,  höre Mucke und erinnere mich an Sachen, die ich erlebt habe. Just like that.

 

Die Ziele

Mein Ziel mit der Musik ist es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und zu berühren. Den Leuten zu zeigen, dass es der Junge von nebenan geschafft hat und kein 9/5-Zeug mehr machen muss. Einfach mit der ganzen Babyface Gang zusammen on top kommen und die Zeit genießen, die wir haben und noch haben werden. Einfach durchziehen und schauen was mit der Zeit passiert.

 

Die All-Time-Top 5

Kid cudi – “The prayer”
Flatbush Zombies – “Regular and complex”
Isaiah Rashad – “West savannah”
Bone thugs n harmony – “1st of tha month“
Snoop dogg – “Sexual eruption”

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