„Queen Of Beats“

Melbeatz, die erste deutsche, weibliche Produzentin, legt am 10. September im Pantone auf.

MPC-Girl-Power: Melbeatz produziert frische Beats und innovative Instrumentals. Foto: Veranstalter

Nicht nur in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen, sondern auch im deutschen Hip-Hop sind Frauen unterrepräsentiert. Die wichtigen Positionen besetzen sie meist nicht. Bissige Alphatiere, großmäulige Lautsprecher und clevere Machtmänner findet man nicht nur in gläsernen Bürogebäuden, sondern auch in modernen Tonstudios. Angebergehabe („Mein Auto, mein Haus, meine Armbanduhr…“) und Hahnenkämpfe allerorten. Frauen haben im hart umkämpften Rap-Geschäft kaum etwas zu melden, was weniger an fehlenden Fähigkeiten, sondern meist vielmehr an der mangelnden Akzeptanz seitens der Fans und maskuliner Rapper liegt. Das Wort „Frau“ in ihrem Wortschatz wird gern durch Wörter wie „Bitch“, „Hoe“ oder „Nutte“ ersetzt. Umso erstaunlicher ist es, dass es Frauen gibt, die diese männliche Vorherrschaft durchbrechen. Cora E. und Sabrina Setlur schafften dies einst eindrucksvoll, Nina Sonnenberg a.k.a. Fiva kämpft noch heute mit Mikro und kritischen Texten gegen die männliche Hip-Hop-Vorherschaft in Deutschland an.

Als schmückendes Beiwerk und für soulige Hooklines gab und gibt es zwar immer mal wieder Frauen in Videos zu sehen und zu hören, aber nur wenige trauen ihnen das Zeug zum Rappen oder gar zum Produzieren zu. Das änderte sich erst 2001. In diesem Jahr erschien das Rap-Album „N.L.P.“ der Crew Masters Of Rap und erreichte Platz 65 in den deutschen Album-Charts. Das Besondere daran: Produziert hatte erstmals eine Frau – die junge Melanie Wilhelm alias Melbeatz. Während sich viele deutsche Produzenten häufig von Trends aus Übersee beeinflussen lassen, überzeugte die Berlinerin mit extrem frischen Beats, innovativen Instrumentals und ganz eigenem Sound. Wie gut die ehemalige Graffitikünstlerin nicht nur mit der Sprühdose, sondern auch mit dem Music Production Center (MPC) umgehen kann, bewies sie im Jahr 2004 mit ihrem Debüt-Album „Rapper’s Delight“, das bis heute als Hip-Hop-Klassiker gilt – und bis auf Platz 32 der Charts stieg. Es versammelt die Créme de la Créme der deutschen und amerikanischen MC-Szene.

Namhafte heimische MCs wie Eißfeldt (alias Eizi Eiz bzw. Jan Delay) Curse, Kool Savas und Samy Deluxe folgten ihrer Einladung ebenso wie das US-Gangsta-Rap-Duo Mobb Deep und Psycho-Rapper Ol‘ Dirty Bastard vom Wu-Tang Clan. Auch dabei: Der heutige Hip-Hop-Superstar Kanye West. „Wahrscheinlich der umtriebigste, zeitgenössischste, aufregendste Popstar der Gegenwart“, schrieb die Süddeutsche Zeitung kürzlich über ihn. Und was berichtet Melbeatz über das einstige Zusammentreffen: „Ich hatte aus Deutschland ein paar Kontakte von Verlegern in den Staaten, bevor ich zum Aufnehmen rübergeflogen bin. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm und musste ihn auch überhaupt nicht überreden, denn zu diesem Zeitpunkt wollte er sich erst noch als Rapper etablieren. Das war kurz bevor er richtig abgehoben ist. Aber ich habe damals schon an ihn geglaubt (lacht)“. Bis heute ist die Vierzigjährige, die von ihren Fans liebevoll „Queen Of Beats“ genannt wird, als Produzentin im Hip-Hop- und Elektrobereich (u.a. mit dem Projekt Durstlöscher) tätig. Am Samstag, 10. September, 23 Uhr, zeigt Melbeatz im Pantone, Steinstraße 2, dass sie zudem exzellent Auflegen kann. In ihrem exklusiven DJ-Set werden sicher auch diverse, von ihr produzierte Hits, zu hören sein. Im Vorprogramm legt übrigens ein Mann auf: Kid Kapone, Braunschweiger DJ und Beatproduzent.

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