Dynamisch, überraschend und eskalativ!

Der Berliner DJ Pro-Zeiko gewinnt die Red Bull Thre3Style Meisterschaft in Dresden – und damit das Ticket zur DJ-WM in Chile.

Pro Zeiko setzt bei seinen Sets auf Eskalation – ein Erfolgsrezept, das aufgeht. Foto: Berlinièros PR/ oh.

Scratchen, Faden, Mixen – der Berliner Pro-Zeiko gehört zu den bekanntesten DJs Deutschlands und füllt Clubs in den Metropolen der Welt. Vor zwei Jahren auch das Privileg in Braunschweig. Seine Sets sind einzigartig und geprägt von einer individuellen Mischung aus Electro, House und Urban Music, also Rap, R‘n‘B & Co. Mit den Black Eyed Peas, Paul van Dyk, Fatman Scoop oder Tiësto stand er schon auf der Bühne und auch für Special Events von Groß-Unternehmen wie Telekom, Audi, Nike oder Moët & Chandon wird er gerne gebucht. Seine drei Weltmeistertitel hat er sich durch Leidenschaft und harte Arbeit verdient. Erst kürzlich stellte er sein Talent bei dem Finale der Deutschen Red Bull Thre3Style Meisterschaft in Dresden unter Beweis: Pro-Zeiko setzte sich mit seinem 15-minütigen Set gegen sechs andere Teilnehmer durch und überzeugte mit einem furiosen Mix aus Fingerdrumming, Scratches und Juggles. Damit wird er Deutschland Ende des Jahres beim Weltfinale in Santiago De Chile vertreten. Szene38 unterhielt sich mit dem 33-Jährigen.

Wie bist Du zum DJ geworden? Wann und womit nahm Deine Karriere ihren Lauf?
Durch Basketball wurde ich langsam an die HipHop-Kultur herangeführt. Auf den Streetball-Turnieren hat damals oft ein DJ aufgelegt – das hat direkt mein Interesse geweckt. Das nötige Kleingeld für mein Einsteiger-Equipment habe ich durch das Austragen von Zeitungen erwirtschaftet. Schnell kam ich in Kontakt mit gleichgesinnten Freunden. In verschiedenen Jugendclubs haben wir uns ausgetauscht und schnell auch eigene Partys veranstaltet. Dabei war es für mich immer besonders wichtig den Plattenspieler auch als Musikinstrument zu interpretieren und ich habe immer intensiv an meinen technischen Fähigkeiten gefeilt. Die Teilnahme an DJ-Wettbewerben war der nächste notwendige Schritt.

Wie schwierig war der Einstieg und Dein Durchbruch in der DJ-Branche?
Der überregionale Durchbruch kam relativ schnell durch den Erfolg bei diversen DJ-Wettbewerben. Einige Niederlagen am Anfang haben meinen Hunger nur noch weiter gesteigert und ich konnte dann in kurzer Zeit viele Titel gewinnen. Meine persönlichen Highlights sind dabei die Weltmeisterschaften in London und Prag. Dann ging alles relativ fix. Ich bekam Angebote aus China, Südafrika und Russland. Ich wurde quasi ins kalte Wasser geworfen und musste schnell lernen auf das unterschiedliche Publikum einzugehen. Das war nicht immer ganz einfach. Richtig Spaß hat es gemacht, als ich mit meinem guten Kollegen DJ D-Tale eine Show an vier Plattenspielern ausgearbeitet habe, mit der wir noch lange um die Welt getourt sind.

Wie ist Dein DJ-Name entstanden?
Nach dem Abitur hatte ich endlich die Zeit, mich intensiv meiner Leidenschaft zu widmen. Ich hatte mir regelrechte Stundenpläne für verschiedene DJ-Techniken erstellt. Mein Rhythmus hat sich stark verschoben und ich war vor allem nachtaktiv. Das hatte zur Folge, dass meine einst frische Gesichtsfarbe langsam zu einem Dracula-Look mit dicken Augenringen wurde. Ich sah nicht besonders gesund aus und einige Freunde machten sich Sorgen. Ich erklärte Ihnen, dass ich nicht nur Hobby-DJ werden möchte, sondern das alles professionell durchziehen möchte… quasi Psycho-Modus… Pro-Psycho… Mit der ignoranten Schreibweise Pro-Zeiko.

Wie würdest Du Deinen ganz speziellen DJ-Stil beschreiben?
Dynamisch, überraschend, eskalativ.

Wer beeinflusst und beeindruckt dich?
Andere DJs wie Craze, Rasgunyado oder Woody haben mich stark beeinflusst.

Was war Deine erste gekaufte Platte oder CD?
Der erste gekaufte Tonträger war eine Michael Jackson Kassette vom Flohmarkt. Meine erste Platte war „Turn it up/Fire it up“ von Busta Rhymes.

Welche Rolle spielt Vinyl bei Dir?
Vinyl ist mein Werkzeug bzw. Instrument. Es ist definitiv das Kontroll-Medium meiner Wahl in Kombination mit einem DVS (Digital Vinyl Sytem). Mit CD-Playern oder diversen DJ-Controllern konnte ich mich bisher noch nicht anfreunden, aber ich probiere gerne neue Entwicklungen aus und bin gespannt auf die Zukunft.

Hast Du eine Plattensammlung?
Leider keine besonders große. Die meisten meiner Platten sind aus der Anfangszeit mit den ersten eigenen Partys. Der andere große Teil sind Battle-Platten, mit speziellen Sounds zum Schranken und Jugglen. Als ich 2005 meinen „Durchbruch“ bei der DJ-Weltmeisterschaft hatte, gab es das DVS System Serato als Preis. Seit diesem Zeitpunkt habe ich nur noch wenig „richtige“ Platten gekauft. Ich war nie ein Vinyl-Nostalgiker.

Welches Equipment benutzt Du zum Auflegen?
Momentan benutze ich die Reloop RP8000 Plattenspieler, den Traktor Z2 Mixer und eine Ni Maschine.

Was macht einen Top-DJ aus?
Ein eigener Style, Innovation und der gekonnte Umgang mit dem Publikum.

Was sind für Dich die intensivsten Momente beim Auflegen?
Wenn ich ein Risiko eingehe – etwas total Neues oder Ungewohntes performe – und die Leute es total feiern. Dann bin ich immer sehr dankbar.

Was war Dein bislang schönster, was Dein schlimmster DJ-Gig?
Ein schöne Erinnerung ist die Silvesternacht in Taipei auf einem großen Parkhausdach direkt neben dem damals noch höchsten Gebäude der Welt. Von dort wurde ein atemberaubendes Feuerwerk während unserer Show abgefeuert. Schlimme Gigs habe ich eigentlich nur wenn die Technik streikt. Wodka im Laptop, Stromausfälle und abgebrochene Fader, also Drehknöpfe am Controller-Pult, sind der Alptraum eines jeden DJs.

In welchen Klubs und Ländern hast Du bislang aufgelegt und wo möchtest Du noch mal hin?
Zu meinen persönlichen Highlights gehören Shows in HongKong, Dubai, Moskau, Las Vegas, Johannesburg und Zürich. Ich war schon eine Weile nicht mehr in den USA, darauf hätte ich auf jeden Fall wieder Lust.

Trittst du lieber im Club oder auf Festivals auf und warum?
Ich mag die Nähe zum Publikum. Die wahre Eskalation hatte ich in mittleren Clubs mit ca. 800 Leuten. Da kommt eine ganz individuelle Dynamik auf und man kann den Vibe richtig fühlen. Große Bühnen auf Festivals sind aber auch sehr beeindruckend, viele Menschen sind dort in einer Art Urlaubs-Modus. Durch ein besonderes Einheitsgefühl kann man das Publikum wie einen großen Organismus betrachten. Das macht als DJ natürlich auch mega Spaß.

Wie fühlt es sich an, das Red Bull Thre3Style gewonnen zu haben und zur WM nach Chile zu fliegen?
Nachdem ich mich gegen den Favoriten und aktuell erfolgreichsten Battle-DJ der Welt DJ Rafik durchsetzten konnte, bin ich mir der Verantwortung bewusst. Einige Hater möchten mich jetzt untergehen sehen. Diese Menschen sind meine Motivation, nochmal alles für Chile zu geben.

„Ich bin einfach ein Energiebündel – wenn Party, dann richtig! Und genau das war auch meine Maxime für das German Championship des Thre3Style,“ sagt PRO ZEIKO. Foto: Berlinièros PR
„Ich bin einfach ein Energiebündel – wenn Party, dann richtig! Und genau das war auch meine Maxime für das German Championship des Thre3Style,“ sagt Pro-Zeiko. Foto: Berlinièros PR

Was bedeuten Dir Deine Weltmeister-Titel?
Diese Titel haben meine Karriere in dieser Form erst ermöglicht. Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung. Trotzdem versuche ich stets hungrig zu bleiben und ruhe mich nicht auf Etappen-Erfolgen aus.

Machst Du selbst gern Party und wenn ja, was oder wen hörst Du dabei am liebsten?
Ich gehe wirklich selten privat auf Partys. Allerdings besuche ich gerne befreundete DJs oder andere Musiker bei Ihren Live-Shows wenn ich mal frei habe. Das sind dann vorwiegend HipHop- oder Rap-Veranstaltungen. Zu Hause höre ich gerne Kaytranada, Zeke, Erik Satie, Cypress Hill und Jauz.

Was ist Dein peinlichstes Lieblingsstück?
Ghost Town DJ’s „My Boo“.

Was sagen Deine Freunde und Eltern zu Deinem Beruf?
Meine Eltern waren erstaunt, dass man dieses komische Hobby auch wirtschaftlich umsetzen kann. Sie standen aber immer voll hinter mir. Meine Mutter hat mich damals zu den ersten Wettbewerben gefahren und mein Vater gibt immer noch Feedback auf meine neuen Routines. Meine Freunde waren zum Teil die ganze Zeit mittendrin. Ich habe großes Glück die besten Menschen um mich zu haben.

Würdest Du anderen raten hauptberuflich DJ zu werden?
Wenn es passiert, dann nicht mit Vorsatz. Das Feuer muss sich natürlich entfachen.

Welche Tipps hast Du für DJ-Anfänger?
Der direkte Austausch mit Gleichgesinnten hat mich am Anfang immer weitergebracht. Man sollte sich nicht isolieren und stets auf der Suche nach Inspiration und Entwicklung sein.

Hast Du einen Plan B, wenn es als DJ nicht mehr läuft?
Ich bin derzeit Langzeit-Student der Politikwissenschaft. Mit den Jahren bin ich immer seltener zur Uni gegangen. Dabei fehlen nur drei Kurse und die Abschlussarbeit. Bis 2018 läuft die Deadline (lacht).

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