Broadway-Gefühle in der Löwenstadt

OnStage-Schule bringt Braunschweig in Musicalstimmung.

OnStage: In von außen unscheinbaren Räumlichkeiten entstehenden Stücke für die große Bühne. Foto: OnStage / oh.

Grease, Hair, König der Löwen, Mamma Mia!, Starlight Express, West Side Story…die Liste an weltweit bekannten Musicals lässt sich zahlreich fortführen. Ihren Ursprung haben die „modernen Varianten der Oper“ in England und den USA. Für beeindruckende Shows muss man allerdings nicht zwangsläufig nach London oder an den New Yorker Broadway reisen: Auch in Deutschland entwickelt sich eine stärkere Musicalkultur. Viele große deutsche Städte wie Hamburg, Berlin oder auch Stuttgart bieten sehenswerte Schauspielhäuser. Bleiben Katarina Krüper und Clemens Bahn ihrer Leidenschaft treu – soll im gleichen Atemzug irgendwann auch Braunschweig genannt werden.

Die beiden sind die Betreiber der „Onstage – school of musical„. Im ersten Stock eines Bürogebäudes im Langen Hof, gelegen über dem Tattoo- und Piercing-Studio Zone, werden hier Musicalschüler für ihren weiteren Weg vorbereitet. Dabei beginnt „die“ Geschichte von OnStage gar nicht in der Löwenstadt: Kennengelernt haben sich Krüper und Bahn vor gut sechs Jahren in Oldenburg. Bereits im Musicalbusiness aktiv wussten sie schon damals: Sie wollen eine eigene Schule eröffnen. „Wir haben schließlich recherchiert in welchen Städten es noch keine Musicalschule gibt“, erklärt Krüper. Die gebürtige Wittstockerin, die ihre Ausbildung an der Stage School in Hamburg absolvierte, ergänzt: „Wir haben uns Braunschweig angeschaut – und uns hier sehr wohl gefühlt. Der Kontext mit dem Löwen hat etwas sehr mystisches.“

Mit drei Schülern startete das Vorhaben OnStage schließlich. Zwei von ihnen wollten gar auch ihren beruflichen Weg im Bereich Musical einschlagen. Einen ad hoc Sprung machte die Schule, als sie mit ihren Räumlichkeiten vom Schimmelhof an den Langen Hof zog. Bahn erklärt: „Wir haben plötzlich einen starken Zuwachs verzeichnet. Es konnte dann ’so richtig‘ losgehen.“

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Was genau passiert eigentlich in der Musicalschule? „Eigentlich alles, was mit Musicals zu tun hat. Gesang, Tanz, Schauspiel und mehr“, so Bahn. Neben interdisziplinärem Gruppenunterricht organisiert OnStage eigene Workshops und Masterclasses – mit mitunter prominenten Referenten. Stars wie Chris Murray, Patrick Stanke und Michael Ashton teilten bereits ihr Wissen mit den interessierten Schülern. US-Star Natalie Weiss zählte im Mai zu den ersten Broadway-Stars, die ebenfalls unregelmäßig bei OnStage vorbeischauen. Für all die, die noch größere Schritte machen wollen, gibt es darüber hinaus auch spezielle Einzelcoachings. Trainiert werden etwa Gesangstechniken wie funktionales Stimmtraining, Estill Voice Training, Belting oder auch Belcanto. Auch stehen Tänzer, Choreographen und Sänger für weitere individuelle Wünsche zur Verfügung.

Stella Hellmigk ist eine der Schülerinnen, die es regelmäßig für ein Einzelcoaching in die OnStage-Schule zieht. Vor einem guten Jahr schaute sie für ein Probetraining vorbei – seitdem ist sie im Musicalfieber. „Für mich ist das Gesangstraining ein Ausgleich zum Studium. Außerdem macht es einfach viel Spaß“, erläutert Hellmigk. Das Coaching sei sehr individuell, „die persönliche Verbindung zu meiner Lehrerin ist mir ebenso wichtig“.

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Wenngleich OnStage Braunschweigs erste und einzige Hobby-Musicalschule ist: Krüper und Bahn legen Wert auf Professionalität. Einige seien natürlich nur nebenbei dabei – andere dafür berufsvorbereitend. Der Aspekt „Kaderschmiede“ wird stets im Auge behalten. Langfristig soll OnStage zur Institution werden. Bahn: „Wir wollen den ‚Wow-Effekt‘. Dafür geben wir 150 Prozent.“ Bis zu dem möglichen Punkt, also der Entscheidung, dass ein Teilnehmer sich für eine berufliche Laufbahn im Musicalgeschäft entscheidet, nimmt OnStage die Engagierten aufmerksam an die Hand. Und das von Beginn an: Im Rahmen von Open Classes können Interessierte bei gesonderten Terminen reinschnuppern, die Musicalwelt für sich entdecken. Unregelmäßig gipfelt das in kleine Stand-Up-Shows direkt in der Schule – in geschütztem Rahmen.

Doch dabei muss es natürlich nicht bleiben. Speziell bei den MasterClasses werden die Schüler für die große Showbühne vorbereitet. Natürlich gibt es die Ergebnisse dann auch zu sehen: Zum 50-jährigen Bestehen des Superman-Musicals führt OnStage die Komödie erstmals in deutscher Sprache auf.

Angesteckt vom Superhelden wurden die Inhaber der Schule im vergangenen Jahr bei einem Besuch in London. Sie schauten sich Superman an – hatten noch lange unheimlich starke Ohrwürmer von den Songs des Musicals. Sie dachten sich: Das geht doch auch in Deutschland? „Superman“ selbst gab es bis dato als Musical hierzulande noch nie. Es wurde schließlich recherchiert, nachgetakt, telefoniert. Das Stück haben sich die beiden selbst übersetzt. „Seit dem Ende des vergangenen Jahres planen wir die erstmalig deutsche Aufführung“, so Bahn. 1966 feierte Superman Premiere am Broadway, in 2015 wurde gar die erste Aufführung in Europa verzeichnet. Die Produktion von OnStage ist damit nun die Premiere in Deutschland. Begrüßend zur Kenntnis nimmt das auch Bob Holiday: Der US-amerikanische Schauspieler spielte bei der damaligen Erstaufführung „den“ Superman. „Er findet das total klasse, dass wir uns dem Stück angenommen haben“, freut sich Bahn.

Superman: Mehr als 35 Beteiligte für die Bühne

Die OnStage-Schule wird mit viel Leidenschaft betrieben. Die Dimension wächst, muss mit der Superman-Produktion allerdings ein großes Stück schultern. „Deshalb sind wir froh, dass wir dabei von Bergmann unterstützt werden“, erklärt Krüper. 35 Beteiligte zähle die Aufführung, eine zusätzliche Liveband unterstreiche mit Akkordeon, Posaune, Schlagzeug & Co. Am 23., 24. und 25. September ist das Musical dann schließlich in der Brunsviga zu sehen. Rund 750 Gäste kommen dann insgesamt in den Genuss der deutschen Erstaufführung. Freitag und Samstag starte die Aufführung um 19:30 Uhr, am Sonntag um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf für 15, Restkarten an der Abendkasse für 19 Euro. Zu haben sind die Tickets bei Bergmann und online bei der Brunsviga.

Wie geht es mit OnStage in den nächsten Jahren weiter? „Im ersten Jahr der Schule haben wir eigentlich nur investiert“, resümieren die Gründer. „Langfristig versuchen wir, die Musicalwelt in Deutschland besser zu machen.“ Weniger steif und zäh – sondern frisch und dynamisch. Erleben kann man dieses besondere Gefühl etwa bei „Superman“. Dafür trainieren alle Beteiligten hart: Jeden Tag. Für den Broadway in der Löwenstadt.

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