Morgenstern meets Knigge: Sechste Ausgabe über "vibrierende Zeitdiebe" – Szene38
2. November 2015
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Morgenstern meets Knigge: Sechste Ausgabe über „vibrierende Zeitdiebe“

Autor, Moderator, Knigge-Trainer: Der Braunschweiger Danny Morgenstern ist ein Tausendsassa. Im Rahmen von "Morgenstern meets Knigge" berichtet er allmonatlich auf szene38.de. Foto: Christian Danner / oh.

Im Rahmen von “Morgenstern meets Knigge” berichtet der Braunschweiger Tausendsassa Danny Morgenstern allmonatlich über die Welt der Umgangsformen – auf euren Alltag zugeschnitten. Bei der fünften Ausgabe beschäftigt sich Morgenstern mit dem Thema: “Wenn der Zeitdieb vibriert”. Viel Spaß beim Lesen!


Für den Privatbereich gilt: Niemand sollte sich verpflichtet fühlen, an ein klingelndes oder vibrierendes Telefon zu gehen. Der Anrufer kann in einem ungünstigen Moment anrufen und nur weil uns ein Ton auf eine Kommunikationsanfrage aufmerksam macht, heißt es noch lange nicht, dass man sich aus den Gedanken reißen lassen, alles stehen und liegen lassen und das Gespräch annehmen muss.

Lassen Sie das Telefon ruhig mal klingeln ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Anrufer sollten Verständnis dafür haben, dass nur die Mailbox oder der Anrufbeantworter anspringt, obwohl er weiß, dass der gewünschte Gesprächspartner erreichbar war. Es ist unhöflich, im Nachhinein mit Sätzen wie „Du warst doch da, warum bist du nicht rangegangen?“ oder „Warum hast du auf meinen Anruf nicht reagiert?“ nachzubohren. Es wird einen Grund gegeben haben! Ein Rückruf in einer freien Minute gehört jedoch zur guten Umgangsform. Dennoch: Telefone sind Stressfaktoren und Zeitdiebe. Nach einem mehrjährigen Selbstversuch kann ich sagen: Es ist nur Trainingssache, nicht immer ans Telefon zu gehen, und wenn man das beherrscht, ist man freier und entspannter. Ich bin sogar einen Schritt weiter gegangen. Ich besitze kein Mobiltelefon. Zweimal bekam ich eines geschenkt, beide verschenkte ich weiter. Eine für mich gute Entscheidung. War es vor Jahren so, dass man schief angesehen wurde, wenn man ein Handy in der Öffentlichkeit benutzte, so wird man heute als Außerirdischer betrachtet, wenn man kein Handy besitzt. Damit muss ich leben, aber ich lebe sehr gut damit!

Allerdings scheinen sich viele Menschen eine handyfreie Zeit zu wünschen, wie der „World Freeze Day“ 2011 vor dem Braunschweiger Schloss zeigte.

Auch das Tippen von Nachrichten und das Mitlesen in Whats-App-Gruppen hält vom wirklichen Leben ab. Wie sehr die Handys den Alltag vieler Menschen bestimmen, testete ich bei einem Umgangsformenseminar zu diesem Thema: Ich ließ die circa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Satz „Mir ist gerade ein Handtuch vom Haken gefallen“ als Kurznachricht an ihre Freunde und Bekannten verschicken. Ergebnis: Fast alle bekamen auf diese Nachricht – die absolut wertlos und nicht kommunizierenswert war – eine Antwort. Jeder Empfänger der Botschaft ließ sich also Zeit stehlen. Die Rückmeldungen reichten von „Hast du getrunken? Mama.“, „Leg einen Waschlappen dazu“ über „Das ist mir auch schon mal passiert“ bis „Oh, mein Gott!“. Auch wenn diese Kommunikation nur ein paar Sekunden dauerte: Wie viele unsinniger Kurznachrichten gibt es pro Tag? Die Zeitspanne für nutzlose Botschaften wächst mit jeder SMS. Leben Sie Ihr Leben im Hier und Jetzt: Sprechen Sie live mit Freunden und Bekannten, nehmen Sie sich Zeit für die wichtigen Dinge und Gespräche. Kurzbotschaften übers Handy zu versenden, trainiert den Steno-Stil. Die Kunst zu sprechen, Augenkontakt zu halten und auf andere Menschen zu reagieren geht verloren, was im Übrigen einer der Gründe ist, warum die Zahl der Singles zunimmt. Denken Sie mal darüber nach!


Ideen oder Wünsche für ein Kolumnen-Thema von Danny Morgenstern? Einfach eine Mail an redaktion@szene38.de senden!


Über Danny Morgenstern

Danny Morgenstern ist Business-Knigge-Trainer, schult Dienstleister in psychologisch fundierten Seminaren mit den Themenschwerpunken “Moderne Umgangsformen”, Körpersprache, Kommunikation, Motivation und Umgang mit Kunden. Ferner war und ist Morgenstern als Moderator, Kolumnist und Autor tätig. Kein deutscher Autor hat mehr zum Thema James Bond veröffentlicht als Danny Morgenstern. Als Initiator des World Freeze Day hat der Braunschweiger in den vergangenen Jahren außerdem deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

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