„Unterwäsche ist Minimum“

Tänzerin Lisa-Marie Waschkowiak aus Braunschweig im Interview.

Weniger ist mehr - es gibt aber Grenzen: Lisa-Marie Waschkowiak begleitet etwa Rapper auf Touren oder ist Teil von Musikvideoproduktionen. Im Interview spricht sie über ihr Metier, das mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat. Foto: privat / oh.

Über die DJs und Musiker auf den Bühnen der Clubs und Konzerthallen wird viel berichtet. Doch was ist eigentlich mit den (vornehmlich) Damen, die allwöchentlich die Auftritte mit ihren Tanzeinlagen unterstreichen? Lisa-Marie Waschkowiak aus Braunschweig hat aus ihre Leidenschaft – das Tanzen – zu ihrem Beruf gemacht. Und hat es damit als eine der wenigen Tänzerinnen der Region in die professionelle Ebene des Nachtschwärmer-Business geschafft. Falk-Martin Drescher sprach mit ihr dazu.

Wie würdest du deinen Beruf beschreiben – und wie kam es überhaupt zu dem Job?
Das ist einfach: Tänzerin. Ich bin vor drei Jahren über einen Hostess-Job für Penthouse auf der Venus-Messe gewesen. Die haben dort Partys veranstaltet. Ich war anfangs eher distanziert, weil es sehr freizügig war. Ich fand ein Top und eine Hot-Pants schon sehr freizügig – das war in meinen Augen schon wirklich wenig. Abends im Felix Club mussten wir dann tanzen – das hat mir sehr gefallen, daraufhin hat mich ein Agenturchef aus Braunschweig angesprochen, der mich wiederum an eine Agentur vermittelte. Erst habe ich für die Agentur gearbeitet, mittlerweile bin ich seit zwei Jahren selbstständig.

Anfangs war es für dich ein Nebenverdienst. Seit wann ist das Tanzen dein Hauptjob?
Seit knapp zwei Jahren.

Was für Aufträge hast du als Tänzerin?
Größtenteils sind es Club-Bookings in Diskotheken. Ich werde meistens – aufgrund meiner Bilder – bei Instagram oder Facebook angeschrieben. Dann kommt man zusammen, verhandelt. Entweder es klappt – oder nicht: Meine Gage ist nämlich ein wenig höher ist als bei einem Agentur-Mädchen.

Warum ist deine Gage höher als die anderer Tänzerinnen?
Ich finde, dass viele Tänzerinnen oft sehr mit ihren Extensions, einem Haufen an Schminke, gemachten Brüsten & Co. verbraucht aussehen – und das bin ich eben nicht. Außerdem habe ich auch gute Referenzen, etwa durch die Kollegah-Tour.

Was ist das Tanzen für dich?
Anfangs war es eine Leidenschaft. Schon mit 16 Jahren hatte ich diesen Wunsch in mir, dass ich das später mal machen möchte – aber man traut sich dazu nicht. Dann bin ich es schließlich geworden. Mittlerweile ist es ein Job, da alles zur Gewohnheit wird. Ich habe schon so viele Partys erlebt, dass es im Endeffekt alles dasselbe ist. Es macht mir selber viel Spaß, denn anderweitig würde ich es auch für kein Geld der Welt machen.

Ihr Job ist es, tänzerisch die Herzen der Gäste höher schlagen zu lassen. Dafür erntet sie auch einige Sprüche - und hat einen guten Weg gefunden, damit umzugehen. Foto: privat / oh.
Ihr Job ist es, tänzerisch die Herzen der Gäste höher schlagen zu lassen. Dafür erntet sie auch einige Sprüche – und hat einen guten Weg gefunden, damit umzugehen. Foto: privat / oh.

Was fasziniert dich an diesem Metier?
Ich liebe das Nachtleben. Das Tanzen, das Drumherum, die Partys, die Atmosphäre. Das ist das, worauf ich Bock habe. Dazu kommt auch das viele Reisen.

Schlaucht dich das?
Ja, total. Ich habe starke Schlafprobleme – bin bis drei oder vier Uhr nachts wach und schlafe dann nicht lange.

Wie stelle ich mir bei dir eine übliche Arbeitswoche vor? Was machst du unter der Woche?
Unter der Woche mache im Grunde nichts, es sei denn es kommen durch Ferien oder Brückentage Aufträge, Videodrehs oder Fotoshootings rein.

Du hast vorhin gesagt, dass eine Normalität im Beruf einkehrt. Ärgerst du dich da manchmal darüber, wenn alles mittlerweile so gewohnt ist? Würdest du dir manchmal gerne den damaligen Spirit wieder wünschen?
Ja, aber man entwickelt sich auch weiter. Anfangs war ich nur in der Club-Szene tätig – durch die Kollegah-Tour hat sich ein weiteres Feld für mich geöffnet. Da bin ich hinterher mit Künstler zusammen zu arbeiten, Musikvideos zu drehen oder bei Livetouren mitzuarbeiten und das mit den Diskotheken außen vor zu lassen. Das alles musste ich mir aber auch erst einmal erarbeiten – das braucht seine Zeit.

Musst du dir im Rahmen deines Jobs viele dumme Sprüche anhören?
Von Auge zu Auge würde keiner einen dummen Spruch machen, dazu haben die Leute viel zu viel Respekt. In den sozialen Medien ist das anders. Da kommt der ein oder andere Kommentar, vor allem in die sexuelle Richtung mit Themen wie private Buchungen und wie viel ich pro Nacht nehmen würde.

Wie gehst du damit um?
Ich überhöre das. Manchmal ist es echt lustig und wird mit einem Screenshot festgehalten. Dann schicke ich den meinen Mädels, wir machen uns darüber lustig. Das geht mir nicht nah.

Was sind für dich reizvolle Bookings?
Auf jeden Fall sind es die Live-Auftritte wie bei Kollegah mit seinem riesen Live-Orchester vor bis zu 8000 Leuten. Das ist da ein ganz anderes Feeling. Es ist ein ganz anderer Job als in einer Diskothek vor 500 Leuten. Diese Richtung gefällt mir sehr gut und ich werde das weiter ausbauen.

„Man muss das gewisse etwas haben“

Was macht eine gute Tänzerin aus?
Das Tanzen auf jeden Fall. Die Meisten haben kein Rhythmusgefühl. Außerdem muss man in meinen Augen das gewisse etwas haben, um sich gegen die Konkurrenz durchzubeißen. Bei mir ist das der Fall.

Trainierst du dafür?
Nicht wirklich. Ich mache das vielmehr frei nach Gefühl – kam so auch in dieses Metier hinein. Ich habe auch nie einen Kurs oder etwas ähnliches gemacht – ich bin darin ein Naturtalent.

Gibt es denn überhaupt entsprechende Angebote oder Kurse?
Im Grunde muss man erst einmal den Unterschied zwischen GoGo-Tanz und Pole-Dance herausheben. Beim Pole-Dance ist es ja so, dass man an der Stange hochgeht und akrobatische Dinge macht. Da gibt es extra Pole-Dance-Kurse, die man in Anspruch nehmen kann. Beim GoGo-Tanz gibt es so etwas nicht. Man kann in den Hip-Hop-Bereich reingehen, also etwa twerken und weitere Schritte aneignen. Wenn man jedoch kein Rhythmus-Material hat, dann wird das nichts.

Würdest du sagen, dass dein Job mit Pole Dance zusammenhängt?
Ja, natürlich! Wenn da ein Tisch ist mit einer Stange, dann binde ich diese Stange mit ein.

Ist die Szene an Tänzerinnen groß?
Generell sieht man deutschlandweit immer die selben. Man denkt immer, dass es viele sein, aber das stimmt nicht. Jeder kennt jeden.

Wird man bei Auftritten auch mal von Gästen angemacht?
Das kommt ganz drauf an. Bin ich in einem Club, wo ich die Leute nicht kenne, dann werden dort schon Sprüche gelassen. Ich bin nie alleine da und habe immer Security bei mir. Mich kann also niemand anfassen. In Wolfenbüttel etwa kennt mich jeder mit Namen und dort siezen mich viele auch: „Kann ich mit Ihnen ein Foto machen?“ – so zum Beispiel.

Sind dir beim Job schon einmal skurrile Situationen widerfahren?
Ja! In einem Club in Wolfsburg sollte ein Security-Mitarbeiter auf mich aufpassen. Er ging dann weg, die Leute sahen es, nutzen es aus und schlugen mir auf den Hintern. Da kann ich als Tänzerin auch nicht gegen vorgehen, da es sonst hieße „die Tänzerin schlägt die Zuschauer“. Bei der Abrechnung meinte ich dann auch, dass das nicht geht und ich nie wieder für sie arbeiten werde. Für die Sicherheit muss immer gesorgt sein.

Auf Tour mit Rap-Größen wie Kollegah: Touren zählen zu den begehrten Jobs. Foto: privat / oh.
Auf Tour mit Rap-Größen wie Kollegah: Touren zählen zu den begehrten Jobs. Foto: privat / oh.

Kannst du etwas zu der Tour sagen, die du vorhin angesprochen hast?
Ich war mit Kollegah auf Tour. Es war so, dass wir unter der Woche drei bis vier Bookings hatten und von Stadt zu Stadt gereist sind. Ich habe dort auf der Bühne getanzt – insgesamt hat man sich während der zweieinhalb Monate über die Zusammenarbeit besser kennengelernt.

Findest du das Tourleben reizvoll?
Auf jeden Fall. Man kommt viel rum, sieht immer neue Menschen, neue Städte – das gibt sehr viel her, macht viel Spaß.

Gibt es bestimmte Szenen oder Genres, die dich besonders reizen?
Ja, insbesondere die deutsche Rap-Szene mit Bushido & Co. Da passe ich in meinen Augen ganz gut rein.

Du bist 24 Jahre alt. Steht für dich schon in Aussicht, irgendwann noch einmal die Tätigkeit zu wechseln?
Es ist absehbar – sagen wir es mal so. Lange werde ich das nicht mehr machen.

Wohin soll es dich danach am liebsten hin verschlagen?
Vorzugsweise in die Booking-Welt. Da würde ich gerne Fuß fassen – je nachdem, ob es klappt oder nicht, habe ich auch einen Plan B. Noch habe ich keine Ausbildung angefangen und würde dies gerne machen. Die Ausbildung würde dann aber auch in dem Bereich Veranstaltungen sein.

Wie reagiert dein familiäres Umfeld darauf, wenn man auf einmal sagt, dass man sich als Tänzerin selbständig macht?
Das war natürlich das Gesprächsthema Nummer eins bei meiner konservativen, strengen Familie. Meine Großeltern wissen das auch nicht so wirklich. Nur die Eisspitze vom Berg, also, dass ich tanze – und das soll auch so bleiben. Meine Mama war anfangs sehr besorgt, dass mir etwas passieren könnte oder ich abrutsche, da die Gagen etwa für Topless-Tänze hoch wären.

Gibt es für dich Outfits, die Grenzen überschreiten?
Für mich gibt es da beispielsweise einen riesengroßen Unterschied zwischen String und Mini-String. Genauso topless – das geht gar nicht. In Unterwäsche wäre das Minimum für mich.

Wenn du dich vermarkten musst – was sind deine Alleinstellungsmerkmale?
Andere sagen da oft über mich: „Meine Ausstrahlung und mein sportlicher Körper.“ Das würde ich so stehen lassen.

Räumen wir abschließend noch mit einem Klischee auf: Trinkst du bei deiner Arbeit viel?
Ich trinke gar keinen Alkohol. Es ist nicht immer das, wonach es aussieht.

Weitere Eindrücke von Lisa-Marie Waschkowiak gibt es auf ihrer Facebook-Seite und bei Instagram.

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