High Five mit der Vergangenheit

Die Braunschweiger Jazzkantine huldigt mit ihrem neuen Album „Old’s’cool“ ihren Hip-Hop-Wurzeln.

Jazz ist ihre Substanz, Hip-Hop ihr Puls - Jazzkantine veröffentlichen ihr neues Album. Foto: Marc Stantien

„Jazz ist auch so viel, dass ich mich beschäftige damit, lerne Schritt für Schritt, den Einritt, ein Ritt durch ein unbekanntes Land, schon lange stand Jazz mit Hip Hop in Verbindung wie Mischung in ’nem Gefäß, ahh, jaa…“, rappte Aleksey, ehemaliges Mitglied der Braunschweiger Jazzkantine, im Jahr 1995 auf dem Song „Es ist Jazz“.

Jazz ist 2016 noch immer die Substanz, die durch die musikalischen Adern der Jazzkantine strömt und pulsiert, aber natürlich auch Hip-Hop, der in den 1970ern in New York City, insbesondere in der heruntergekommenen Bronx, zu seinem Höhenflug ansetzte – und auch in Braunschweig seine kreativen Spuren hinterließ. Acts wie Aleksey, Cappuccino, Phase V, Such a Surge, State Of Departmentz und auch die Jazzkantine, inspiriert durch das legendäre Fusions-Band-Projekt Jazzmatazz des Gang-Starr-Rappers Gurus, rückten die Stadt Braunschweig Mitte der 90er Jahre auf die die Hip-Hop-Deutschlandkarte. Jazzkantine-Mastermind Christian Eitner saugte Anfang der 80er Jahre US-Hip-Hop in sich auf, beschäftigte sich schon früh mit Sampling und dem Programmieren eigener Beats. Später traf der Produzent und Bassist in Braunschweig auf Matthias Lanzer, der mit dem Label Rap Nation Records („That´s Real Underground“) die deutsche Hip-Hop Szene maßgeblich beeinflusste, unterstützte und 1990 ein gleichnamiges Fanzine herausbrachte. 1994 entstand dann die Jazzkantine, die noch heute auf diesem Label veröffentlicht.

Stilsicher in Sound und Style: Die Jazzkantine in Adidas-Trainingsanzügen wie einst Run DMC. Foto: Marc Stantien
Stilsicher in Sound und Style: Die Jazzkantine in Adidas-Trainingsanzügen wie einst Run DMC. Foto: Marc Stantien

Dort erscheint am 16. September 2016 auch das mittlerweile elfte Album der vielseitigen Formation mit dem treffenden Titel „Old’s’cool“. Mastermind Eitner & Co. gehen hier auf eine Zeitreise zurück zu den Anfängen des Hip-Hops in die coolen 80ern – und zugleich zu ihren eigenen Wurzeln. Einer Epoche in denen oftmals leider fast vergessene Helden wie Grandmaster Flash And The Furious Five, Eric B. & Rakim, EPMD, Public Enemy, NWA, Tone-Loc, Afrika Bambaataa oder die Jungle Brothers die Kassettenrekorder und Plattenspieler vieler Heranwachsender und auch Erwachsener Hip-Hop-Heads beherrschten – und zum Glühen brachten. Die Jazzkantine huldigt diesen aufrechten alten Recken mit Interpretationen von deren Rap-Klassikern, die teils nah an den kultigen US-Originalen liegen, aber auch mit neuen deutschen Texten aufgepimpt wurden. Ein facettenreiches Spiel mit Beats und Scratches – eine quirlig-bunte Collage aus Sounds und Samples – eine Jam-Session im brodelnden Stil-Sud von Jazz, Funk und Rap. Alles im ganz eigenen Sound und Style der Jazzkantine. Groovy, funky, erdig, aber natürlich auch ungemein eingängig. „Es war ein großer Spaß, in den alten Plattenkisten herumzustöbern – bei 1990 haben wir einen Cut gemacht. Herausgekommen ist ein Mix aus unseren Favourites, aber auch aus Songs, die harmonisch und rhythmisch reizvoll erschienen, um sie in ein neues Gewand zu stecken“, erzählt Bandleader Christian Eitner. Den Sugarhill-Gang Alltime-Klassiker „Rapper´s Delight“ nahm sich Tachi alias „Puff Baba“, mit der Crew Fresh Familee gehörte er zu den Pionieren im deutschen Hip-Hop, augenzwinkernd vor. Sein Rapper-Kumpel Cappuccino erinnert mit „You Got Soul“ an Funk- und Soul-Groove-Granaten wie James Brown und Aretha Franklin. Die Hamburgerin Sängerin Nora Becker covert den Curtis-Mayfield-Klassiker „Pusherman“, das zweite Stück auf dem Soundtrack des subversiven Blaxploitation-Streifens „Super Fly“ aus dem Jahr 1972. Eine gute und stimmige Titel-Auswahl – und nach Ausflügen ins Hardrock-Genre „Hell’s Kitchen“ (2008) und „Jazzkantine spielt Volkslieder (2012) – auch der richtige Move. Ein Schritt in die Zukunft, der zugleich auch ein High Five mit der Vergangenheit ist.

Vom 14. bis 30. Oktober geht die Jazzkantine mit schweren Goldketten behangen und – wie einst Run DMC – mit Adidas Superstars an den Füßen auf große Deutschland Tour. Am 14. Oktober sind Bandboss Christian Eitner aka Grandmaster Chriz (Bass), Cappuccino aka Captain Cappu (Rap), Tachion aka T-Rex (Rap), Tom Bennecke aka aTOMic Bee (Git), Andy Lindner aka AL Funky (Drums), Christian Winninghoff aka Win C Jones (Tp), Heiner Schmitz aka Smith The Cat (Sax), Stephan Grawe aka Chief Steve (Keyb), Air-Knee aka Cutmaster Knee (DJ) und Nora Becker aka Kinga Lizz (Singing) mit Songs vom neuen Album, aber auch mit Jazzkantine-Hits der letzten 20 Jahre live in der Brunsviga in Braunschweig zu erleben.

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