6. Oktober 2016
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Gesund und ethisch: „Der Veganizer“ Stefan Stahl im Interview!

Blogger Stefan alias "Peffe" im Gespräch über den veganen Lifestyle, Eintracht Braunschweig und Spiderman.

Ein voller Erfolg: Stefan Stahl hat mit seinem Blog "Der Veganizer" innerhalb kürzester Zeit über 120.000 Seitenaufrufe erreicht. Foto: Robert Heda

Stefan, worum geht es allgemein in „Der Veganizer“?
Der Fokus liegt auf einfachen, veganen Rezepten und das überwiegend mit gängigen Zutaten, die es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Außerdem berichte ich über Restaurants und Hotels, die vegane Speisen anbieten. Dazu noch ein bisschen Selbstbeweihräucherung und Schaumschlägerei frei nach dem Motto: „In meinem Wohnzimmer bin ich der Star!“ 😉

Wann und warum hast du angefangen zu bloggen? Woher kam die Idee?
Online gegangen bin ich Ende März 2016. Die Idee stammt von meiner süßen Frau. Wenn Du Veganer bist, dann musst Du Deinen Lebensstil ständig erklären und bist dann am Ende der Missionar, obwohl Du vorher gar nichts gesagt und nur auf Fragen oder uninformierte Einwände geantwortet hast. Ich hatte keine Lust mehr auf diese Gespräche und wollte mich gerne mit Gleichgesinnten austauschen, die sich für meine Art zu leben interessieren. Dieser Plan ist mehr als aufgegangen, denn es macht irre Spaß und es passiert jeden Tag irgendwas Neues.

Warum hast du deinen Blog „Der Veganizer“ genannt?
„Der Veganizer“ bedeutet, dass ich in erster Linie bekannte Gerichte veganisiere, dabei aber auf in Entenform gepressten Seitan oder Ähnliches verzichte. Zudem soll dieser Name bald in einem Atemzug mit Spiderman, Super-Grobi oder anderen großartigen Helden genannt werden, die unser Universum seit seinem Bestehen hervorgebracht hat.

Was möchtest du mit deinem Blog erreichen und wie integrierst du das Bloggen in deiner Alltagsplanung?
Ich möchte den Veganismus von seiner schönen Seite darstellen, weil in den Medien zu diesem Thema zu mindestens 95% nur Unsinn erzählt und geschrieben wird. Ich bin so fit wie nie, habe ohne zu hungern gut 10 Kilo abgenommen, meine Blutwerte sind überragend und auch mental bin ich viel besser drauf. Davon möchte ich etwas abgeben und den Menschen zeigen, dass die vegane Lebensweise nichts mit Verzicht zu tun hat und sich ganz hervorragend anfühlt. Mein Essen ist so bunt wie nie, niemals zuvor habe ich so abwechslungsreich und mit Freude gegessen wie jetzt. Vegan zu leben ist nicht schwer und auch nicht zeitraubend, das sind aus meiner Sicht Ausreden, weil man dafür natürlich seine Komfortzone verlassen muss. Am Anfang ist es schon nicht so leicht, weil man es gar nicht für möglich hält, in wie vielen Nahrungsmitteln tierische Inhaltsstoffe versteckt sind. Aber Veganer zu werden ist ein Prozess und sollte aus meiner Sicht Spaß machen. Es macht daher keinen Sinn, sich dabei unter Druck zu setzen. Jeder noch so kleine Schritt ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Das Bloggen ist für mich ein riesiger Gewinn, weil es unfassbar viel Spaß macht und ich nahezu täglich ganz tolle und liebe Rückmeldungen bekomme. Meine Alltagsplanung leidet darunter gar nicht so doll, ich habe nur ein paar Dinge im Tagesablauf geändert. Seitdem ich vegan lebe, schlafe ich viel besser und kürzer, deswegen starte ich jeden Tag fit und ausgeruht um 5:30 Uhr. Dann gehe ich joggen oder ins Fitness-Studio. Danach zur Arbeit (ich habe das Glück, nur noch in Teilzeit tätig zu sein) und anschließend gehört der Tag mir und meiner Familie. Abends wird gekocht, dabei schreibe ich das Rezept ganz genau auf, mache Fotos von dem Essen und im Anschluss wird gebloggt. Früher habe ich zum Beispiel auch mal „Schwiegertocher gesucht“ geguckt, das mache ich heute gar nicht mehr. Der Fernseher bleibt bei uns jetzt eigentlich jeden Tag aus. Das spart eine Menge Zeit, die man sinnvoller einsetzen kann. An den Wochenenden bin ich dann jetzt häufiger unterwegs. Ich fahre zu Seminaren, zu Messen, in Restaurants, lass mich bei unterschiedlichen Events sehen.

Vegan bedeutet nicht Verzicht: Diese leckeren Bananen-Pancakes sehen nichtt nur lecker aus, sie schmecken vor allem mega gut! Foto: Stefan Stahl
Vegan bedeutet nicht Verzicht: Diese leckeren Bananen-Pancakes sehen nicht nur zum Anbeißen aus, sie sind auch gesund und kalorienärmer als herkömmliche Pancakes. Foto: Stefan Stahl

Wie viel Zeit und Arbeit steckst Du in „Der Veganizer“?
Es sind täglich bis zu 3 Stunden, aber ich würde das nicht als Arbeit bezeichnen. Das ist mehr als ein Hobby für mich und erfüllt mich total. Ich arbeite mit einer Agentur zusammen, die sich darum kümmert, dass technisch alles läuft. Dann habe ich noch das große Glück, mit meinem Freund Robert einen tollen Fotografen an meiner Seite zu haben. Die Foodfotos mache ich alles selbst, aber die Aufnahmen von mir sind alle von ihm. Wir haben dabei jedes Mal großen Spaß. Als wir zum Beispiel vor ein paar Wochen für ein Shooting zusammen in ein Rapsfeld marschiert sind, da hat sicher kaum ein vorbeifahrender Autofahrer gedacht, dass wir da jetzt Fotos schießen würden 😉 Backen ist nicht so meine Welt, aber dafür habe ich drei tolle Mädels (Nina, Alicja und Frau Birdsen), die wunderbare Kreationen für mich und meine LeserInnen erschaffen.

Wie findest Du die Motivation und Inspiration regelmäßig neue und interessante Beiträge hochzuladen?
Ich habe unendlich viele Ideen im Kopf, obendrein fällt mir das Schreiben sehr leicht. Zudem habe ich in meinem Leben eine ganze Menge erlebt und kann diese Erlebnisse immer wieder für unterschiedliche Berichte verwenden. Die Motivation ist der Spaß an der Sache und die Rückmeldungen meiner LeserInnen. Das ist der totale Wahnsinn, was da gerade abläuft. Ich bin gerade mal ein halbes Jahr online und habe schon mehr als 6000 Follower bei facebook. Meine Seite wurde in dieser Zeit knapp 120.000 Mal aufgerufen. Das ist einfach nur sagenhaft.

Wie ist die Rückmeldung von Menschen, die Deinen Blog lesen oder gelesen haben? Gab es besonders schöne Worte?
Zu 99 Prozent sind die Rückmeldungen positiv. Die Leute haben Spaß, kochen mein Essen nach, interessieren sich für mein Thema und sind dafür total offen. Ich wurde sogar schon drei Mal auf der Straße angesprochen von Menschen, die meinen Blog lesen. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man mit denen dann ins Gespräch kommt und sie Dir sagen, dass das Essen total gut schmeckt, meine Artikel gerne gelesen werden oder gar, dass sie sich jetzt vegan ernähren und ich ihnen den letzten Kick gegeben habe. Mir hat sogar mal ein Metzger geschrieben, dass er meinen Blog mag. Das ist zwar nicht wirklich meine Zielgruppe, aber das war schon krass. Mir schreiben die Leute auch, dass ich sie zum Lachen gebracht habe, was gibt es Schöneres! Mein persönliches Highlight war ein Foto von der 2-jährigen Tochter einer Leserin, die gerade eine Suppe von mir eingeatmet hat.

Was für eine Rolle spielt die Stadt Braunschweig für Deinen Blog?
Braunschweig ist meine Stadt. Ich lebe hier seit dem Jahr 2000, hatte ein kurzes Gastspiel in einem Dorf in der Nähe, und bin winselnd und reumütig zurückgekehrt. Ich freue mich über jedes Restaurant, das etwas für einen überzeugten Grasfresser wie mich im Angebot hat. Ich freue mich über Läden wie das „Tegtmeyer“ oder „Falafeli“, wo man nur vegane Sachen zu essen bekommt, und ich mag Läden wie den Choclatte Coffeeshop in der Neue Straße, die sich auch auf Veganer eingestellt haben und mit viel Liebe zum Detail einen tollen Ort geschaffen haben. Ich mag natürlich auch die Kneipen und die wunderschöne Innenstadt. Ich liebe den Bürgerpark und die vielen grünen Orte, die Braunschweig zu bieten hat. Und ich liebe natürlich auch die Eintracht, die ich 1978 zum ersten Mal live gesehen habe und zwei Tore von Dietmar Erler gegen Dortmund bewundern durfte. Zu ganz besonderen Spielen hole ich mein Trikot mit der Nr. 7 aus dem Schrank, auf dem hinten „Popivoda“ steht. Wobei ich schon sagen muss, dass mir die Entwicklung des Fußballs ganz und gar nicht gefällt, aber das wäre dann ein Thema für ein weiteres Interview 😉 All das trägt dazu bei, dass ich mich so wohlfühle wie noch nie in meinem Leben, daran hat auch diese Stadt ihren Anteil. Ich werde auch sicher bald noch eine kleine Serie auf meinem Blog über die ein oder andere Braunschweiger Lokalität veröffentlichen.

Hast Du Ziele, die Du gerne mit Deinem Blog in der Zukunft erreichen möchtest?
Mein Ziel für mich persönlich ist es, weiterhin so viel Spaß an der Sache zu haben. Wenn ich dann mit meiner Arbeit erreicht habe, dass keine Tiere mehr für ein Geschmackserlebnis leiden und getötet werden müssen, dann kann ich mich wieder neuen Heldentaten widmen.

Weitere Informationen über Peffe und „Der Veganizer“ findet ihr hier:

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